Montag, 4. März 2013

Nirgends regt sich Bildung und Streben

Montagmorgen. Ich glaube, wenn man Gesellschaftliches und Persönliches angemessen beschreiben könnte, dann könnte die Erörterung jedes Bereichs der Gesellschaft sinnvoll und aufschlussreich sein. Auch über das Leben in einer Firma. Doch braucht man für das Erörtern einen gewissen Abstand...Machen UND nachdenken zugleich, das ist wohl nicht so einfach.

Mir fällt da Siegfried Kracauers Werk „Die Angestellten“ ein, das ich leider nicht kenne. Es wird oft zitiert. Nicht, dass ich mich damit vergleichen möchte, möchte nur zum Ausdruck bringen, dass der Blick auf bestimmte gesellschaftliche Bereiche „von innen“ also durchaus sinnvoll sein kann.


Letztes Jahr im Frühling: Besuch bei Alma
 
Es beginnt mit einem Stuhlkreisgespräch. Ali mag keine Stuhlkreise. 

Kleiner Bericht von der Mathearbeit-Korrekturfront. Ich sag's ja immer: Wenn die Arbeiten nicht zu leicht sind, dann kann man genau sehen, wo die Einzelnen aussteigen. Selena fehlt das Runden. Sie hat toll gearbeitet während des Unterrichts und war sehr fleißig, aber sie kürzt auch nicht bis zum Ende. Messi hat die Sache mit den Nullen bei den Dezimalbrüchen nicht begriffen. Oha! Fereba hat bei der Addition ungleichnamiger Brüche vollkommen kapituliert. Aber das hatten wir doch in der Förderstunde geübt :(
Haha, Peter rechnet nach Schema F. Wenn einer der Nenner Hauptnenner sein könnte, das ficht ihn nicht an, er erweitert überkreuz und hat nachher eklig hohe Zahlen im Zähler und Nenner, die er dann noch nicht einmal wegkürzt... Genauso macht er es auch beim Rechtschreiben. Halloooo, nachdenken!!! Das kannst Du besser! Ich habe ihn aber im Kreis gefragt: "Willst Du es allein hören oder vor der Klasse?" Er meinte: Vor der Klasse sei auch in Ordnung. Er bekommt Selbstbewusstsein, man merkt es richtig. Das ist nicht mehr so kindlich, er lässt sich im Moment nicht mehr so leicht beeindrucken. Nicht schlecht, wenn er nicht gerade über meine "achtzigjährige" Lehrertätigkeit herzieht. Demnach müsste ich 102 Jahre zählen...

Ich hätte die leistungsstärkeren Schüler für etwas fitter gehalten. Einsteins sind nicht dabei. Dabei hatten wir ALLES! geübt, geübt, nochmal erklärt. Die besten haben 70% der Punkte! Das ist höchstens "3"!!!

Das macht kein' Spaß. Von M. wollen wir mal gar nicht reden. Was mach' ich mit ihm, ich hätte mich NIE überreden lassen dürfen, ihm eine "2" im Zeugnis zu geben, so auf Kredit, damit es jetzt besser geht, "Ich hab eine 6", flüstert er neben mir, ich kann es hören. So realistisch ist er, immerhin.

Er ist extrem müde, reißt den Mund ständig auf wie ein Scheunentor, P. hängt mit dem Kopf auf dem Tisch. "Was ist los? Ihr hattet zwei Tage Zeit, Euch auszuruhen. Montags morgens ist man topfit und nicht todmüde!" "Das ist, wenn ich beim Papa bin", sagt P., "Da kann ich so schlecht schlafen. Da müssen wir uns immer so quetschen.."  M. wacht so langsam über den Tag hinweg auf. P. auch. Es wird besser. --- Mein Gott, bald drehen die die Uhren um noch eine Stunde zurück, dann fangen wir - biologische Uhr! - um 7 Uhr mit der Schule an, dann kannst Du das noch mehr vergessen. 

Ich will auf den Frühling hinaus, und zwar mit Goethe, und zwar mit dem Osterspaziergang. Der aber kommt hier ganz schlecht an. Meine "par coeur"-Darbietung wird mehrfach unterbrochen.  

Unter anderem von X, die einen Lachanfall zelebriert, der andere wohl anstecken soll. Ich schicke sie hinaus. Als wir Pause machen, kommt sie ungebeten wieder herein, und ich schicke sie wieder hinaus. Bereite nun ihr Verbleiben für die zweite Stunde in der Nachbarklasse vor. Alles hat seine Grenzen. Das Bildungsunterfangen verunmöglichen, aber dann die Pause mit den Freundinnen mitnehmen. Sie hat mich noch nicht mal gefragt, ob sie hereinkommen darf! Nicht mit Mutti, nicht mit mir! Bleibe nachtragend.

Nach der Hofpause bitte ich sie um ein Gespräch. Sie war zur Pause in die Klasse gekommen und hatte trompetet: "Da drüben ist es viel leiser als bei uns!" Kampfansage. 

Frage sie, ob sie mir etwas sagen möchte. Nein, möchte sie nicht. Ich hätte gerne eine Entschuldigung gehabt, als sie wiederkam, teile ich ihr mit. Aber das liegt außerhalb ihres Horizonts. Sie reagiert gar nicht. Bei ihr habe ich das Gefühl, sie hat sich zwei/drei Monate angestrengt, um im Halbjahreszeugnis einigermaßene Noten zu bekommen. Direkt danach fiel sie wieder in ihre alte Lethargie zurück. Und wir hatten uns so gefreut und sie so gelobt! So kann man sich täuschen. Man denkt, nun ist der Groschen gefallen, dabei ist es nur Berechnung gewesen....

Inhaltlich war das sehr schwer mit dem Osterspaziergang. Sehr schwer.

Es war kaum etwas da zum Anknüpfen, und wenn, dann war es falsch. Im Frühling gibt es keine neuen Haselnüsse,  das ist der Herbst. Was bildet sich da und regt sich? Knospen? Gräser, Pflanzen? -- Ach egal, wir haben doch alles und bei uns liegt's doch im Supermarkt. So what mit dem blöden Frühling...
Bin einen Moment lang sehr enttäuscht von der Gruppe.

"Überall regt sich Bildung und Streben.." Bloß hier nicht. Hier regt sich nichts. Gar nichts. Tote Hose.

