Sonntag, 25. Mai 2014

Unsere Cocktails





Überrascht-
entsetzt? 



 Wut, Zorn
(unterdrückt)

......das Thema ist immer noch ganz groß. Allerdings hatte ich beim letzten Post die Bilder der Kinder wieder herausgenommen, weil bei den Gefühlen der Focus zu stark auf dem Gesicht ist und man will ja auch niemanden als Person zu sehr herausstellen.... würde mich schon interessieren, wie die Eltern das sehen, denn ich möchte mit meinen Darstellungen ja auch in niemandes Persönlichkeitsrechte eingreifen.

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Dieses war am Freitag, dem Tag nach unserem Eltern-Kindernachmittag - oder sollte man es ein kleines Klassenfest nennen?
Das war ein langer Tag gewesen....Doch davon später. Ich gehe einfach einmal rückwärts und fange am Freitag an.

Wir hatten am Donnerstagnachmittag schöne Cocktails kredenzt und viele Kinder hatten begonnen, sie für ihre anwesenden Eltern selbst zuzubereiten.

Der eine hieß "Kiba", ein Kirsch-Banane-Melange, den wir zu Hause "Marmorsaft" nannten wegen der schönen Roteffekte, die sich ergeben, wenn man es richtig anstellt.

Den anderen nannten wir "Chachacha", passend zu unserem karibischen Rhythmuslied "Puck, die Stubenfliege"  , das musikalisch gesehen ja auch ein Chachacha ist.




Wir hatten noch die Säfte da und auch noch Eis, und was lag näher, alles mit allen Kindern noch einmal auszuprobieren? Was wir dann auch taten.




Zunächst einmal bestand ich auf einem Gespräch über Saft im allgemeinen ;), was das überhaupt ist, wie man den herstellt, ob wir glauben, dass eine Flasche Bananensaft schnell hergestellt ist oder wieviel Orangen man vielleicht pressen muss, damit man eine Flasche Orangensaft hat??

Der Hintergedanke dabei ist, solche Dinge schätzen zu lernen, zu wissen, dass sie einen Preis haben, für den jemand bezahlt hat und dass dieses Geld und diese schönen Dinge nicht einfach so vorhanden ist.... 

Man denkt, das sei selbstverständlich? Ist es ganz und gar nicht. Wir haben schon beim Mittagessen große Probleme, was Kinder sich alles auftun, um es nachher ungerührt in den Abfalleimer zu schmeißen...
Dabei geht mir immer innerlich der Hut hoch...

Wir lernen und machen die Erfahrung, dass Essen/Trinken/Lebensmittel wertvoll sind! Dass wir sie sparsam einsetzen. Dass wir das Wegwerfen unbedingt vermeiden wollen. Hoffentlich.



So ist eine Grundlage dafür geschaffen,  dass man eine neue Flasche Saft erst anbricht, nachdem man sich vergewissert hat, dass keine angebrochene Flasche mehr da ist...

Auch das Wort "anbrechen", "angebrochen" musste in diesem Zusammenhang erst geklärt werden.

So, nun war das geschafft!! 

Dann sprachen wir noch darüber, wie lange man eine solche angebrochene Flasche noch benutzen kann und was passiert, wenn sie eine Woche im Zimmer herumsteht.

Es kann Schimmel entstehen. Angebrochene Flaschen müssen in den Kühlschrank und innerhalb weniger Tage aufgebraucht werden. Sonst ist es ungesund, davon zu trinken.

Sparsamkeit. - Wir als Kinder wuchsen im Mangel auf. Uns wurde das vermittelt. Kinder heute wachsen in materiellem Überfluss auf. Wer heute und hier arm ist, ist es auf hohem Niveau, vergleichen mit den Lebensumständen armer Menschen in anderen Teilen der Welt oder zu anderen Zeiten.

Wer macht Kinder darauf aufmerksam, dass alles seinen Preis hat, dass alles erst erarbeitet werden muss, bevor es gekauft werden kann?
Es wäre ein Schritt hin zum Realismus. Wenn junge Leute erstmalig auf eigenen Beinen stehen, verschulden sie sich oft, weil diese Dinge ihnen nicht nahegebracht wurden.

