Freitag, 30. August 2013

Uuch, da war's noch viel schlimmer.

Auf dem Hof zur zweiten Hofpause: "Na, Noemi, wie ist das denn hier so mit Freunden für Dich? War es in der Kita besser?"

"Uuch!...Da war es viel schlimmer. Da war so eine G..., die hat mir immer...." Es folgt eine anschauliche Schilderung der Greueltaten der G., der ich aber nicht so konzentriert folgen kann, wie sie es verdient hätte, weil sich da hinten schon wieder Kinder mit Sand bewerfen.

Muss aber ziemlich schlimm für Noemi gewesen sein. So dass sie jetzt nicht allzusehr unzufrieden ist, auch wenn sie immer noch allein herumhängt.

Die Mädchen mag sie nicht so sehr und der eine Versuch, den sie unternahm, mit dem Jungen J. zusammen zu spielen, ist gescheitert.

In der Bibliothek. Edith stellt den Kindern den Ort, die Regeln  und die Materialien vor. "Warum soll man draußen vor der Tür die Schuhe ausziehen und in Socken hereinkommen?" - " Weil sonst der Teppich dreckig werden WÜRDE", antwortet Jakob im für sein Alter formvollendeten Konjunktiv! Ist DAS schön!!!

Aimée liest, wie die Bibliothek heißt: "Lesewelt." Sie kann schon lesen, braucht allenfalls noch Übung, um sicherer und flüssiger zu werden!

Die Bibliothek heißt "Lesewelt", weil man beim Lesen in eine andere Welt kommt, erklärt Edith, eine der Bibliothekarinnen.

In der Pause sehe ich Jungen und Mädchen einträchtig und wild beim Fangenspiel. Jakob ist der Vater, Jasper ist der Sohn und Lilly, eine ganz Niedliche, ist der "Feind". Alle Tage vorher saß sie mit ernster Miene bei mir auf der Bank und wollte nicht mit anderen Kindern spielen. Sie hat schon etwa die fünfte Vogelfeder gefunden. Wir haben sie alle archiviert.

Eine auf dem Gang verschmachtete Wespe kam auch schon zu der Sammlung dazu sowie ein Nachtfalter mit vermutlich ähnlichem Schicksal.

Heute waren fast alle neben der Spur. Nichts klappte. Ich resignierte. Ich habe es mit Fünfeinhalbjährigen zu tun!!! Müdigkeit herrschte vor. Viele waren gestern zur Zeit des Elternabends bei Bekannten, Großeltern und wurden später am Abend abgeholt. Danach mussten sie wohl erst mal "runterkommen", so wie wir Erwachsene auch. Also waren wir heute alle nicht so besonders nervenstark.

Vielleicht auch, weil es Freitag ist. In der Kita begann alles um 9 Uhr, hier um 8. Dort ging man um 15 Uhr wieder, hier um 16 Uhr. Macht acht Stunden Aufenthalt im schulischen Bienenkorb. Meiner Meinung nach ist das definitiv für solch junge Kinder zu viel.

Wir haben jetzt drei Wochen hinter uns.

Heute früh:
Der ungeliebte Stuhlkreis mit zögerlichem Erzählen. Wir singen "Hab ne Tante aus Marokko", natürlich ohne geschlachtetes Schwein. Anstelle des armen Schweinchens singen wir "Und dann feiern wir ne Party, wenn sie kommt..." Geht ja auch. Hip hop, hoppel-poppel, piff-paff, gluck-gluck, klatsch-klatsch, oooooohhhhh , Hurra!!! Frühstück.

Immer mehr Kinder bringen ein Kuscheltier mit, das sie durch den Schultag begleitet. Wie schön! Ich lerne sie alle kennen. Das schwarze Pony, der graue und der rosa Elefant, ein Schäfchen, eine Micky Maus, ein großäugiger Waschbär ist dabei.

Dann üben wir das Silbenklatschen und -hören, Markieren, wieviele man hört und schmökern in den Bücherkästen oder malen, weil, obwohl wir fast nichts geschafft haben, niemand mehr zuhören kann. Ich ergebe mich und nenne es mal "Freiarbeit", um mich vor mir selbst zu rechtfertigen.

Draußen klebe ich eine große "1" und eine große "2" auf den Boden, schön mit Anfangspfeil und Bushaltestelle (Stoppstelle). Viele Kinder balancieren darauf. Ich verspreche mir, dass es hilft, dass sie sich den Schreibschwung mental einschleifen und vor allem, wo man beginnt, stoppt, die Richtung ändert.