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in raue Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächt'ge Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt's im Revier
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Ja, es muss viel geklärt und besprochen werden, und wenn die Kinder in der 6. Klasse so hilflos vor einem Gedicht stehen, dann liegt das auch an der Deutschlehrerin, die sie dreieinhalb Jahre hatten. Okay. 

Sie nehmen meine Bemühungen geduldig  hin wie eine wohl bekannte Macke von jemandem und danach müssen sie es in ihr Geschichten- und Gedichteheft abschreiben. Schönschrift! Mit Selbstkontrolle. Wer abgibt und noch drei Fehler hat, schreibt es neu. Schöne Arbeiten kommen dabei heraus, nachdem zwei Schüler alles neu schreiben mussten....

Hofpause. Zwei Stunden habe ich jetzt keinen Unterricht. Ich versuche, Bastians Mama anzurufen, aber es gelingt mir nicht. Habe einen dicken Packen Post zum Wegschicken und die Kuradresse verlegt.

Kann die Anträge für die Kostenerstattung zur Klassenfahrt abschließen und eintüten. Endlich!! Heute bekommen es die Kinder mit nach Hause. Danach sind die beiden Freistunden vorbei. Viel zu wenig Zeit! Jede Stunde könnte ich dreimal füllen!

Dann beschäftigen wir uns mit Masse, Volumen und Dichte bei Stoffen. Ganz interessant. Peter wieder voll gut dabei. Ganz wach und intelligent. Er hat ein "Nawi-Näschen".
Schnell sind beide Stunden um, das war's für heute.

Morgen gehen wir ins Islamische Museum. Ich freu mich auf die Führung! Lese- und Klassenpaten Matti und Kerstin kommen mit uns, Sevda hat noch einen Kurs an der Uni zu absolvieren.

Ich freu mich. Mit der Klasse durch die Stadt und ins Museum ist immer sehr, sehr schön! 

*******

Muss jetzt noch ein paar Mathearbeiten nachgucken, habe aber nicht so die rechte Traute.... +_+



Letztes Jahr im Frühling: Bruno chillt.

Freitag, 1. März 2013

Typisch Conny

Aiie, aua, das tat weh! Der Morgen beginnt mit der Begutachtung einer Verletzung, die gestern in der freien Zeit auf dem Hof angebracht wurde. Das muss ganz schön weh getan haben! Bei der Klärung wird meine Hilfe anscheinend nicht gebraucht. Es sei schon geredet worden - okay, muss mich nicht in alles einmischen. Aber Verletzungen fotografiere ich stets, sozusagen als Beweis. Da hatte sich jemand richtiggehend verkrallt.





Seit heute arbeite ich im 38. Jahr. Als ich den Kindern sagte, am 1.3.1976 habe ich angefangen, als Lehrerin zu arbeiten, sagt Peter uncharmant: „Vor achtzig Jahren“, und ich verzichte auf weitere Erörterungen zu diesem Thema.
Ab jetzt beträgt die Arbeitszeit in meinem Leben weniger als drei Jahre. Es wird übersichtlich. Dass ich mich mit meiner nachschulischen Zeit beschäftigte, galt für mich lange nicht, eigentlich kenne ich das erst seit etwa zwei Jahren, als es anfing, mit meiner Gesundheit bergab zu gehen und als das Teilzeitmodell für ältere Lehrer vom Senat weggekürzt wurde.

Hab immer über die anderen gelästert, innerlich, die schon in jüngeren Jahren über ihre Pensionen redeten, fand das immer etwas obszön.

Über meine Pension rede ich immer noch nicht, aber ich schaue, dass das Geld später auch reicht. Meine Schulschäfchen müssen auch mitkommen und die fressen pro Monat schon 300 Euro weg, dann haben sich noch ein paar dazugemogelt, und die erfreuen sich für 150 Euro ihres Lebens.
Dafür komme ich dann bestimmt in den Schafhimmel, wenn es soweit ist, ich freu mich schon darauf! ;)

Im Moment rechnen die Schüler an ihrer Klassenarbeit, wir haben alles besprochen, nun sind sie „dran“.

Immer wieder denke ich mir: Warum schreibe ich das alles auf? Schreibt jemand, der in einer Firma arbeitet, immer alles auf?? Ist das nicht lapidar und überflüssig, was ich hier mache?

Dann kommt mir der Gedanke, dass Schule ja auch ein wichtiger gesellschaftlicher Raum ist und dass Einblicke jenseits der mainstreamigen „Hof“berichterstattung, wie man sie bei einigen Berliner Tageszeitungen so findet, vielleicht auch tauglich sein könnten für den einen oder die andere, sich einen Eindruck zu verschaffen.

In jedem Leben vermischen sich die so genannten subjektiven und objektiven Aspekte, und unsere Generation trat an, um zu unterstreichen, dass auch das scheinbar nur persönliche/subjektive Empfinden höchst gesellschaftlich/politisch sein kann.

Also das, was sich z.B. in einem gesellschaftlichen Raum wie der Schule vollzieht - nach dem Wegfall der Systemkonkurrenz des Kalten Krieges, wo der Kapitalismus, der sich jetzt auch so nennen lässt, allein übriggeblieben ist, allein herrscht, wo der Sozialismus durch die Erfahrungen mit seiner erlebten Form diskreditiert ist - immense Veränderungen seitdem und es geht immer weiter und ich denke, es geht vollends in die falsche Richtung weiter. (Die Denke der "Quants", der Quantifizierer) Aber dieser Satz weiß hinten nicht mehr, wo er vorne losgesprungen ist.

Das alles reicht hinein bis ins Innerste der Menschen.

In meiner Jugend war das Wort „Reform“ etwas ganz Positives. Wenn etwas reformiert wurde, dann wurde es anschließend besser für die Menschen. Nach und nach bekam das Wort sozusagen Würmer und fing an, faul zu riechen: Immer, wenn einer „Reform“ sagte, wurde etwas schlechter als es vorher gewesen war.

So viel über die Wandlung eines Wortes. Wörter stehen nicht wie Steine in der Landschaft, sie verändern sich, wenn sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in die diese Wörter gestellt sind, verändern. Selbst Steine verändern sich... Deshalb ist es sicher angemessen, diesen Rahmen mitzubedenken.

Natürlich gibt es Leute, die das nicht wollen. Das sind die Leute, die wollen, dass man nicht nachdenkt. Sie wollen auch, dass wir glauben, dass Wörter sozusagen Naturgegebenheiten sind. So werden wir wehrlos gemacht, wenn wir das glauben.

