Mittwoch, 10. April 2013

Ali meint.

Wenn alles so gut geht wie derzeit, lässt sich wenig darüber reden. Die Schüler und Schülerinnen gehen sehr humorvoll, empfindsam und achtsam miteinander um. Die Unterrichtsphasen sind höchstens deshalb anstrengend, weil man ständig auf mehreren Ebenen Reize empfängt und Reaktionen gibt, aber man sehr aufgeschlossen reagieren kann, weil die Atmosphäre herrlich unvergiftet und entspannt ist.

Um 8 Uhr bis fast um zehn habe ich Organisatorisches gemacht. Die Wollwerkstatt aufgeräumt, alles wieder an seinen  Platz zurückgelegt. Ein paar Kopien, eine Überweisung zur Schafhaltung, ein kleines Gespräch mit einer Kollegin. Das Prinzip "Offene Tür" ist sehr lohnend. Jemand bleibt stehen, kommt herein, man vertieft sich in ein Gespräch und - jetzt aber schnell, denn oben wartet ja die "eigentliche" Arbeit!

Anhand eines Textes beschäftigen wir uns in Naturwissenschaft mit Stoffen und ihren Eigenschaften. Die Materialien der Steinzeit, Knochen, Leder, Holz, Stein und Ton. Dann kommen die Metalle hinzu, Glas, nun die Kunststoffe.

Gold. Gold ist sehr biegsam. Aus 10 g Gold kann man einen Draht ziehen, der 25 000 m lang ist! Steht so da. Wie lang sind 25 000 m? 25 km. Von hier bis...? Vom Mehringdamm bis "Hauptbahnhof?" fragt Mario. "Bis zum Hauptbahnhof, das sind vielleicht 5 oder 6 km." Phhh. Also, von hier bis zur Stadtgrenze nach Norden, Frohnau, Henningsdorf so etwa. Großes Staunen. So weit??? Fünfmal um den Schlachtensee. Wir sind einmal da drumherumgelaufen.-

Deshalb dauern unsere Gespräche lang, d.h. wir sind eher  gründlich, es werden nicht so viele Fakten geklärt, aber einiges wird schon klarer durch die Veranschaulichungen. Und wird dadurch vielleicht auch behalten.

Viele Begriffe können wir klären, fossile Stoffe, beim Holz das Furnier, die Spanplatte, Baumarten und die Eigenschaften ihres Holzes. 

Peter sagt immer "Tanne", auch wenn man ihm ein Stück Birkenrinde hinhält. Er sagt stets "Tanne", wenn man nach irgendeiner Baumart fragt. O Tannenbaum, Peter!

Die Problematiken der Kunststoffabfälle sprechen wir an, die Herkunft des Kunststoffs, z.B. dass Kaugummi auch aus Erdöl hergestellt ist, versetzt mit Weichmachern und künstlichen Aromen, worauf Ali meint: "Ich kau nie mehr Kaugummi." Sehr viele Kinder sprechen aktiv mit. 

Einmal hat Hans nicht so aufgepasst und gibt eine Antwort auf eine nicht gestellte Frage. Zwei lachen und ich werde streng. Aus vielen Gründen kann man eine andere Antwort geben und - niemals! ist das ein Grund zum Lachen. Es ist einfach so. Man geht darüber hinweg. Es ist in Ordnung so. Es gehört dazu.

Wir sprechen eine halbe Stunde, sehr konzentriert mit sehr breiter Beteiligung und machen danach fast 15 Min Pause. Dabei haben wir mehrfach gelacht, aber niemals über jemanden.

Ich weiß nicht, wie das kommt, aber mit den Jahren gelingt es mir immer besser, öfter die Klasse zum Lachen zu bringen. Das tut gut und macht die Aufnahme und Auseinandersetzung mit den Inhalten leichter. Ich leg es oft extra drauf an, dass wir lachen oder schmunzeln und es gibt ja auch im so genannten Leben viele Verrücktheiten, über die man schmunzeln kann. Miteinander lachen ist schön. Doch nie auf Kosten einer Person.

Übrigens: Lachen. Ich vermisse ihn, seinen Humor und sein Lachen. Wenn er da ist, lachen wir noch viel mehr. Als ich es anspreche, kommen viele Reaktionen. Er fehlt, wenn er nicht da ist. Seine Kur dauert bis Ende April. Dann haben wir Bastian wieder! Dann war er fast drei Monate weg!

Die großen Kinder haben nicht mehr das Bewegungsbedürfnis der Kleinen. Sie stehen oder sitzen zusammen und unterhalten sich. Danach machen wir in den schönen erdkundlichen Heften weiter, die jeden zwingen, hundertmal im Atlas zu schauen und die richtige Seite zu finden. Wo liegt Ibiza? Ich hab's noch nie gewusst. Schau im Register nach! 