Es wäre sicher wichtig, dass während der Schulzeit  auch wirtschaftliche Sachverhalte und Zusammenhänge  vermittelt werden. Komisch, das steht in keinem Lehrplan drin...

Dann machten wir aber noch die Cocktails.... Banane/Kirsche - kennen wir das? Wie schmeckt das eine, wie das Andere? Einfach mal probieren. (Man könnte ein Ratespiel daraus machen: Schmecke ich, was es ist - mit verbundenen Augen?)

Dann kam das Mischen.

Ananassaft, Orangensaft, Grapefruitsaft? Wie ist es damit? Grapefruit-Pampelmuse... 

(Bei der Picknickpause in Pappelhusen aß Papa mit Paul zwei Pampelmusen, doch bei dem Pampelmusengebabbel fiel plötzlich der Paul von der Pappel, mit dem Popo in Papas Picknickplatte....)

Pampelmusensalat 

Dieses Gedicht und den Namen der Frucht   kannten wir schon von Buchstaben "P". Nun kam der Geschmack dazu. "Iihhh, sauer!"

Das Rezept ging so: 

Wir füllen zu gleichen Teilen Ananassaft und Orangensaft in ein Glas und geben die Hälfte des Ananassafts noch als Grapefruitsaft dazu. Deckel drauf und schütteln.
Ein Glas mit dem Rand in Zitronensaft, dann in Zucker tauchen, so entsteht ein schöner Zuckerrand.
Das Glas zur Hälfte mit dem Gemixten füllen, Eis gecrusht oder in Würfeln drauf, schön viel...dann Grenadinesirup drüberlaufen lassen.
Der ist schwerer und setzt sich unten ab.

Was wir vergessen haben, war die Deko am Rand....
Orangenscheibe oder Ananasstück einritzen und ranklemmen.

Strohhalm dazu und fertig ist es!



Et voilà, hier ist er:
Unser Cocktail "Chachacha".


Außer zwei Kindern hatten am Ende alle jeden der Cocktails probiert. Sie holen es noch nach.
Auch den Eltern hatte es am Nachmittag vorher geschmeckt.

Das Schöne beim Cocktail ist das gemeinsame Herstellen. Man kann ihn nicht auf Vorrat machen. Also nimmt man gemeinsam intensiv an der Zubereitung teil. Auch die Zutaten treten in Erscheinung.
Eine schöne Sache. Wird nicht das letzte Mal gewesen sein....

Sonntag, 18. Mai 2014

Immer noch die mit dem tastenden Gesicht. Und: Gefühle!


Das Thema "Gefühle" beschäftigt uns weiter. Wir versuchen, Gefühle zu erkennen und Gefühle darzustellen.




 Zornig, wütend?




 Enttäuscht?





 Hass, Ekel??




Erschreckt?



 Erstaunt?



 Unzufrieden??




Traurig?

*****
Wir bleiben dran!

Unter anderem am Freitag, wir hatten wieder Besuch von Frau M. und Herrn K., den Trainern des Anti-Gewaltprojektes des Trägers "Einhorn".

Frau M. hatte Leo, den Löwen wieder mitgebracht, wir turnten nach, was er an Bewegungen vormachte.














Dann stellten wir Personen dar, später das, was sie empfinden. Hier lässt Herr K. uns raten: Er ist eine Hexe.





 Charlotte ist das Rumpelstilzchen. Manche Kinder kannten das Märchen nicht, daher müssen wir es  bald einmal vorlesen. Aber das Rumpelstilzchen wurde auch geraten.




Später spielten wir noch ein interessantes Spiel draußen im Kreis. Kinder forderten andere zum Aufstehen auf, aber ohne Worte, nur mit Anschauen und Anblicken.  So besinnt man sich auf die subtileren Seiten von Kommunikation und gewinnt ein Gespür dafür, was es auf diesem Sektor an Mitteln überhaupt gibt. Mancher kennt ja nur das Schreien.... Dann gab es wieder die fünf liebevollen Minuten. Den Kindern fiel zu ihren beiden Mitschülern sehr viel Gutes und Zutreffendes ein.



Nicht vergessen: In dieser Woche haben wir angefangen, Schnecken zu "tuschen", wie man in Berlin sagt.