Die Naturalisierung gesellschaftlicher Gegebenheiten dient politischen Zielen. Wer weiß, dass sich Verhältnisse entwickelt haben, weiß auch, dass sie veränderbar sind. Darin liegt Hoffnung.

Ich habe das während der Mathearbeit meiner Schüler geschrieben. Alles war erklärt und man durfte trotzdem noch fragen.

Durfte ich das??

X weint. Er schafft es nicht. Er sagt immer: „Ich weiß.“, wenn man ihm etwas erklärt. Bekommt er Aufgaben, spielt er herum, er hat dann nach einiger Zeit etwa ein Zehntel dessen an Übungen bearbeitet, was andere geschafft haben. Er hat kein realistisches Selbstbild und deshalb subjektiv, innen drin, keinen Grund, etwas zu ändern. Er hat aber Angst davor, seiner Mutter ein schlechtes Ergebnis zu präsentieren. Denn seine Mutter möchte, dass er aufs Gymnasium geht. Ich hätte ihm zwei oder drei Jahre seelische Reifung gegönnt, bis er mit seiner Empfindungswelt auf die Höhe seiner Verstandespotenziale gleichgezogen hat. Doch das wird ihm leider nicht zugestanden.

Y sagt: „Ich hab doch immer alles gekonnt. Auch Hans sagt, ich bin gut in Mathe, und jetzt weiß ich nicht, was ich rechnen soll. Ich hab alles vergessen.“

Z sagt: „Ich kann das, aber um 8 oder 9 Uhr, das ist zu früh für mich, da bin ich noch müde.“

Nachfrage bei der Klasse. Viele wirken erschöpft, möchten eine Pause. Wir haben jetzt eine halbe Stunde gerechnet. Wir machen die Pause, machen etwas Anderes, nehmen die Hofpause noch dazu. Ich sammele die Blätter ein, in der 3. Stunde geht es weiter.

Das Problem sind die Art Aufgaben, die nicht nach einem eingelernten Schema F abgehandelt werden, sondern die eine Art Algorithmus erfordern, einen Lösungsweg in einzelnen Schritten, den man selbst wählen und gehen muss. Hier liegt das Kardinalproblem.

Zum Beispiel: Schreibe 12/15 als Dezimalbruch! Hier musst Du erst einmal durch 3 kürzen, dann ergibt sich 4/5, dann erweitere mit 2, es ergibt sich 8/10, das kannst Du jetzt als Dezimalbruch schreiben: 0,8. Fertig. Ist das sooo schwierig?

Hier liegen bei vielen Kindern die Schwierigkeiten. Selbst, wenn wir es oft geübt haben, wenn man dann plötzlich auf sich gestellt ist, den Lösungsalgorithmus zu entwickeln, scheitert man. Schade eigentlich, denn die Kinder sind nicht unintelligent.

Vielleicht wäre regelmäßiges Schachspielen hilfreich, mit dem man schon ab der 3. Klasse begönne...

Gestern ein Gespräch mit dem Kollegen der anderen 6. Klasse. Er sagte: „Sie haben alles vergessen, selbst wenn sie intelligent sind. Dann müssen wir es wieder „anwärmen“, es entwickeln, gemeinsam daran arbeiten, dann „kommt“ es wieder und dann können sie es wieder. Einige Zeit später: Das Gleiche.

Die erarbeiteten Inhalte haben die gedanklichen Strukturen nicht wirklich erfasst, verändert, umgebaut, es ist „irgendwo“ und "irgendwie" vorhanden, diffus, aber nicht aktiv verfügbar.

Ich sage jetzt einmal etwas Häretisches: Früher machte man Hausaufgaben. Man musste nachmittags noch einmal gedanklich da hindurch, was man am Morgen gelernt hatte. So festigte sich vieles und stand dann später aktiv zur Verfügung.

Heutzutage sind die Kinder bis 16 Uhr in der Schule. In den Freizeitstunden machen sie keine Hausaufgaben, mit wem auch? Eine Erziehern pro Gruppe, dann wuseln alle herum und dann machst Du mit einigen Hausaufgaben? So geht es nicht. Machen alle Hausaufgaben in der Freizeit, ist es verlängerte Schulzeit. Hier der Plan. Soo viel Freizeit ist es auch nicht..





X kommt und fragt: „Mein Cousin sagt immer: Auf dem Gymnasium gibt es keinen Tag, an dem Du die Bruchrechnung nicht brauchst. Stimmt das?“ Ich bestätige es ihm. Er meint: „Dann muss ich jetzt wirklich dafür sorgen, dass ich das alles verstehe“, geht zu seinem Platz, schlägt das Rechenbuch auf und schon ist er in seinen Aufgaben versunken, während alle anderen jetzt nach der Pause erfrischt und ausgeruht ihre Rechenarbeit weiterschreiben. Nach fünf Minuten träumt er aber schon wieder...

Mesut braucht nur einen mittelkleinen Hinweis, dann gelingt es ihm weiterzuarbeiten und es fällt ihm alles wieder ein....

Vielleicht wird aus der Arbeit ja doch noch etwas. Dabei haben wir in den letzten Wochen doch soo gut gearbeitet!

Ich muss mir die letzte Arbeit meines Kollegen einmal besorgen, hatte ihn gestern schon gefragt, er rückte sie nicht gleich heraus, dabei ist die Nachbarklasse viel weiter als wir! Aber ich finde meine Klassenarbeit eigentlich nicht zu schwer.

Hier sind Bilder, die die Klasse beim Kollegen Lars gemalt hat:



Sie haben der Dame Tiere  in den Schoß gemalt..."Was hat sie denn da, wo das Fragezeichen ist, in echt?", frage ich. Mich reitet der Teufel. "Keine Ahnung", ist die Antwort. "Er will es uns nächste Woche sagen."-"Und? Meint Ihr, man kann es auch selbst herausfinden?" Jetzt beißen sie an, werfen den Computer an, alle stehen davor. Wir überlegen, welche Suchwörter geeignet sein könnten. Nach einigen Versuchen, von mir ein wenig gesteuert (das Wort Schoß war nicht bekannt gewesen)...




...ist das Original identifiziert: "Es ist ein Marder, ein Frettchen", schreien alle. Suchwörter: Malerei, Dame, Schoß, Tier.