Gestern ließ ich mir die Einsen zeigen. Die Hälfte, mindestens fing - O Schreck - UNTEN an, also ganz falsch herum. Obwohl.....Mannmann, das hatten wir auf viele Weisen geübt.

Ich glaube, es ist besser, sich nicht über dieses oder jenes zu wundern, sondern es einfach als gegebenes Faktum zu nehmen und damit umzugehen.



Bei der "Bushaltestelle" muss man stehen bleiben, einen Hopser in die neue Richtung machen und weitergehen.

Dann spielen wir draußen mit Liedchen: "Ein Elefant, der balancierte, auf einem Spinnen-, Spinnennetz. Da rief er: "Hurra! Es hält, ich nehme mir die Lena jetzt!" Bis alle Elefanten aneinander hängen.

Durcheinanderpurzeln ließ ich sie am Ende heute nicht, das war schon purzelig genug zwischendurch.

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1. Hofpause, der elendig lange Weg dahin eine kleine Katastrophe. In der dritten Stunde ist Freizeit. Die dritte Stunde habe ich frei, Vor- und Nachbereitung. Die Kinder können sich inzwischen draußen weiter ausspielen.

Wir haben das so gemacht, weil wir möchten, dass Spannung und Entspannung sich abwechseln. Vier Schulstunden hintereinander und dann Freizeit ist auch nicht das Wahre. (Rhythmisierung des Schultags nennt man so etwas.)

Ich spüle die Becher und Teller, die gebraucht vom Elternabend herumstehen. 

Dann gehen wir gemeinsam in die Bücherei und bekommen eine Einführung.



 Claude hat sich in ein Buch über Technik vertieft.


  
Unser Leseschiff



 Im Inneren des Leseschiffs

Lilly kommt mit einem Büchlein an und fragt: "Liest Du mir vor?" Ich lese und Moritz setzt sich auf die andere Seite dazu. So sitzen wir ganz schön zusammen und ich lese, wie Benjamin Blümchen mit Karl im Zoo die Mülltrennung einführt...

Lilly leiht sich das Buch aus. Sie mag Benjamin Blümchen so gern! Das Vorlesen erinnert mich an schöne frühere Zeiten zu Hause.... <333


 In die Klasse zum Vorlesen und für die beiden guten Leserinnen Aimée und Jonina nehmen wir uns auch noch etwas mit.


Danach 2. Hofpause. Ich warte auf Hediye, die die Kinder zum Essen übernimmt.

Währenddessen putze ich oben das Aquarium, es hat es schwer nötig. Dann kommen die Kinder hoch, und wir putzen Zähne, das ist ganz schön anstrengend. Aber wir Großen sind konsequent, wir geben uns das auch noch.

Sie mit jeweils vier Mädchen auf dem Mädchenklo, ich mit Jungs auf dem Jungsklo.

"Dreht am Ende das Wasser zu, das ist wertvoll", sage ich.

"Wasser ist wertvoll?? Das habe ich ja noch nie gehört", sagt Harun altklug. 

Später räume ich noch dies und das auf und rücke die Tische auseinander, damit am Montag nicht wieder kiloweise der Sand auf dem Boden herumliegt, wenn die neue Woche beginnt.

Pflanzen gegossen, Papiere geordnet und plötzlich merke ich: Minnaaaa! Du MUSST jetzt gehen. Es ist Zeit.

Und schon bin ich weg. Trotz aller Erschöpfung: Wenn ich schon wieder schreiben kann, besteht Hoffnung. Es geht voran. :)))

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Von 7 Uhr 15 bis 14 Uhr. Fast sieben Stunden ohne eine wirkliche Pause, höchstens mal Ins-Brot-beißen oder kurz mal "Wo der Kaiser zu Fuß hingeht", wie meine Mutter immer sagte, verschwinden. 

Für eine Dreiviertelstelle muss das jetzt reichen. Zumal gestern ja noch Abendschicht beim Elternabend gewesen war.

Freitag, 23. August 2013

Wegwegweg!

Wir sind die Klasse 1 c und es gibt uns seit zwei Wochen. Das Gefühl für das Wir ist noch sehr schwach entwickelt. Immer wieder zeigt ein Kind auf ein anderes und sagt: "Der Junge da hat..."