Claudes Bild wirkt sehr überzeugend; formstark und farbenfroh. Solch starke Farben entstehen nur, wenn man die Farbtiegel vorher benetzt und dann, nachdem man mit dem Pinsel im Wasserglas war, etliche Mal im Farbtiegel kreist, bevor man die Farbe aufs Papier bringt. Ein wunderbares Bild, Claude!






Hier hat sich eine Schneckengruppe eingeschlichen, die einen Rasen durchquert, eine Buntstiftzeichnung.





 Dieses Bild ist ebenfalls interessant und voller Ausdruck. Man müsste sich dazu etwas erzählen lassen...




 Hier noch etwas Dreidimensionales von Noemi:




Sie ist ein Bastel- und Gestaltungsfreak. Man sieht hier: Ein Lagerfeuer. Eine Schnecke auf einem Sessel, die Fernsehen guckt. Ein Schwimmbad mit Schneckensprungturm, ein Garten mit Futter und ein Schwimmbad mit darin schwimmender Schnecke.


Ganz nebenbei hörte ich in dieser Woche von einer Mutter sagen, ihr Kind habe gemeint, es möge gar nicht gern in die zweite Klasse, da hätten wir doch dann kein Terrarium mehr....Also, bitte, bitte mitkommen, ein Terrarium können wir immer haben.
Alles, was wir einmal angeschaut haben, darf immer mal wieder kommen, auch die Schnecken.
Im Aquarium haben Kinder auch Wasserschnecken entdeckt, die schauen wir uns einmal mit dem Stereomikroskop an, das wird spannend!

Es warten aber auch noch andere Tiere auf uns: Die Metamorphose der Kaulquappen zum Frosch oder die Umwandlung des Lebensmittelabfalls in gut riechende Düngererde mit Hilfe der Regenwürmer... Das wird sicher ganz interessant.

Als ich das Terrarium ausgeräumt, aber noch nicht gesäubert hatte, entdeckte ein Kind im Matsch einen kleinen Regenwurm. Zwei Kinder brachten ihn dann nach draußen. Alle Achtung, Jasper!! Dass Du ihn siehst...und ihm dann die Freiheit und die Umgebung geben magst, die er braucht.....ich muss nicht verhehlen, dass ich gerührt war.


 


Jasper und Charlotte setzten den Wurm im Schulgarten aus. Sie kamen mit drei Weinbergschnecken wieder, doch übers Wochenende
bitte nicht. Sie fühlen sich draußen wohler und wir können uns ja immer wieder neue sammeln, anschauen und dann wieder zurückbringen. Das Terrarium bleibt einfach stehen.
 


  
Ja, der Schulgarten....... Ein bisschen verwildert, aber nicht uncharmant, doch....

Die Betonfraktion ruht nicht. Sie arbeitet sich vom anderen Ende her voran.



Wirklich schade. Ehrlich.
Ich finde, das sieht aus wie ein Pflanzenknast,
aber nicht wie ein Garten.
Schnell weggucken.
Man kann sich nicht um alles kümmern.

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Ich frag mich aber immer noch: WER
veranlasst so etwas?
So viel Geld für so viel Scheußlichkeit
zum Fenster hinauswerfen?
Und wenn die das alles so umbauen, 
dann findest Du hier auch irgendwann 
keine Schnecke mehr, 
verdammt!



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Am Donnerstag übten wir noch unser Lied im Musikkeller der Schule. Da stehen alle Instrumente. Zwei Stunden lang sangen wir, spielten die Rhythmen dazu mit Bongos, Rasseln, Klanghölzern und dem Fisch.


Ja, und damit sind ein paar Sachen der letzten Woche wieder festgehalten und gehen so auch nicht verloren.

Die nächste Woche kann also beginnen.

Tschüs, Eure Minna

Samstag, 17. Mai 2014

Zur Genese der Dummheit (Aphorismus)

 
Zur Genese der Dummheit - Dialektik der Aufklärung




Das Wahrzeichen der Intelligenz ist das Fühlhorn der Schnecke „mit dem tastenden Gesicht", (wie Mephisto im "Faust" sagt)

Das Fühlhorn wird vor dem Hindernis sogleich in die schützende Hut des Körpers zurückgezogen, es wird mit dem Ganzen wieder eins und wagt als Selbständiges erst zaghaft wieder sich hervor.