 


Es ist die "Dame mit dem Hermelin" von Leonardo da Vinci. Hoffentlich ist Lars nun nicht verärgert, aber es war zu reizvoll, die Kinder darauf anzusetzen. Immerhin haben alle ihr Bild fertig gemalt, sonst hätte ich's überhaupt nicht so machen und ihm da hineinfunken dürfen.
Aber ich wollte den Kindern so gerne zeigen, dass man etwas selbst herausfinden kann, wenn einem jemand Informationsgrenzen setzt und dass man auch auf eigene Faust nach Informationen graben kann. 
Die Schneckenhäuser im Essigglas wirken intakt. Aber, wenn man sie anfasst, fühlen sie sich an wie Gummi, ganz gruselig. Der Kalk ist weg, aber die Form ist noch erhalten. Das ist vielleicht Horn? Der Kalk müsste jetzt im Essigwasser sein.
Interessant wäre es, das Wasser verdampfen zu lassen und sich anzuschauen, was unten im Glas übrig bleibt.
Wenn das Zeug am Montag nicht stinkt, dann machen wir das. 
In der Mensa erhalte ich einen schönen Teller "Chili sine carne", die Vegi-Variante des Tagesessens, und es schmeckt sehr gut!



Um 12 Uhr hatte ich noch zwei Kinder beim Filzen da. Es hat einen Riesenspaß gemacht! Die beiden waren so begeistert bei der Arbeit dabei, zuerst beim Kämmen, dann beim Filzen, dann beim Walken....die Zeit verging wie im Flug.








"Das ist Connys Wolle, hier, seht Ihr? Typisch Conny ist das." Ich zeige auf die extrem wellige Locke. "Typisch? Was heißt typisch? ", fragt Derya. "Na, dass man die Wolle daran erkennen kann, dass sie von Conny ist." In der Folge sagen Jonas und Derya, die beide befreundet sind und wunderbar zusammen arbeiten: "Ich hätte gern noch ein bisschen 'Typisch Conny'." Oder: "Gib mir mal bitte noch 'Typisch Conny'." Das wird zum geflügelten Wort, und so verbringen wir eineinhalb Typisch-Conny-Stunden, die uns allen dreien großen Spaß gemacht haben.




"Typisch Conny" eben, die Locken. Ne.



Conny, * 1996

Donnerstag, 28. Februar 2013

Rotkohl als Säuretester

 Was wir machen, ist interessant!



Den Rotkohl (Säure/Lauge) mitgebracht, die Taschenlampe (Mondphasen) vergessen. Ganz nebenbei führe ich den Lackmustest ein, mit dem Rotkohl, mit Lackmuspapier. Säurenachweis durch Rot- oder Rosafärbung. Die Blaufärbung mit Seife aus dem Seifenspender klappt nicht, dafür kippe ich dann den Becher mit dem Seifenwasser aus Versehen in die Grünpflanzen.  : /

Die Schneckenhäuser sind zum Teil schon durchscheinend und im Wasser beweglich wie eine Membran. 

 

Dann kommen wir zu Mathe. Das Verständnis für Zahlen hat durch die Hausaufgabenübungen zugenommen, 54 wird schon als eine 18er-Zahl erkennt...Ist das schön!

An der Tafel zeigen ein paar Schüler die Malaufgaben

Luigi fehlt das Runden! O weh! Er war, als es in der 5. Klasse „durchgenommen“ wurde, noch in der Fördergruppe. Dort haben wir sehr einfache, grundlegende Aufgaben gerechnet und nun fehlt es ihm ganz....Ali will es ihm gleich erklären. Aber es fehlt die Gelegenheit, denn an dem, was wir gerade alle machen, muss Luigi auch teilnehmen. Es ist das Malnehmen mit bis zu dreistelligen Zahlen – für die Schüler eine leichte Wiederholungsübung, für Luigi aber etwas sehr Anspruchsvolles, und dann das alles mit Kommazahlen. Dabei runden wir für den Überschlag. Das muss Luigi jetzt leider aushalten. Und ich auch...

 

Wenn ein Rechenblatt so aussieht, dann ist das ein Grund für große Anerkennung.

Rimas hat die Multiplikation von Brüchen nicht verstanden, weil er eine Woche fehlte und bei der Erklärung nicht dabei war. Als wir alle bei dem schriftlichen Rechnen sind und jede(r) beschäftigt ist, kann ich es ihm deutlich machen, er versteht es recht schnell. Ich kann immer nur wiederholen, dass es ums Verständnis geht, also immer auch darum, sich herleiten zu können, was eigentlich gemeint sein könnte, wenn man eine Aufgabe nicht versteht. Zum Beispiel anhand einer Zeichnung. Dann ist es beispielsweise ganz leicht zu sehen, was 3 mal ¼ bedeutet...
 

Oder so. Eine tolle Leistung von Messi!

Ali heute super hilfsbereit, er gibt gerne und freigiebig von seinem tollen Wissen ab.. Auch an der Tafel konzentriert und schrittweise den Anderen seine Gedanken gut vermittelnd. Es stellt sich heraus, dass die Klasse die schriftliche Multiplikation anders gelernt hat als ich sie vermitteln würde. Sie beginnt mit den größten Ziffern und schreibt keine Nullen. Muss mich umstellen. Habe sie ja erst zur 6. Klasse in Mathe übernommen. Ich persönlich hätte hinten bei den Einern begonnen zu multiplizieren, aber es geht auch so. Vielleicht liege ich ja auch falsch...?

Peter sehr stark in Mathe, Mesut hält mit, ebenso wie Messi, beide haben tolle neue Hefte und schwarze Fineliner zum Zahlenschreiben. Haben sich also mit optimalem Arbeitsgerät versorgt und zeigen so, dass sie das Arbeiten wichtig nehmen.

Der Essig riecht so stark. Wie wird eigentlich Essig gemacht? Aus Alkohol. Aber wie....Und Alkohol? Entsteht durch Gärung. Könnten wir das auch herstellen? Wie weist man ihn dann nach? Er ist flüchtiger als Wasser. Jetzt müsste ich mich noch weiterbilden.

Aber vorher noch die Formulare für die Eltern zur Klassenfahrt klarbekommen und – die Klassenarbeit für morgen in drei Schwierigkeitsstufen fertigstellen.