Man hilft sich gegenseitig. Eine Gruppe geht in den Freizeitraum. Sie sind später wirklich noch am Arbeiten! 

 
Es ist "Erntezeit". In drei Monaten sind wir auseinander. So große Personen sind wir geworden! "Kinder" kann man kaum mehr sagen. Und so viel Vernunft ist schon im Spiel.

Kinder müssen, wenn sie älter werden, an Vernunft und an Einsicht zunehmen. Sonst hat die Schule etwas falsch gemacht.

Bei der letzten Klasse wurde mir das erst richtig bewusst: Wie mit zunehmendem Alter alles besser wurde. Das ist gut so. Wenn meine Kinder jetzt im letzten halben Jahr nur Blödsinn machen würden, müsste ich mich fragen, was da, auch durch mich, verkehrt gelaufen ist.

Diese Klasse damals war ein absoluter Horrorhaufen. Man verzeihe mir, aber es war so. Dann kam heraus, dass ein Schüler zusammen mit zwei anderen die ganze Klasse erpresste, schlug, unterdrückte.

Die Schulleitung war sehr konsequent. Der Schüler verließ die Schule. Von da an ging ein Aufatmen durch die Klasse. Die Kinder wurden anders, lernten plötzlich besser, auch die beiden anderen veränderten sich. Einstmals stets völlig starre Mienen wurden beweglich, es gab Rückfragen, Verhandlungen um kleine Dinge, es entstanden Gespräche. Tauwetter.

Zum Schluss sagten alle an der Schule: Was ist denn mit ihnen los? Sie sind ja so brav. Den Schülern, und das wurde mir an dieser Klasse zum ersten Mal klar, war irgendetwas von ihrer Seele genommen, so, als sei etwas durchgepustet worden, sie wurden heiterer, sie gaben zu, dass es ihnen Freude machte, Dinge "richtig" zu machen, wo sie vorher sich wie kleine Gangster verhalten hatten.

In dieser Klasse habe ich so viel gelernt wie niemals zuvor. Auch Ali meint, er möchte es lieber streng haben. Er traut sich das nicht selbst zu, die Kontrolle zu übernehmen und empfindet es, wenn es mit Empathie und Aufmerksamkeit passiert, als eine Art Fürsorge, wenn er auf Grenzen stößt. Grenzen, die er  anerkennen kann. Das ist eine wichtige Erkenntnis. Kinder mögen vernünftige Grenzen. Sie wollen sie verstehen und mittragen. Sie geben ihnen Sicherheit. Sie sind ein Ausdruck freundschaftlicher Anteilnahme der Erwachsenen für sie. Die Atmosphäre muss aber auch stimmen. Kinder wollen spüren, dass sie wahrgenommen und wertgeschätzt werden. 

Dann sind Kinder sehr gerecht zueinander und verzichten auch gern einmal auf einen unmittelbaren Vorteil.
Das macht sie so sympathisch und so anders als viele Erwachsene. ;) Das macht den Umgang mit Kindern so schön.

Übrigens hatte dieser Junge, den wir aus der Klasse ausschließen mussten, auch nach einem Klassengespräch im 4. Schuljahr mit vielen Beispielen über die Frage: Was ist Gewissen? Als ich einmal ein gutes/schlechtes Gewissen hatte....nichts schreiben können. Er hatte geschrieben: Ich mag meine Familie.- Er hatte es nicht verstanden. Die seelische Instanz "Gewissen" fehlte ihm völlig. Sie war einfach nicht vorhanden. Das hatte auch seine Gründe. Der Vater war schwach und als Erzieher nicht vorhanden. Die Mutter ließ ihm alles durchgehen. Er bekam niemals ein "Nein". Alles was er tat, war gut, egal, ob jemand zu Schaden kam. 

Der Junge "flog" später aus der therapeutischen Gruppe hinaus, in der er dann zur Schule ging, mit extra geschulten Betreuern und einer Klassenstärke von 8 Kindern. Aus Gründen manifester Gewalt, die er ausübte.

Das war damals mehr so durch Zufall entstanden, aber seitdem führe ich in jeder meiner Klassen so im 5. Schuljahr ein Gespräch über den Begriff des Gewissens  und lasse schreiben, merke ziemlich genau, ob das Kind verstanden hat, was gemeint ist. Dann ist es auf dieser Ebene ansprechbar. Das ist wichtig für die Gespräche im Fall von Konflikten. Man weiß dann besser, ob das Kind in dieser Hinsicht ansprechbar ist oder nicht und kann das auch bei den Eltern ansprechen und, wenn es sein müsste, beim Jugendamt. Von 12 bis 16 kann noch viel passieren an regulierender Erziehung, danach ist es damit vorbei...