Wenn die Gefahr noch da ist, verschwindet es aufs neue, und der Abstand bis zur Wiederholung des Versuchs vergrößert sich.
Das geistige Leben ist in den Anfängen unendlich zart.
 
Der Sinn der Schnecke ist auf den Muskel angewiesen, und Muskeln werden schlaff mit der Beeinträchtigung ihres Spiels.
Den Körper lähmt die physische Verletzung, den Geist der Schrecken.
Beides ist im Ursprung gar nicht zu trennen.

Die entfalteteren Tiere verdanken sich selbst der größeren Freiheit, ihr Dasein bezeugt, dass einstmals Fühler nach neuen Richtungen ausgestreckt waren und nicht zurückgeschlagen wurden.
 
Jede ihrer Arten ist das Denkmal ungezählter anderer, deren Versuch zu werden schon im Beginn vereitelt wurde; die dem Schrecken schon erlagen, als nur ein Fühler sich in der Richtung ihres Werdens regte.

Die Unterdrückung der Möglichkeiten durch unmittelbaren Widerstand der umgebenden Natur ist nach innen fortgesetzt, durch die Verkümmerung der Organe durch den Schrecken.

In jedem Blick der Neugier eines Tieres dämmert eine neue Gestalt des Lebendigen, die aus der geprägten Art, der das individuelle Wesen angehört, hervorgehen könnte.

Nicht bloß die Prägung hält es in der Hut des alten Seins zurück, die Gewalt, die jenem Blick begegnet, ist die jahrmillionenalte, die es seit je auf seine Stufe bannte und in stets erneutem Widerstand die ersten Schritte, sie zu überschreiten, hemmt.

Solcher erste tastende Blick ist immer leicht zu brechen, hinter ihm steht der gute Wille, die fragile Hoffnung, aber keine konstante Energie.
Das Tier wird in der Richtung, aus der es endgültig verscheucht ist, scheu und dumm.
 

Dummheit ist ein Wundmal.
 
Sie kann sich auf eine Leistung unter vielen oder auf alle, praktische und geistige, beziehen.

Jede partielle Dummheit eines Menschen bezeichnet eine Stelle, wo das Spiel der Muskeln beim Erwachen gehemmt anstatt gefördert wurde.

Mit der Hemmung setzte ursprünglich die vergebliche Wiederholung der unorganisierten und täppischen Versuche ein.

Die endlosen Fragen des Kindes sind je schon Zeichen eines geheimen Schmerzes, einer ersten Frage, auf die es keine Antwort fand und die es nicht in rechter Form zu stellen weiß.

Die Wiederholung gleicht halb dem spielerischen Willen, wie wenn der Hund endlos an der Türe hochspringt, die er noch nicht zu öffnen weiß, und schließlich davon absteht, wenn die Klinke zu hoch ist, halb gehorcht sie hoffnungslosem Zwang, wie wenn der Löwe im Käfig endlos auf und ab geht und der Neurotiker die Reaktion der Abwehr wiederholt, die schon einmal vergeblich war.

Sind die Wiederholungen beim Kind erlahmt, oder war die Hemmung zu brutal, so kann die Aufmerksamkeit nach einer anderen Richtung gehen, das Kind ist an Erfahrung reicher, wie es heißt, doch leicht bleibt an der Stelle, an der die Lust getroffen wurde, eine unmerkliche Narbe zurück, eine kleine Verhärtung, an der die Oberfläche stumpf ist.
Solche Narben bringen Deformationen.
 
Sie können Charaktere machen, hart und tüchtig, sie können dumm machen - im Sinn der Ausfallserscheinung, der Blindheit und Ohnmacht, wenn sie bloß stagnieren, im Sinn der Bosheit, des Trotzes und Fanatismus, wenn sie nach innen den Krebs erzeugen.

Der gute Wille wird zum bösen durch erlittene Gewalt.

Und nicht bloß die verbotene Frage, auch die verpönte Nachahmung, das verbotene Weinen, das verbotene waghalsige Spiel, können zu solchen Narben führen.

Wie die Arten der Tierreihe, so bezeichnen die geistigen Stufen innerhalb der Menschengattung, ja die blinden Stellen in demselben Individuum Stationen, auf denen die Hoffnung zum Stillstand kam, und die in ihrer Versteinerung bezeugen, dass alles Lebendige unter einem Bann steht.