*******

Es ist jetzt die erste Pause. Heute hab ich mal etwas anders gemacht, habe den Laptop mit in die Klasse genommen und mache hin und wieder eine Aufzeichnung, es ist bestimmt interessant, eine optimale Form zu finden, wie man zwischen dem Tun und dem Nachdenken über das Tun hin- und hergehen kann. So sind es nicht zwei abgetrennte Blöcke, sondern es geht ineinander über. Bin gespannt, wie das so wirkt. Man muss dann nicht krampfhaft versuchen, sich an längst Vergangenes zu erinnern.

Jetzt haben die Schüler Pause. Es waren zwei sehr gute, konzentrierte Stunden. Rimas hat während der Arbeit der Anderen eine kleine Förderung erhalten. Er hat jetzt auch das Malnehmen von Brüchen mit einer natürlichen Zahl / mit Brüchen inhaltlich verstanden, also auch, was es bedeutet zu schreiben ½ mal 1/3, ebenso wie das Malnehmen der Brüche untereinander. Man muss es doch immer hergeleitet bekommen und verstanden haben, sonst kommt es einem wie Geheimwissen vor.


Mario hat wieder nur getrödelt. Er ist ein richtiger Kindskopf. Ich sage ihm, er wird auf seinem Gym, das er sich ausgesucht hat zum Abi statt 12, wird er 26 Jahre brauchen oder sie haben ihn vorher rausgeschmissen, wenn er nicht ganz krass fleißiger wird....


Er nimmt es nicht krumm und lächelt freundlich dazu. Sein Verhalten ist ihm kein Problem. Er akzeptiert sich so. Ich muss das aushalten zu sehen, was ich sehe und in die Zukunft „hochrechne“ - aber vielleicht gibt er sich ja irgendwann einen Ruck, und es ist nicht entscheidend, dass es hier noch passiert, sondern, dass es überhaupt passiert.



Links rechnete Emmely, rechts Fereba. Feraba ist stärker geworden seit letzter Woche. Emmely hatte gefragt: "Kann ich mitmachen?" Gebrauchen konnte sie es auch. Sie hat noch keine klare Strategie.


Nun die Förderstunde: Ich kläre mit den beiden Mädchen Fereba und Emmely wieder einmal die Grundlagen der Bruchrechnung, was bedeutet ein Bruch, mit Veranschaulichungen, Zähler/Nenner, echter und unechter Bruch, Brüche addieren, gleichnamige, ungleichnamige vergleichen, Hauptnenner suchen. So schieben wir uns vorwärts, immer auf verstandenem Terrain, damit die Nebelwolke im Kopf, die immer so schnell kommt und alles verstellt, damit sie nicht kommt. Eine sehr typische Mädchengeschichte. Ich kann sie nicht ganz genau in Worte fassen, aber ich merke intuitiv, was geht und was nicht und wo die Barrieren wachsen.

Dann üben wir ein paar Aufgaben, und die Mädchen verlieren doch wieder die Orientierung, sie wissen nicht mehr, was sie machen und warum.... Wir rechnen zwei Aufgaben an der Tafel, die Teilschritte absolvieren sie isoliert gut, aber der Zusammenhang muss immer aktiv wieder hergestellt werden. Sie können ihn gedanklich nicht „halten“.

Danach machen wir erst einmal fünf Minuten Pause.
Die beiden Mädchen sind verwirrt und müde.

Nun zum Abschluss der Stunde noch eine Aufgabe, hoffentlich schaffen sie es aus eigener Kraft... (Sie schafften es nicht.)

Die Mathearbeit wird hier für sie enden müssen, Schwierigeres jetzt zu üben, hat wohl jetzt noch keinen Sinn. Nach einem kleinen Gespräch der beiden untereinander über das, was die anderen Schüler an Zielen haben, kommen sie auf den Namen Georg Weerth, denn Emmely hat sich bei einer Schule dieses Namens beworben.

Sie sitzen gemütlich auf dem Sofa und Fereba fragt: "Wer war Georg Weerth?" Emmely weiß es nicht, wir googeln: Er kannte Freiligrath – beide Mädchen lachen, Freiligrath, den „kennen“ sie doch schon. Er interessierte sich für soziale Fragen, hatte eine Wollfabrik und ging nach England, wo er die erste Industrialisierung und die Lage der Spinner und Weber mitbekam – und Karl Marx kennenlernte, der über die Schwierigkeiten dieser Leute schrieb. „Oh, Karl-Marxstraße“, sagt Emmely. „So machen die Namen alle einen Sinn. Die hängen alle irgendwie zusammen. Schön dass er Freiligrath kannte.“

(So eine Situation wie diese, das kann man nicht planen.) : ))

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Im Moment sitze ich im „Freckles“ und bereite diesen Schultag nach. Habe nach dem Unterricht noch viel gearbeitet, an den Formularen zur Klassenfahrt. Aber dann ging es nicht weiter, denn die Leute, die mir etwas hätten sagen können, sind heute nicht da. Was das alles für Zeit kostet! Das würde einem keiner glauben.

Die Klassenarbeit für morgen ist fertig. Aber unterhalb des Anspruchsniveaus, sozusagen, die drei Niveaus der Schüler, das habe ich nicht geschafft. Bitte pickt Euch heraus, was Ihr könnt, es ist mir nicht gelungen....Und die "Bäumchen", die müssen etwas extra bekommen. Ihre Förderlehrerin, die mit ihnen gearbeitet hat, ist heute nicht da, aber sie könnten ein paar Aufgaben zu den vier Grundrechenarten lösen und sich ebenfalls das heraussuchen, was sie von den Brüchen verstanden haben.

Wie man so etwas dann nachguckt und bewertet, dafür braucht es dann auch wieder Erfindungsgeist.

Jedenfalls habe ich morgen eine Klassenarbeit, auch wenn sie den eigenen Ansprüchen eher nicht entspricht....

Aber morgen die Taschenlampe nicht vergessen!


Ein schönes Mittagessen war das gegen 12 Uhr, Risotto mit Tomatensoße und, statt dieses Putenschnitzels ein Stück Polenta mit Spinat, dazu Früchtetee. Den Fruchtjoghurt nahm ich nicht.... Gegen Mittag ein warmes Essen, für 2,50 Euro, das ist schon schön! Meist gibt es zu dem Fleisch, das fast immer gereicht wird, doch eine schöne pflanzliche Alternative.

Über das Essen wird immer so schlecht geredet. Ich fand es gestern und heute in Ordnung. Es war frisch und preiswert. Wenn man bedenkt, dass für einen ganzen Monat nur 23 Euro gezahlt werden, dann sind das für eine Mahlzeit pro Kind etwa 1 Euro 20. Da kann man doch eigentlich nicht meckern.