Ich bin heute um halb zwei geflüchtet, so wie sich das im Bewusstsein der Bevölkerung für einen Lehrer so gehört.

Ich bin mit den Nerven völlig runter und wollte nur noch wegwegweg.

Meine Arbeitszeit mit Ferienausgleich für diese Woche ist geleistet, trotzdem kämpfe ich mit einem schlechten Gewissen, denn ich sehe mich vor einer ungeheuren Halde von Aufgaben, die noch zu stemmen wären.

Erst, wenn das alles in Ordnung käme, hätte ich ein besseres Gefühl von der Sache und mir selbst in dieser Sache.

Aber das geht nicht. Der Preis ist zu hoch. Ich riskiere, krank zu werden und allerdings habe ich dazu auch keine Lust.

Bis Sonntag um 14 Uhr nehme ich mir jetzt frei.....

Haha. Und was machst Du jetzt gerade, fragt ein Teil meiner selbst den anderen. Du beschäftigst Dich immer noch mit Schule.

Ja, aber sozusagen metamäßig, auf einer anderen Ebene, antworte ich. Ich muss mein forderndes eines Innneres und mein erschöpftes und übermüdetes anderes Innere zusammenbringen.

Dafür das jetzt. Wie es geht, weiß ich auch nicht. Ob es geht...Auch unklar.

Nachdenken über S.

Man schenkte mir einmal diesen Satz:

"Arbeite nie so viel, dass Du keine Zeit mehr zum Nachdenken hast."    Georg Christoph Lichtenberg

Kinder sind heutzutage sehr spontan. Falsch. Manche/viele sind es. Andere wollen genau den Anforderungen der Schule nachkommen. Doch werden sie daran gehindert, weil die Gruppe "Spontan" mit dem Lehrer stetige Interaktionen erzwingt, die die ursprünglich intendierten Unterrichtsinteraktionen unterbrechen, immer wieder verlangsamen, aufschieben oder verunmöglichen.

Der Fluss stockt, die Unterbrechung wird zum System.

Als Lehrer agiere ich auf der Ebene der sachlichen und inhaltlichen Seite. Ich lobe die Aufmerksamen, ermahne die Abweichler, installiere Rituale und Regeln, die mittelfristig eine taugliche Struktur für ruhiges und wenig gestörtes Arbeiten bilden sollen, diszipliniere explizit Kinder, die extrem laut sind oder andere Kinder angreifen, sorge dafür, das niemand verletzt wird oder weint, tröste Weinende....hab ich was vergessen? UND DAS ALLES GLEICHZEITIG!!!!

Wenn ich das vier Stunden lang gemacht habe, kann man mich wegschmeißen. Nichts geht mehr. Ich ertrage den Lärm des Schulhofs nicht mehr, die stickige Hitze in dem verplasteten lebensfeindlichen Gehäuse/Bau....

Seit etwa 15 Jahren gibt es die Urschrei-Spezialistinnen neben den Jungsgrölern. Schwer zu sagen, was schlimmer ist. Hohe Frequenzen bis zur Schmerzgrenze im Fortissimo hochgezogen, ohne Ende, würde ich sagen.

Ich würde meine Schüler stoppen, wenn ich dabei wäre. Für mich ist das akustische Körperverletzung, und ehrlich: Es macht sie auch nicht glücklicher, wenn sie sich hysterisch ausgeschrien haben.

Doch niemand interveniert, so dringen diese Schreie bis hoch in meinen Klassenraum, in dem ich nun allein sitze. 

Vorhänge haben wir noch keine, die müsste ich erstmal selbst besorgen und nähen (lassen??). Daher ist es auch heiß. Die Vorrichtungen für die Vorhänge habe ich bei IKEA gekauft, jemand, den ich gebeten habe, hat sie drangeschraubt.

An den Deckenplatten hängen Vorhangschienen, aber man darf sie nicht bewegen. Dahinter befinden sich die Asbestfussel. Trotzdem sind diese unsachgemäßen Vorrichtungen in der ganzen Schule in Betrieb.

Wie schön, dass Asbest nicht stinkt, nicht wahr??

Ich bin unzufrieden und kann mir nicht helfen. Habe keine Lust, schlechte Dinge zu verhimmeln und positiv zu sehen.

Im ersten Stock hat wieder jemand die schöne Araucarie verrückt, als ob sie ein Möbel wäre. Sie wird daran eingehen, wenn das öfter passiert und ich darf zusehen. Monatelang. Mit solchen Leuten bin ich hier zwangsvergesellschaftet.