Th.W.Adorno, Max Horkheimer:
Dialektik der Aufklärung


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Dieser Text, aufmerksam gelesen und verstanden, ersetzt eine ganze herkömmliche Pädagogikbücherei.

 (Hervorhebungen von mir, Minna)

Empathie und Rasierklingen




In der letzten Woche waren da noch ein paar erwähnenswerte Sachen:



Jahrelang benutzt man das Ding, und nun, 
am Morgen, allein, beim Vorbereiten - steht es auf einem Tisch
und wirkt wie - ??! -
eine vereinsamte ...Schnecke!


Am Dienstag übten wir weiter für unseren Eltern-Kindernachmittag am Donnerstag, dem 22.Mai.

Julia brachte Musikinstrumente in die Klasse mit.  




Sie zeigte uns, wie man mit den Klanghölzern umgeht, wie man sie hält und wie man sie zum Klingen bringt.



  
Einen Rhythmus mit den Rasseln zeigte sie uns auch.




Dieses Musikinstrument nennt sie den "Fisch". Richtig heißt es anders. Man streicht mit einem Holz darüber.
 



Pauline und Jasper verfolgen aufmerksam, wie man mit dem Fisch richtig ratscht.
Wir werden ein Lied vortragen, dessen Melodie und Rhythmus lateinamerikanisch/karibisch sind, es ist ein Chachacha.
Es heißt: Puck, die Stubenfliege 

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Später nach dem Unterricht: Hediye spielte uns allen auf der Saz vor und sang ein wunderschönes Lied dazu. Es klang so schön! Musik ist eben doch etwas Wunderschönes und man möchte sie nicht missen!

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Aimée gestaltet ihre Arbeitsblätter oft mit bemerkenswerter Intensität und überaus liebevoll. 

Schule, ich werde es nicht müde zu betonen, skolé im Griechischen, ist das gleiche Wort auch für Muße. 

Was ist Muße? Es klingt altertümlich, aber es ist Voraussetzung für Bildung im Humboldtschen Sinne als Persönlichkeitsbildung. Es ist eine Art aktives Passivsein und braucht vor allem: Zeit.

Aimée ist nicht "schnell" in dem Sinne, dass sie immer ganz vorne sein will und am weitesten, sie wettbewirbt sich nicht. Sie besorgt sich um die Sache und macht sie zu ihrer eigenen. 

Sie braucht auch keinen, der hinter ihr steht und "Schneller, schneller" sagt. Sie eignet sich die Dinge auf ihre Weise an. Das ist zu respektieren. Und ein wenig zu bewundern.

Den Anti-Pisa Brief, der derzeit durch die Medien geht, habe ich in diesem Sinne auch gleich unterschrieben. Das ist keine demokratisch legitimierte Art, mit jungen Menschen umzugehen. Sie gehören sich selbst und nicht dem Arbeitsmarkt.
Muss den Link dazu noch suchen....

Zu jedem Wort, das Aimée gelesen hat, hat sie das dazugehörige Bild gezeichnet. Ihre Weise ist das zu zeigen, dass sie den Inhalt verstanden hat.

Man kann sie nur ermutigen, so weiter zu machen. Es ist ihr persönlicher Weg, sich Welt anzueignen. Es ist sehr souverän, wie sie ihn geht. Man kann sie nur dabei unterstützen.

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Nun entsteht auch eine kleine Erzählung!! Es gibt etliche Phasen von Freiarbeit in dieser Woche, viele Kinder "spinnen" an unterschiedlichen Fäden und verwirklichen eigene Ideen.

Ein Schneckenbuch soll es werden. Kein Sachtext, eine Geschichte. Die Geschichte von Alina, der Schnecke:






 ........
Am Dienstag war Lillys Geschichte so weit gediehen.


Eine Gruppe von mehreren Kindern entwickelte Seiten für ein sachtextiges Schneckenbuch. Sie teilten sich untereinander die Aufgaben auf. Ein Mädchen, das noch nicht schreibt, aber sehr gut zeichnet, begann, den Text der Freundin zu illustrieren. So machen es die Großen doch auch???
Text: XXX Illustrationen: YYY  





 Muss es "übersetzt" werden? Verbindlich festgelegte Orthografie ist historisch auch noch nicht sooo alt. Wenn wir versuchen, es zu entziffern, geht es uns wie Menschen vor wenigen hundert Jahren, wenn sie die Briefe ihrer Lieben lasen....Diese Menschen waren dann privilegiert, die Armen konnten nicht lesen oder schreiben.