Mittwoch, 27. Februar 2013

In vier Monden seid Ihr nicht mehr Grundschüler

Ja, das war ein schöner Schultag! Für mich jedenfalls. Ob für die anderen - man fragt zu selten. Unzufrieden bin ich mit dem zu hohen frontalen Anteil, aber es sind auch sehr effektive Gespräche dabei gewesen.

Lob vom 2. Schulleiter: Die Fußballjungs aus beiden 6. Klassen sind erstens weitergekommen und haben sich zweitens so aufbauend und kooperativ verhalten, dass dies einigen Leuten dort aufgefallen ist. Wun-der-bar!!! 

: ))


Bin zur ersten Stunde da, der Unterricht beginnt erst zur dritten: "Jackpot!" würde Ali sagen. Jackpot für mich. Ich kann gaaanz ruhig anfangen und die Dinge sich entwickeln lassen; genießerisch beginne ich, das eine Aquarium zu säubern, nachdem ich eine Flut Schnecken hineingegeben habe, die ich vom Wollraum-Killerfisch zu Hause mitgebracht habe. Leider killt er nämlich keine Schnecken. Er lässt sie alle leben. Zwischenasyl, bis der Landwehrkanal wieder einigermaßen temperiert ist. Hole mir das Radio dazu und höre ein wenig Deutschlandfunk am Morgen. Gemütlich. Was will man mehr? Von mir aus könnte jeder Tag so beginnen!

Und das schöne Tagesprogramm an der Tafel empfinde ich als Geschenk für die Klasse und mich, danke, Fereba! 

Dann, als das Aquarium gereinigt ist, gehe ich nochmal raus und hole im Schreibwarenladen Kleinmaterial, das wir brauchen werden. Er hat keinen Kieserblock mit langen Rechtecken... Ich liebe Kieser-Blöcke, besonders die mit den langen Rechtecken. Man kann sie gut zum Schreiben UND zum Rechnen nehmen.

Ich erinnere mich, dass es zu meiner Kinderzeit Metallkistchen für Reißzwecken gab, sie hatten eine kleine flache Senke auf dem Unterboden und man konnte die Unterseite so über einen Reißzweckenkopf schieben, dass man ihn ablösen konnte und gleichzeitig fiel er dann in die Schachtel.... Das war schon genial. So etwas hätte man aufheben müssen...Ja, es ist heute sicher nur noch in einem "Pelikan"-Museum zu bewundern.

Es gab auch so eine Art Klebstoff, die oben einen gummiartigen Aufsatz hatte, aus dem sich die Klebe herausdrückte, wenn man mit der Flasche etwas bestrich. Der Geruch war eigenartig, so stelle ich mir Trüffel vor.  Ich konnte nie genug von diesem Geruch kriegen...

Meine Sachen, die ich kaufte, waren etwas mehr  prosaisch.

Aber für die armen Kolleginnen, die mich gestern vertreten mussten, kaufte ich je ein Döschen Seifenblasen, als Dankeschön, dass sie mit mir Umstände gehabt hatten. Seifenblasen würde ich immer toll finden, wenn mir jemand das schenken würde. 

Ein bisschen was Verspieltes im Tag darf schon  sein.

Als Kinder mussten wir sie uns selbst herstellen. Auch in der Schule haben wir es einmal sehr ernsthaft probiert. Trotz Glyzerin und Anderem, hat es nie so gut funktioniert.

Der Mond war heut ein Thema, wie er wechselt und sich verwandelt. Wir müssten es einmal unten im dunklen Gang probieren, einen ab- und zunehmenden, einen Vollmond mit Ball und Taschenlampe herzustellen... 
Immer hab ich die Idee, und nie hab ich's gemacht.

Die Schneckenhäuser (Kalk) und der Essig. Sie werfen Blasen, fast bewegen sie sich, und ich komme mir wie ein Tierquäler vor...Doch die Häuser waren leer gewesen. Ich schwörs. Manche sind gegen Ende des Schultages papierdünn geworden und teilweise nur noch halb. Säure, die Kalk angreift. Auch den Kalk am Aquariendeckel.

Morgen den Rotkohl mitnehmen und ihn rot mit Säure und blau mit Lauge verfärben lssen und dann das Lackmus-Papier zeigen. Nicht vergessen. Am besten, ich lege alles sofort heraus.

Auch Säure zum Schmecken, Saures, Zitrone zum Beispiel.

Geschichte. Sadistische Lehrerin bildet wieder Partnergruppen mit Kindern, die sich ein IIiiih! verkneifen, wenn die beiden genannt werden, und die anderen lachen dazu. Sowas bringt  aber immer gute Ergebnisse. Challenge.

Sie sollen eine Buchseite über Ägypten lesen und Fragen beantworten.

Ernsthaft stecken sie die Nasen in die Bücher, lesen, sprechen darüber und geben ihre schriftlich aufgezeichneten Ergebnisse im Stuhlkreis heraus.

Vorher: Ein gesprächsweiser tour d'horizon über das, was wir schon wissen als Wiederholung. Es heißt natürlich "Nofretete".



Unteres Bild: Tiermumien (liegend), intensiv beschaut.

 


Oh, oh, würden die Schulinspektoren sagen, zu viel Tafel, zu viel gelenkt, bääh. Kreidezeit. Seit ich weiß, dass die weltweit bewunderten Finnen, wie man hört, alles fast nur im Frontalunterricht durchziehen, habe ich diese Komplexe nicht mehr ganz so stark.

Ich bezweifele, dass die neuen Medien so effektiv sind. Als wir die eine Schule besuchten, erwähnten sie immer ihre Super-Smartboards und dann gab es eine Präsentation, die zwei Schüler durchführten, aber so viel Verwirrung, dass ich fand, die haben unsere Geduld ganz schön auf die Probe gestellt. Es dauerte ewig und immer funktionierte etwas nicht und dann suchten alle gemeinsam rum.

Jenseitsvorstellungen, die der Ägypter, aber auch die des Islam und des Christentums arbeiten wir auch heraus. Spannend. Wirklich spannend.




Schön war die Erinnerung aus der Museumsführung, dass nach dem Tod das Herz GEWOGEN wird (nur symbolisch), und es muss leichter als eine Feder sein, denn sonst hat der Verstorbene kein Leben im Jenseits. Es ist dann, als habe er nie gelebt....Gute Taten machen also ein leichtes Herz, schlechte ein schweres. Das Herz war auch der Sitz der Seele und des Verstandes. Es blieb in der Mumie drin, das Gehirn zogen sie heraus und warfen es weg, ihm maßen sie keine Bedeutung bei...