Nur weg, nur weg. Ich will nicht mehr. Das Aquarium müsste. Ich KANN nicht mehr!

Dann habe ich ein Gesicht vor Augen mit ernsten Augen, das mich anschaut. Und noch eins und noch eins und... Ach!

Jetzt bringe ich mich erst einmal in Sicherheit. Es muss wieder etwas wachsen bei mir auf meiner seelischen Schulschutthalde. Ich war beide Hofpausen mit draußen. Und dabei viermal mit der ganzen 25er-Gruppe durch die langen Gänge der Schule. UND SIE KÖNNEN ES NICHT!!!

Wer, verdammt, hat diese Raumentscheidung getroffen???

Essen? Trinken? Toilettengang? Nada. 

Gestern hatte ich noch große Schilder gemalt und ein Blatt mit kleinen Bildern. In welchen Wörtern man das /l/ hört oder nicht. Sprechen/hören/sortieren.

Die gemeinsame Phase an der Tafel war eine Katastrophe, das spätere Bearbeiten am Platz war intensiv und angenehm.

Mir fällt wirklich gar nichts mehr ein. Bin leer und ausgelaugt. Dabei war ich gestern um 21 Uhr im Bett gewesen....

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Mittwoch, 14. August 2013

Zu schön, um...

Es kam mir heute in manchen Momenten vor, als wären wir schon lange zusammen. Dabei war heute der dritte Tag!

Wenn Material da ist, dann beschäftigen sich die Kinder so einvernehmlich, intensiv und lange, dass es kaum zu glauben ist! 



Das war, als sie malten, kneteten, Glockenspiel und Conga bearbeiteten, aber ganz sachte, so dass es nicht störte, als eine Gruppe mit Fischer-Technik baute, andere die Waagen einsetzten und wiederum andere fasziniert die Mechanik der Mausefalle untersuchten, die die Mäuse lebendig fängt...

Ich fange an, Webrahmen vorzubereiten.

Zuerst sangen wir und gymnasizierten ein wenig zur Lockerung und Vorbereitung für das Schreiben des Zahlzeichens der 1.

"Ist doch babyleicht", sagte M. und malte schon mal vor auf das Blatt, das wir auf die Tische geklebt hatten. Es war falsch herum und hatte beim Aufstrich einen Buckel, so dass die Spitze auch eher rund war...

Also machten wir Schwungübungen. Es ist nicht ausgemacht, dass die Kinder mit dem Aufschwung beginnen. Auch für den Haltepunkt oben ("Bushaltestelle") müssen sie erst ein Gefühl entwickeln. 

Es war sehr intensiv. Von wegen babyleicht. Das war auch M. später klar.

J. kennt schon viele Buchstaben. Wenn ich es richtig beobachtet habe, zieht sie sie auch schon zusammen, es kam mir vor, als ob sie läse.



P. spricht kaum ein Wort deutsch, N. geht es ähnlich. P. ganz müde, gähnte ständig wie ein offenes Scheunentor.

N. verfolgte C. und schubste sie, trat sie, streckte ihr die Zunge heraus....

Aber sonst gab es keine schwierigen Verhaltensweisen.

Ist das eine Gruppe!!! Sind das Kinder!!! Ich habe gar nicht das Gefühl, ich muss mir mit der Ansprache besondere Mühe geben, weil sie so klein sind.

Alle waren heute ausgeglichen, keine(r) mit Heimweh und "Ich will zu Papa!"

Das klingt fast zu schön, nicht wahr?

Na gut, ich habe keine Pausen, komme nicht aufs Klo, vergesse zu essen und zu trinken und das über Stunden.

Ich glaube, wir werden es gut miteinander haben!


Das Problem ist jetzt die Didaktik und die Vielfältigkeit. Handwerklich gesehen: die Binnendifferenzierung.

Diese wunderbaren Kinder sind nicht nur schnell aufgetaut, da war gar kein Eis.

Hoffentlich gelingt es mir, ihnen vom jeweiligen Anspruchsniveau her gerecht zu werden!!!

Es darf, um anregend zu sein, nicht zu leicht sein und nicht zu schwer und zwar für jede(n) einzelne(n). Klingt banal, aber dahinter verbirgt sich das Handwerk und die Kunst in der Pädagogik.