Mir kommt es oft so vor, dass Sigmund Freud so unrecht nicht hatte, wenn er sagte, die Ontogenese, die Entwicklung des Einzelnen, des Individuums, sei eine verkürzte Phylogenese, das ist die Entwicklung der Menschheit. Die wesentlichen Stufen muss jeder für sich allein noch einmal aktiv erringen, um dann auf diesem Boden sich - und vielleicht damit auch ein wenig die Menschheit - weiterentwickeln zu können... Vielleicht.



 Wir fanden die Weinbergschnecken im Schulgarten und erklärten uns ihren Namen. Dies führte dann zu diesem Bild, zunächst im Kopf und dann auf Papier.



 Schnecken lieben auch ihre Freiheit....genau wie wir.




Muss ich im ersten Schuljahr Schnecken über Rasierklingen und Scherbenfelder laufen lassen, wie es in naturwissenschaftlichen Blättern gezeigt wird? Großes "NEIN"!

Lieber packen wir die Stereomikroskope aus und schauen uns die schleimige runzelige Haut ganz nah an, ihre Bewegungen, die Grazilität des Fühlerspiels, das Luftloch, die Rillen im Haus......

Descartes darf noch warten. Er ist der Urvater dieser zerlegenden Naturwissenschaft, beschrieb ja auch die Tiere als lebende "Maschinen". Wenn sie das sind, dann darf man ja auch alles Mögliche mit ihnen anstellen, nicht wahr??

Wir aber sind in einer ganz anderen Phase. Wir gewinnen erst gemeinsam einen Bezug zu dem Phänomen Schnecke, zu dem belebten Wesen, dem animale. Anima=(lat) Seele (!!!)

Lassen wir also im ersten Schuljahr noch die Rasierklingen weg! Oder überhaupt, ich weiß es nicht so genau für den Moment. Ich möchte ja zunächst einmal die Fähigkeit zur Empathie fördern als Fundament und Basis anderer Erkenntnisse.

Sadismen gegenüber Tieren gibt es zuhauf und überviel. Dagegen möchte ich mich ein wenig als Lehrerin abgrenzen. Schnecken über Rasierklingen laufen zu lassen, um zu zeigen, dass sie sich NICHT dabei verletzen und sich zu erklären, warum, muss eingebettet sein in ein Bild vom Tier als einem empfindungsfähigen Wesen, das an seiner Schmerzfreiheit genauso interessiert ist wie jeder von uns selbst.

Dann ist mir das möglich. Sonst ist die Gefahr zu groß, dass der "Schuss" nach hinten losgeht. Sadismen gibt es schon zu viele.

Auf unserem ersten Ausflug in den Gleisdreieckpark gab es einen von uns, der damals auf Schnecken und Regenwürmer trat, als ob es gälte, einen Wettbewerb zu gewinnen....

Ich hoffe, dass vor solches Handeln zukünftig sich vielleicht ein wenig Reflexion oder Mitempfindung, Perspektivenwechsel, Differenziertheit, eingestellt hat, die das unmittelbare Ausführen solcher Impulse bremst.
Dann wäre schon viel gewonnen.
 




 Ein paar Fakten liefern wir natürlich auch.





 Durchaus nicht unwichtig: Die Pflege der "Werkzeuge"...




 ....gemeinsam...
und den Spitzerdreck, den heben wir auf.
Der macht gute Effekte, wenn man mal
Papier selbst herstellt und schöpft.



Vorbildlich! Großes Lob. Ohne die Arbeitsmittel
ist alles viel schwerer. Daher steht das bei mir auch immer im Zeugnis, ob jemand seine Arbeitsmittel immer gut zur Hand hat. Ich weiß, wie wichtig das ist,habe da selbst meine Achillesferse. Aber ich geb mir Mühe.... :// Wirklich.