In unserer Fabel läuft die Maus, nachdem sie dem Löwen geholfen hat, LEICHTEN HERZENS nach Hause!

Na, das ist ein roter Teppich für die Erörterung übers Gewissen. Die schriftlichen Beiträge hatten wir ja noch nicht ausgewertet.

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Zentrales Arbeitsgerät der Menschheit über Jahrtausende: Der Pflug.
Nicht leicht, seine Bedeutung und Handhabung heute zu begreifen.



Wunderbarer Museumsort, man kann jedem nur empfehlen, das Neue Museum mit der Ausstellung über Ägypten einmal zu besuchen!!!



Ägypten, Astronomie, Siriuskalender, Rechnen in Monden. Jeder, der in seiner Jugend Indianerbücher las, erinnert sich an diese Stellen: "In zwei Monden sehen wir uns wieder..."

"In vier Monden seid Ihr nicht mehr in der Grundschule."

Wörter und Worte heute: Rhythmus, Neumond, Gewissen, Organe, Säure, ätzen, Essigsäure, "Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen", gewissenhaft, gewissenlos, ein gutes/schlechtes Gewissen haben, Astronomie/Astrologie, Geometrie (=Erdvermessung). 

Leider flippt Mesut ständig aus, er kriegt die Konzentration nicht mehr hin und macht ein Gegenprogramm auf. Ist er müde? Ist er traurig? Er ist nicht so bei sich heute wie wir ihn sonst kennen. Mario singt andauernd Werbespots in den Unterricht hinein.

Ich bitte die Kinder, über den Begriff "Treue" einmal nachzu denken, sage, er ist wichtig, zum Beispiel für Freundschaft.

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Montag, 25. Februar 2013

Nachdenken über S.

Warum bloggt man? Das weiß ich nicht. Für die anderen weiß ich es nicht. Für mich schon eher: Es ist, als wollte man ein Gespräch darüber führen, was man erlebt hat und die Vielfalt und das Durcheinander der Eindrücke  in irgendetwas Gültiges, Bleibendes, überführen.
Wenn man dieses Gespräch hätte, müsste es nicht sein. Die Frage ist, warum man es veröffentlicht. In Zeiten, wo man das kann, denke ich, braucht man fast einen Grund, es nicht zu tun.
Klar, führe ich auch ein Tagebuch, ein <<journal intime>>. Da stehen dann die Sachen drin, die auch wichtig sind, aber auf keinen Fall in die Öffentlichkeit gehören.
Deshalb sticht für mich auch das Entblößungsargument nicht, das man  von Nicht-Social-Media-Nutzern oft hört: Die Facebook- und Twitternutzer, die Blogger, das seien alles narzisstisch gestörte Existenzen, die das nur aus Eigenliebe tun.
Nein, so bin ich, glaube ich,  nicht. Ich bin absolut kein "Extravert", um mit Riesman oder Adorno zu sprechen. Trotzdem nutze ich diese Medien. Weil sie da sind und neue Möglichkeiten eröffnen. 
Die Suche nach Resonanz für das, was einem im Leben wichtig ist, ist noch keine narzisstische Störung.
Ich habe auch keine Lust, im Eckchen zu sitzen und über die Welt zu schmollen, weil ich nicht mehr mitkomme.
Facebook und Twitter kann man so und so nutzen. Facebook nutze ich gar nicht. Twitter finde ich, trotz allem, nach einem Jahr noch interessant.
Manchmal habe ich den Eindruck, Twitter schafft Möglichkeiten, die niemals eintreten. Doch es gibt auch berufliche Twitteraccounts, und hier zumindest sind sie enorm sinnvoll.
Darüber hinaus auch. Manchmal ergeben sich aus Twitterkontakten sogar welche, die ins "echte" Leben übergehen. Auch das gibt es.

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Doch ich wollte über S. nachdenken. In diesem Blog denke ich eigentlich ständig über S. nach. Skolé. Über Skolé, das das griechische Wort sowohl für Schule als auch für Muße ist.

Das muss schon lange her sein. Dass Bildung und Muße Hand in Hand einhergingen. Doch. Das muss auch heute möglich sein. Wo der gesellschaftliche Stand der Produktivität so hoch ist, dass bei vernünftigem Wirtschaften keiner mehr mehr als 30 Wochenstunden würde arbeiten müssen.

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Am wohlsten fühle ich mich in der Schule, wenn der Muße-Aspekt der skolé auch vorhanden ist. Manchmal muss ich mich dezidiert für ihn entscheiden, gegen das Pensum, gegen die Optimierungsstrategien. gegen die Selbstverbesserungsmaschine, die über uns hinwegläuft und uns alle mitschleift.

Wer fasste das noch in Worte, vor kurzem? Wem gelang es, diese Dinge in Worte zu fassen? Ein Gefühl schlüpft vorbei, sein Schleier streift mich noch, gleich ist es wieder ins Ferne entschwunden und unerreichbar...doch - ich habe einen Zipfel des Schleiers zu fassen bekommen und kann es zurückziehen, zeig Dich: ja. 

Es war das Schirrmacher-Buch "Ego".

Hier wird die Maschine am Laufen gezeigt, die alle gesellschaftlichen Bereiche in ihre Macht gezwungen hat, auch die Schule und die Bildung. Wie könnte es anders sein!

Ja, das war das Valideste, was ich gelesen habe, ein Werkzeug gegen die Stummheit und Nichtansprechbarkeit der Dinge, die sich hinter unserem Rücken und vor unseren Augen vollziehen.



Max und Moritz nach der Schulinspektion.....


Damit bin ich wieder bei der Schulinspektion. Die letzte hat mich ordentlich Nerven gekostet und 500 Euro, an Rechtsanwaltsgebühr. Ich hatte den herrschenden gesellschaftlichen Tendenzen Totalitarismus vorgeworfen, im zeitgemäßen soften Gewand, nicht mehr mit schwarzen Stiefeln so brutal wie früher, etc. Wollte die "bösen" Geister sprachlich zu fassen bekommen und vielleicht Gleichgesinnte gewinnen. Daraufhin lief eine interne Disziplinierungsmaschine gegen mich an. Das habe ich mit dem Rechtsanwalt zu verhindern gewusst.