Wir haben den Willi Wiberg gelesen. Der ist schön. So schön. Wir haben "Mein rechter Platz ist leer" gespielt und alle Namen laut gesagt. 

Wir haben "Alle Kinder lernen lesen" gesungen und "Mein Hut, der hat drei Ecken" und "Was müssen das für Bäume sein".

Wir haben die "1" geschwungen und einige Hofpausen relativ unverletzt überstanden. 

Ich habe getröstet, gesungen, gelacht, erklärt, gebastelt, habe Knete in allen Farben unter den Fingernägeln und jetzt endlich alle Namensschildchen an die Fächer zusammen mit As Hilfe rangekriegt....das Zähneputzen haben wir vergessen, Mist!

Klingt alles viel zu schön, nicht wahr?

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Morgen habe ich nur ganz kurz Schule. Danach geht's ab zu den Schäfchen, hurra!!!
Bruno wird sich freuen, unser Auto zu hören, weil dann sein Spaziergang angefahren kommt.




Mal sehen, was Alma and Friends dann so machen.


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Dienstag, 13. August 2013

War ein guter Tag

Mann, war das anstrengend heute! Aber auf eine andere Art als gestern. Ich spürte schon Ansätze von Entsprechung bei unseren "Interaktionen". 

Sicher, es geht immer noch viel daneben. Der Stuhlkreis will nicht gelingen. Das Anstellen und Zu-Zweit-Gehen ist eine kleine Katastrophe, und was Du hinten in der Schlange, die Du bilden willst, hinbekommst, breitet sich vorne wieder aus ins Chaos einer sich in alle Richtungen bewegenden Herde.

Es sind 25 Kinder. Das ist eine ganze Menge. Die Jungengruppe ist nicht mehr so abgekoppelt. Sie waren sofort mit dem Knetgummi beschäftigt oder mit dem Mengenlegen und Zahlen zuordnen.

Das ist gut! Es sind die Großgruppenphasen, die sie nur kurz durchstehen.

Wenn man besser weiß, was sie interessiert und anspricht, dann werden sie vertieft und fleißig arbeiten.

Aber beschäftige mal 25 quirlige Kinder so, dass es keinem langweilig ist....Oooahhh!!!

Wir haben, als es über einem wieder losbrauste, über das Lachen gesprochen und es war Resonanz und Einsicht da. War ich gestern doch zu sehr eine Schwarzseherin gewesen. Das hat mich sehr gefreut!

Es gibt ganz viel Liebevolles und ganz viel Lächeln und Körperkontakt.

"Bitte sagt uns sofort, wenn ein anderes Kind auf dem Hof Euch schubst oder ärgert."

Ein Junge hatte heute einen verschwollenen Fuß, sagte, ein Kind habe ihn gestern geschubst.

Er hatte heute nicht kommen wollen, aber Mama war hart geblieben. So moserte er herum, wollte in der Pause oben bleiben. Toll, ich war allein. Ich kenne ihn nicht. Am ersten Tag hatte er sich zweimal verletzt, er kann sich anscheinend nicht richtig einschätzen. 

Was tun, sprach Zeus. Er stimmte zu, sich tragen zu lassen. So lud ich ihn mir zum Vergnügen aller auf den Rücken und spielte das Pferdchen. Leider war er sehr schwer und danach wollten viele gerne auf ihrer Lehrerin reiten.

Aber wir haben es geschafft, mit ihm nach unten und wieder hoch zu kommen. Not macht erfinderisch.

Es ist die Zeit, wo manches zarte Mädchen plötzlich weint und sagt:"Ich will heim zu Papa!"

Dann schon aufmerksam sein, aber nicht zu viel, das verstärkt alles; sie fing sich, lachte auch später wieder.

Auch S., die gestern krank gewesen war wegen der ganzen Aufregung und der man heute ansah, dass sie gar nicht gerne kam, sie lachte auch und war fröhlich nach einer längeren Zeit.

Wir haben heute geknetet, Mengen gebildet, gesungen, Zahlzeichen ausgemalt, die "1" in der Luft geschwungen, den "Ernst des Lebens" vorgelesen bekommen - beim Vorlesen war die Gruppe sehr aufmerksam!! <3

Wir waren draußen und keiner verletzte sich. Das Essen schmeckte.

War ein guter Tag.

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Montag, 12. August 2013

Ich hasse die Schule

Heute bekam ich den ersten Dämpfer. War so erschöpft, dass ich erst einmal am späten Nachmittag zwei Stunden schlief!!