Wenn die Kinder mir ein Zeugnis schreiben, was sie in den fünften oder sechsten Klassen auch schon gemacht haben, dann steht da immer, dass ich versuchen müsste, mehr Ordnung in meinen Sachen zu halten.... *_*



 Jaspers Text ist noch nicht ganz fertig.


Hier ist Hediyes Asylschnecke nochmal zu sehen, die sie auf ihrem Schulweg auf dem Gehweg fand und mitbrachte. Mittlerweile ist sie mit den anderen zusammen wieder im Schulgarten, denn, wie hieß es?




Schnecken brauchen nicht nur Feuchtigkeit und Blätter, sondern auch Freiheit.

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Hier noch ein schönes Bild aus einem Tweet von
@i_Author auf Twitter:



Genau. Deshalb.

Ganz stimmt es sicher nicht so. Der Fernseher füllt auch den Kopf, aber mit Stereotypen und Klischees zuungunsten eigener persönlicher Bilder und Empfindungen....


Bis bald!
Eure
Minna

Sonntag, 11. Mai 2014

Wie fühlt sich eine Schnecke auf der Haut an?

Freitag, 9. Mai 2014

"Kann ich die Schnecke mal auf die Hand nehmen?" ..... 

"Wie fühlt es sich denn an?" 




(Die Lehrerin weiß es nicht. Sie hatte noch niemals eine Schnecke auf der Hand oder, sicher noch intensiver spürbar - auf dem Arm.)

"Sie fühlt sich irgendwie ENTSPANNT an."





Das erzählte ich Hediye. Ich fand den Begriff interessant, aber auch ein bisschen rätselhaft. Sie meinte, dass es sich sicher (Sie hatte es auch noch nicht ausprobiert...) wie eine Massage anfühlt, weil die Schnecke sich durch Muskelkontraktionen fortbewegt. Das muss es sein! Ich muss das jetzt auch einmal wissen, wie es sich anfühlt!! Und dann --- kann ich mal wieder auf diese wichtige Frage antworten:

"What was the last thing
you did 
for the first time?

Diese Dinge werden mit zunehmendem Alter immer seltener. Wenn man aber die Spur hält, dann trifft man immer wieder auf Neues, und das hält jung.






Das Schneckenterrarium (Wir haben in der Klasse ein AQUArium und ein TERRArium und auch erklärt, was das bedeutet), es wird ununterbrochen beobachtet, so, als spiele sich dort Unerhörtes ab. 







 Als Hediye an diesem Morgen kam, hatte sie einen unerwarteten neuen Besucher für unser Terrarium dabei:




Eine Weinbergschnecke mit recht lädiertem Haus (Es hat mehrere Risse.). Sie saß auf dem Gehweg direkt vor ihren Füßen, als Hediye zur Arbeit kam. So hat sie sie mitgenommen.

Die Schnecke bekam in unserem Terrarium Asyl. Das erste, was sie/er tat, war, sich an eine(n) der anderen Weinbergschnecken heranzumachen und mit ihr in die "Knutschposition" zu gehen. Nicht schlecht für's erste, dachten wir.

Was könnte sie brauchen, um ihr Haus vielleicht von innen her zu reparieren? Kalk wahrscheinlich, denn
die Häuser der Schnecken bestehen aus Kalk. Wir nahmen Kreide. Was ist Tafelkreide anderes als  millionenjahrealte Muschelschalen aus dem Urmeer des - vielleicht - Silur? Na bitte! Und schon saß sie drauf auf dem Kreidestück, wie man auf dem vorigen Bild erkennen kann.
 



Aus unserem Naturwissenschaftsraum hatte ich zwei Stereomikroskope besorgt. Sie sorgen dafür, dass Du Dinge betrachten kannst, ohne sie zu zerstören, zum Beispiel eben Tiere.

Mit einem normalen einäugigen Mikroskop muss man kleinste Teile zwischen zwei Glasplatten pressen, das heißt, man lässt das, was man betrachten will, nicht unbehandelt, das will sagen bei Tieren, nicht unverletzt.

Das ist ein Prinzip, das mir nicht gefällt. Man kann mit dem Binocular herrlich kleine lebende Tiere beobachten, Landtiere, Wassertiere, aber auch gewöhnliche Dinge.

Wir fingen mit unseren Haaren an. "Wie Stöcke sehen die aus", sagte jemand. Jetzt mussten wir das aber für diesen Tag abschließen, denn.........................