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Nachdenken über "Schöne Neue Welt". Im Herbst ist die neue Schulinspektion. Sie kündigte sich gestern in einem langen Schreiben der Schulleitung an das Kollegium an, das ich sehr aufmerksam las. Schulinspektion, die zweite Runde. Herbst 2013. Die letzte, im Oktober 2007, war das am meisten Demütigende gewesen, das ich in meiner "Schullaufbahn" in 37 Jahren erlebt habe. Es war richtig schlimm gewesen und hatte das Pendel meines Zornes und Widerstandes entsprechend weit ausschlagen lassen.

Sie fassten es nicht. Diese "Kontrollgesellschaft" baut so auf die individuelle Vorzensur, dass sie mit realem Widerstand nicht mehr wirklich klarkommt. Wenn noch ein Drohpotenzial von Veröffentlichung dahintersteht, das ihnen durch Solidarisierungen gefährlich werden könnte. Dann trauen sie sich nicht so, wie sie vielleicht doch noch gern möchten. Früher, in der Disziplinargesellschaft, haben sie einfach mal gern den Riemen rausgeholt und eins übergezogen....


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Also das wird uns noch alle beschäftigen. Es warf im Schreiben gestern seine Schatten voraus.

Was mich sehr ärgert: Ich lese, wir wollen uns gemeinsam Gedanken machen, wie wir das Ansehen der Schule verbessern....

Das  Ansehen einer Schule können wir nicht steuern. Das kommt von außen. Da müssen wir den anderen auch die Freiheit lassen, sich selbst ein Bild zu machen. Aber wir können Fakten hierzu als Grundlage schaffen, versuchen, von innen heraus gute Arbeit zu leisten. Wir könnten versuchen, in die Realität umzusetzen, wie eine gute Schule ist und nicht, wie sie aussehen soll, egal, wie es innen tatsächlich aussieht. Das ist nicht das Gleiche. 

Darum wird diese Gesellschaft in der Theorie "Kontrollgesellschaft" genannt, weil sie die individuelle Freiheit überall beschneiden möchte. Sie gibt vorgefertigte Bilder UND den Weg dahin vor. Jeder eigene Gedanke, der ins Offene geht,  wird als obstinat empfunden. In der letzten Konsequenz trifft dies den Lebensnerv der Demokratie, das hat Schirrmacher richtig herausgearbeitet, denn Demokratie lebt vom lebendigen Gedanken.

Mit 22 Jahren habe ich einmal die Hand gehoben und diesen Eid geleistet, Schaden von dieser Gesellschaft abzuwenden, ihr zu dienen oder so ähnlich. Daran ist nichts Verwerfliches. Dazu stehe ich noch heute, denn die Grundstruktur dieser Gesellschaft als einer demokratischen ist in der Theorie gut. 

Es müsste dabei beginnen, öffentlich zu protestieren gegen personelle und qualitative Unterversorgung. Die Lehrer kriegen ja mal gerade einen Streiktag für Gehaltsforderungen hin. Für Inhalte fände ich es sympathischer.

Diese ganzen vorgeprägten Gedankenmünzen, diese Zirkel vorgespurter funktionaler "Denke", wo man schon vorher weiß, was hinterher in den Papieren stehen soll, wo jeder Gedanke, der diesen Namen noch verdiente, abgewürgt und fortgescheucht wird... Diese Art von Schule ist kontrollsüchtig. Individuell müsste man das als eine Neurose auffassen, wenn das nicht der gesellschaftliche Mainstream wäre. 

Also sagen wir: Der Befund ist: Mindestens eine starke kollektive Neurose in dieser Gesellschaft seit Beginn der Neunziger Jahre, also seit dem Verschwinden der "realsozialistischen" Systemkonkurrenz.

Eine Realitätsverschiebung zur Verweigerung der Anerkenntnis realer Gegebenheiten. Die kollektiv erzwungen wird. Das fängt schon mit der Wortwahl und der Sprache an. Jeder soll die "neurotische" wirklichkeitsverweigernde Sicht teilen. Hierfür wird viel Energie, nötigenfalls auch Zwang, aufgewandt. Aber Zwang immer heimlich und unerkannt....

Dieses Bild der Neurose  trägt, glaube ich, für ein Stück des Weges. Ich müsste deutlich machen, WAS, freudianisch gesehen, die Neurose ist und WIE dieses Bild sinnvoll auf das, was derzeit und seit etwa fast zwei Jahrzehnten, in der Gesellschaft und der Schule passiert, passt.


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Da liegt ja ein Stück Arbeit vor mir! Dabei bin ich heute krank. Es tut mir Leid, dass ich die Schüler heute "im Stich lassen" muss! Habe die halbe Nacht nicht schlafen können und mich mit ganz scheußlichen Magenschmerzen hin- und hergewälzt. Es wurde nicht besser. (Nein, ich hatte nichts gesoffen!) Heute früh fühlte ich mich wie ein ausgelutschtes Kaugummi. Dachte, da hat sich jetzt innendrin so viel Müll angesammelt, jetzt muss ich erst mal Ordnung schaffen, dann wachsen mir die Kräfte auch wieder zu. Bestimmt!

Einen Tag muss die Welt jetzt ohne mich klarkommen. :)) Dann steige ich wieder in den "Ring".


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"In den Ring steigen" klingt zu heldisch, gefällt mir selbst nicht. Aber man kann es nicht anders als mit "Feuer und Schwert" machen! Mit dem Feuer der Empathie und dem Schneid des Verstandes (Verstand = Fähigkeit des Unter-Scheidens). Dabei kämpft man FÜR die Bildung der Schüler GEGEN Verwahrlosungstendenzen als Verhinderer in jeder Form, GEGEN die gesellschaftliche Tendenz, Bildung unter der Vorspiegelung, Wissen schaffen zu wollen, tatsächlich zu verhindern und zu verunmöglichen, denn Bildung ist Freiheit, und das darf nicht sein! - und dann ergibt sich schon das Bild des Kampfes gegen die Hydra, einem Kampf, dem man schon in gesundesten Lebens- und Schaffensphasen sich kaum gewachsen fühlen kann.

Weil Bildung stets eine gesellschaftliche Konnotation hat und nicht im leeren Raum steht, scheint mir der Kampfaspekt, den ich täglich in den innersten Nerven verspüre, auch tatsächlich beim Reden darüber angemessen zu sein....