Zuerst wollte ich stricken. Ich spürte schon, dass ich sehr erschöpft war. Dann legte ich mich hin und irgendwann schallte das Telefon,  ach ja, muss wohl eingeschlafen sein. 

Danach fühlte ich mich wie ein Marshmallow oder so.
Und der Eindruck von meiner Zeit von halb acht bis fünfzehn Uhr hatte sich gedreht.

Irgendwas in mir wollte nicht. Woran machte sich das fest? Das Lachen klang mir im Ohr. Ich hatte einem Kind zum Toilettengang Handtücher und Seife mitgeben wollen, da war aber noch etwas Anderes in dem Korb, das bei meiner unterstützenden Bemühung klappernd zur Seite fiel...und ein aufbrausendes Lachen auslöste, erst von einigen Schülern, dann wirkte es wohl sehr ansteckend, denn es war sehr laut.

Erstklässler lachen am ersten Tag die Lehrerin AUS. (Das hätten wir uns damals nicht getraut..) 

Ja, ich höre schon, wie man mir sagt: Wenn Du Dich da gekränkt fühlst, dann bist Du nicht PROFESSIONELL.

Ich will auch gar nicht professionell sein, so, wie das immer verstanden wird. Das ist kalt und oft Vorwand für Gemeinheit von der anderen Seite, der Erwachsenenseite.

Ja, es ist gut, dass ich es aufschreibe. Warum nicht ins Tagebuch? Schicke ich meine Flaschenpost also ins Netz und stehe dazu. Ich weiß, dass viele das als peinlich empfinden, wenn man sich Blößen gibt.

Aber wenn ich verletzt bin, dann bin ich verletzt und ich steh dann erst einmal, verdammtnochmal, nicht da drüber.

Wie kann ich einen Anderen, ein Kind, wirklich schützen, wenn ich mich selbst für diese Kränkungen vom Empfinden her unempfindlich mache?

Also, ich will nicht professionell sein im üblichen Sinne, aber auch nicht unmittelbar emotional. Es muss eine vermittelnde Instanz in mir da drin geben, denn das ereignete sich in meinem Berufsfeld. Da muss ich handlungsfähig sein, und zwar in einer der Sache angemessener Weise.

Die Sache, das sind die Menschen, mit denen ich zu tun habe, in erster Linie die Kinder. Die Sache, das ist auch der Lernstoff und der Weg des Lernens für jede(n) einzelne(n).

In meiner ehemaligen Klasse konnte passieren, was wollte, niemand, wirklich niemand lachte mehr, wenn einem Anderen etwas misslang. Na ja, zu Anfang auch nicht....

Nun sehe ich, welch ein langer Weg es dorthin gewesen war, wieviele Situationen, wieviel Nachdenken, diesen éclat de rire, dieses Ausbrechen des vernichtenden Lachens über eine klitzekleine Katastrophe, diesen vornachdenklichen und unmittelbaren Impuls zum Stoppen brachte.

Wieviel Arbeit dahintersteckte, dass es nicht mehr geschah.

Ich hatte nicht hingeschaut, als das Lachen über mich rüberrollte. Jeder, der mal von einer Gruppe ausgelacht wurde, weiß, was ich meine, weiß, wie sich das anfühlt.

Würdest Du einen darauf ansprechen, käme der Satz: Ist doch nur SPAß.

Genau diese "Späße" sind ein Problem.

Was ich durch die Überakzentuierung der Erfahrung des Ausgelachtwerdens vergaß - worüber ich hinwegging, jetzt, was aber verdient, festgehalten zu werden:

Viele Kinder waren so aufmerksam, so sehr dabei bei dem, was wir machten, und diese Kinder verdienen unsere ganze Aufmerksamkeit. Ihnen gefiel das, was wir machten, sie waren dabei, sie waren lebendig und innerlich beteiligt.

Es kristallisiert sich am ersten Tag deutlich  eine Jungengruppe heraus, die untereinander ihre Positionen auf Kosten des Unterrichts festlegt, die sich miteinander auf einem eigenen Planeten befinden und wo die einzelnen von sich aus kein Gefühl für die Situation der großen Gruppe zeigen.

Es sind so etwa sechs Jungen, die sich gegenseitig befeuern. "Hast Du schon wen rausgeschmissen?", fragte mein Mann. Natürlich nicht. Nicht am ersten Tag. Eigentlich mag ich das überhaupt nicht. Wir sind doch erst am Anfang.