Muttertag stand vor der Tür, und wir schrieben eine Karte. Vielleicht könnte man es auch mal Elterntag nennen? In unserer Klasse sind viele Väter, die ganz viel mit ihren Kindern machen, und die bleiben jetzt unbeglückwünscht....





Dann bekamen wir noch lieben Besuch: Lesepate Matti unterstützte Moritz beim Briefeschreiben und dann klönten die beiden noch miteinander und tauschten sich über die Zeitschrift aus, die Moritz mitgebracht hatte und die ihn brennend interessiert.




  
Karla unterstützte weitere Kinder, während ich das Terrarium fürs Wochenende vorbereitete. Eigentlich sollten alle Schnecken zurück in den Schulgarten. Nun blieben bei der Asylschnecke noch zwei weitere Weinbergschnecken und zwei von den Kleinen - wie heißen die überhaupt? Die mit den Ringeln.

Hediye war während dieser Zeit mit der anderen Hälfte der Klasse in der Schülerbibliothek der Schule zum Bilderbuchkino....



  
Johannes und Jonina, ganz souverän, graben sich weiter durch ihr Lernheft.




Das ist Hediyes Achatring. Er war zerbrochen, als sie etwas zu fest mit der Hand auf den Tisch geklopft hatte. Die Stücke hatte Hediye in den Mülleimer geworfen.




  
Einige Zeit später kommt Laura zu ihr: Sie hatte die Stücke aus dem Mülleimer herausgeholt und mit Tesafilm ganz sorgsam wieder zum Ring zusammengefügt.
Uns wurde ganz warm ums Herz, wieviel Achtsamkeit, wieviel Liebe in solch einer Handlung steckt. Das kann man mit Worten eigentlich gar nicht beschreiben.



  
Später hatte ich noch eine Stunde freiwillige Arbeitsgemeinschaft "Holz und Wolle". Zehn Kinder aus den 3. und 4. Klassen sind dabei, sie versäumen keine Sitzung, obwohl es freitags in der 6. Stunde ist.





Wir kämmten Wolle, filzten Jonglierbälle, eine stickte ihren Namen auf ihre Bälle, einige Kinder arbeiteten weiter an ihren Schlüsselbrettern. Es war ein entspannter Wochenabschluss.




Ja, und dann haben wir uns alle hoffentlich am Wochenende gut entspannt, so wie hier Kater Oskar Kellermann, der Findelkater aus dem Batteriekeller der Schule vom Januar. Er hat sich in sein neues Leben auch sehr gut eingefädelt, wie man sehen kann!

In der nächsten Woche müssen wir das R,r lernen, Zahlen zerlegen und weiter rechnen üben,  einmal zusammenfassen, was wir über Schnecken schon wissen, unsere Fragen formulieren, die wir an das Thema noch haben und sehen, welche Aufgaben noch bearbeitet sein wollen und wer das übernimmt.

Wir werden uns mit der Vorbereitung unseres Eltern- Kindernachmittags beschäftigen, der am Donnerstag, dem 22. Mai von 15 bis 17 Uhr stattfinden wird.

Das Thema ist das islamische Zuckerfest. Es findet zwar erst später im Jahr statt und bildet den Abschluss des muslimischen Fastenmonats, des Ramadan/Ramazan.

An Weihnachten hatten wir die religiöse Seite des Festes nicht ausgelassen. Wir wollen jetzt auch Wissen über das Zuckerfest und seine Hintergründe miteinander teilen.

Frau Öztürk, die Religionslehrerin, wird mit ihren Kindern etwas zum Şeker Bayram zeigen.

Hediye wird mit den Kindern einen Folkloretanz einüben.

Herr Malkowsky, der Musiklehrer, wird mit den Kindern Lieder aus dem Musikunterricht singen.

Mir schwebt eine kleine Fotoausstellung über Gefühle vor. Das passt zu unserem derzeitigen Anti-Gewalttraining.

Zu den Schnecken könnten wir vielleicht berichten oder ein Quiz machen. Mal sehen.

Vielleicht schaffen wir es auch, einen oder zwei alkoholfreie Cocktails zu kredenzen. Hier macht das Ausprobieren auch große Freude.

Bis dann! Danke für's Lesen, 
Eure Minna