Als wir am Ende des Schultages waren, fragte ich die Kinder nach ihrer Befindlichkeit und lobte sie alle sehr. Ganz viele sagten, es sei schön gewesen. Man merkt es, wenn sie Kontakt aufnehmen, den Blick suchen, wie man miteinander in Verbindung kommt. 

Von den Jungs, von denen ich eben sprach, sagten drei:"Ich hasse die Schule!" Ich sagte:"Wie kann das sein? Du kennst die Schule doch noch nicht."

"Doch", sagte ein Junge, "Mein Cousin geht schon lange zur Schule, und er sagt immer, er hasst die Schule." Na ja, dann KANN die Schule ja auch nicht schön sein.... Er hat die harte Äußerung von eben damit etwas relativiert.

10% der Kinder, die die den Unterricht mit ihrem Verhalten beeinträchtigen, erhalten in der Regel 90% der Lehreraufmerksamkeit. Das darf nicht sein.

Wie es Esin einmal ausdrückte, als sie mich nach vielen Jahren besuchte. Ich hatte sie gefragt, was ich nach ihrer Meinung hätte besser machen sollen. Sie: "Du hast Dich viel zu viel mit den "schlimmen Jungs" beschäftigt. Wir Braven waren Nebensache." *_*

Danke, Esin!
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Und jetzt geht es mir schon besser. Das Nachdenken hat etwas erbracht. Ich bin nicht mehr verletzt. Dafür sind die Namenskärtchen für die Fächer und die Klassenliste nicht geschrieben. Aber ich habe meinen Blick, meinen Horizont wieder etwas weiten können und kann morgen wieder offen und freund(schaft)lich hingehen....

Darauf kommt es an. Wir stochern noch im Trüben. Wir haben noch keinen Grund unter den Füßen. Das auch macht die Sache anstrengend. Dafür kann aber keiner etwas.

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Sonntag, 11. August 2013

Ich kann aber nicht so gut die richtigen Antworten geben

Schön wäre es, mal wieder etwas "zu Papier" zu bringen, mich mit dem, was mich umtreibt, auseinanderzusetzen.

So lange hab ich nichts geschrieben. Dabei waren Ferien, viel freie Zeit. Doch es war auch noch alles unsicher und hatte noch keine Form.

Das ist nun anders. Meine alte 6 a ist nun verstreut in alle möglichen Schulen, und sie haben an ihrem neuen Ort schon eine Schulwoche hinter sich.

Besucht hat mich bisher niemand. Am letzten Tag hat auch niemand geweint, es gab keine Gefühlsausbrüche. Mir war das lieb....

Es ist auch nicht so, dass es mich nicht interessieren würde, was sie machen, wie es ihnen geht. Aber um zu wissen, was in der neuen Situation Sache ist, muss man schon länger Erfahrungen sammeln. Sonst ist es nur so eine Art Smalltalk, zu dem ich kein Talent habe und kein richtiger Austausch, der zufriedener macht.

Ich wünsche jedem meiner 6a-Schäfchen (Darf ich das so sagen?) eine gute Landung und ein aktives Schülerleben an der neuen Schule! Es freut mich auch, wenn ich einmal etwas von Euch erfahre.

Ich hoffe, wir haben Euch etwas mitgeben können, von dem Ihr jetzt zehrt und das Ihr vermehrt - ein realistisches Selbstbewusstsein, Wissen von den eigenen Stärken, Wunsch, sich in jedem Fach zu betätigen und die Fragen, die da auftauchen, nicht abzuweisen, sondern sich ihnen zu stellen oder sie sogar mit Freude und Enthusiasmus zu knacken?? Auch ein Wissen über die eigenen Schwächen und das Bemühen, sie tatkräftig zu überbrücken und zu überwinden. Das Sprichwort sagt, Genie ist zu 99% Fleiß. Auch den wünsche ich Euch!

Dann müsste es sich gut weiterentwickeln. Das wünsche ich jeder und jedem aus dieser überaus beeindruckenden Klasse, die mir in unseren gemeinsamen vier Jahren sehr ans Herz gewachsen ist.

Schönes Wort - ans Herz wachsen.

Sehen wir weiter. 

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Meine Stärken sind vielleicht Empathiefähigkeit und Gesprächsbereitschaft, wenn ich in ausgeruhter Verfassung bin.

Meine Schwäche ist, dass ich die Masse der materialen Dinge, die zu "händeln" sind, oft nicht genügend überblicke. Daran muss ich arbeiten. Stichwort Ordnung, ne?

Ein Schritt dazu war, dass ich die beiden schulischen Umzüge gemacht habe. Sie waren freiwillig und selbstbestimmt. Manche meiner Kolleginnen wunderten sich und brachten das zum Ausdruck, aber es war mir wichtig, alle meine vielen vielen Dinge, die ich als Lehrerin besitze, alle Materialien, und das ist bei mir nicht nur Papier, einmal in der Hand gehabt zu haben, angeschaut und entschieden zu haben: 

Behalten, wenn ja, wohin damit oder - Trennung! Dafür war ich in den Ferien oft in der Schule. Bin viel mit den Reinigungsleuten zusammengetroffen oder mit unserem Interimshausmeister und wir haben uns gegenseitig unterstützt.

Er hat mir ein Geländer gebaut für das Hochbett im neuen Wollraum, das sonst zerkloppt worden wäre, wenn ich nicht aus Hochbettrettungsgründen in diesen Raum gezogen wäre.

Dafür konnte ich auf Anhieb meiner Schulleiterin, als sie mich fragte, was sie ihm zum Abschied vom Kollegium schenken könnte, sagen, was ihm Freude machen würde!

Man muss Menschen ein wenig kennen, wenn man so schenken will, dass sich der Andere darüber freut.

Immerhin hatte sie mir zugetraut, dass ich da was wüsste. Mit Recht.

Das sind so kleine Sachen in meinem Leben, die mir sehr gut gefallen und die es für mich schön machen.

Fotos habe ich jetzt keine oder wenige, jedenfalls nicht vom jetzigen Zustand der neuen Klasse.

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Wir sind jetzt alle in der neuen Situation angekommen. Gestern war die so genannte Einschulung. Es war aufregend!!!

Aber nun beginnt der Alltag. Ich freue mich darauf. Die Kinder sind so sehr klein, zum Teil fünfeinhalb Jahre alt und alle waren sehr tapfer.

Zwei hatten eine Schultüte, die so schwer war, dass sie sie nicht allein die Treppe hochtragen konnten, so hatte ich links und rechts eine Schultüte zu tragen.

Elias (Namen geändert) war soo müde anschließend, er hing zwischen seinen Verwandten hinter seiner Schultüte und versteckte sich, während sie unablässig fotografierten. Aber dann sagte der Papa: "Jetzt kann er auch hineinschauen und sehen, was drin ist!" Da hatte Elias aber lange warten müssen! Dem Gewicht nach dürfte sich das Warten gelohnt haben...

Ein Junge wollte sich nicht von der Mama trennen. Bei der großen Feier saßen die Kinder vorne auf Bänken, die Eltern weiter hinten. Er ging aber tapfer mit mir mit nach vorne und sagte dabei etwas, das ich zuerst nicht verstand. Ich bat ihn, es mir noch einmal zu sagen. Er schaute an mir vorbei und sagte: "Ich kann aber nicht so gut die richtigen Antworten geben." 

Am liebsten hätte ich ihn gedrückt! Der arme Junge! Das muss ihn ja lange gequält haben, und dann SAGT er mir es einfach so, was ihn beschäftigt! 

Einschulung ist keine einfache Sache, besonders nicht für die Kinder. Besser müsste es heißen: Eingeschult-Werden ist nicht leicht. 

Aber wir haben es jetzt alle hinter uns und werden uns die Ängste und die Sorgen sicher bald gegenseitig genommen haben.

Der Weg ist nun frei. Ich bin erleichtert.

Alle Eltern waren so nett, und unsere Kinder erst! Wir drei, die beiden Lehrerinnen und Hediye, die Erzieherin, bekamen sogar Blumen!!! Das stelle man sich einmal vor. Wahnsinn, eine schöne Geste der Anerkennung und des Wunsches nach guter Zusammenarbeit.

Meine Hände waren etwas feuchter als mir lieb war. Tut mir Leid.

Die Zusammenarbeit mit Hediye empfinde ich als ein besonderes Geschenk. Deshalb nenne ich sie hier auch so....

Das einzige Problem bei der ganzen Sache: Wir dürfen jetzt weder die Kinder noch die Eltern enttäuschen.... <3

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