Eben rief eine Familienhelferin an, wir unterhielten uns. Es ist alles, schulisch gesehen, im Lot. Könnte nicht besser sein. Ihre Arbeit bringt Ruhe in die betreffende Familie. Das wirkt sich positiv auf das Kind aus.

Auch, wenn die Dinge gut laufen, das merke ich jetzt schon, lässt sich eine Menge erzählen. Es gibt ja auch Gründe, warum.
 
So, und jetzt häng ich die Schule mal wirklich ab!  




Das stellte sich heute heraus: Hierüber müsste noch Klarheit geschaffen werden: Landschaftsformen. Ach, im Botanischen Garten und im Tropenhaus waren wir auch noch nicht! 


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Über dem Eingang des Botanischen Gartens steht ein Spruch:


Habe Ehrfurcht 
vor der Pflanze!
Alles lebt durch sie.

Diesen Gedanken mag ich sehr.

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Dienstag, 9. April 2013

Mustafas Gemüsekebap

Sehr früh heut dagewesen, kurz nach sieben Uhr, eigentlich war es (MEZ) ja kurz nach sechs. Wollte unbedingt vorbereiten: Alle Näh-, Stick-, Web- und andere Dinge auf den Tisch legen und Schildchen dazu mit den Wörtern, bis zum Fingerhut, der Stecknadel, Nähnadel, der Sicherheitsnadel usw. Den Kindern Anhalt geben, nähen, sticken, stricken, weben, häkeln, filzen zu unterscheiden, auch die Werkzeuge dazu erkennen und zuordnen und z.B. wissen, in welchen Situationen der Gebrauch von Baumwolle sinnvoll ist und wann der von Wolle und warum auch.


Wir begannen heute mit dem Nähen der Säckchen für die Jonglierbälle aus Wolle. Dazu schnitten wir die Stoffe zu, markierten die Nählinien, steckten fest, fädelten ein, Doppelfaden, Knoten unten - schwer!!! und dann ein Stich, dessen Namen ich nicht kenne, der aber fantastisch hält.

Das ist Geduldssache. Von den acht Kindern waren fünf für zwei Schulstunden vollkommen bei der Sache und hatten die beiden Seitennähte am Ende fest - mit Vernähen sogar. 



Einer kam zu spät, wirkte todmüde, drehte Marathon am Spinnrad, hing im Sessel, fing nichts an, ließ jeden Vorschlag ins Leere laufen. Was sollte ich machen? Ich hatte das Gefühl, er war selbst sehr unglücklich darüber, so ließ ich ihn einfach die ganze Zeit im Sessel lagern.

Zwei Mädchen taten ihr Möglichstes, meine handgetischlerte Kardiermaschine endgültig zu crashen, tobten, rasten herum, während die anderen Fünf geduldig ihre Stiche machten.

Mert packte zum Schluss sein schönes kuscheliges Webstück aus. Das hatte er zu Hause angefertigt. Er nahm auch seine Näharbeit wieder nach Hause mit. 


Lisa konnte sogar den Handarbeitsknoten, alte Schule!- schlingen. Das hatte sie von der Mama.

Es war schön und entspannt gewesen. Man steckt nicht in jedem drin. Warum Burak heute nichts hatte mit sich anfangen können...dazu müsste man ein Kind besser kennen. Ich weiß, dass er gerne kommt. Gestern auf dem Hof hatte er noch gefragt:"Sehen wir uns morgen?" Vielleicht war er enttäuscht gewesen, dass da noch kein Aquarium für ihn stand....

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Dann, in der Klasse,  rechneten wir in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Wir waren drei Erwachsene, zwei Lehrerinnen, eine Erzieherin, unterstützt von unseren wunderbaren Lesepaten Matti und Sevda, die mit einzelnen Kindern in die Bibliothek gingen und dort lasen oder andere Themen bearbeiteten.


Wir sprachen uns ab, für wen der Schüler es nicht schlimm war, jetzt nicht beim Rechnen dabei zu sein. Es gibt gute Rechner, die können auch einmal eine Session im Vorlesen gebrauchen, weil sie zu wenig selbst sprechen, Vokale nicht klar artikulieren und so hielten wir es dann auch. Man kann kann ja auch die leistungsstärkeren Schüler fördern.

Als ich letztens beim Verlag war, gab es nur Fördermaterial für die Schwächeren....Das gefiel mir nicht so. Man könnte doch auch selbstlernendes Material zur Vertiefung von Sachgebieten entwickeln.

Also, wir suchten Hauptnenner und erweiterten und kürzten, dass es knirschte. Es hat Spaß gemacht! 

Am Wochenende muss ich einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Meiner ist schon zu lange her. Ich werde fragen, ob sie in die Schule kommen. Das wäre doch auch einmal ein Thema! 

Zum Abschluss unseres gemeinsamen Schultages überlegten wir gemeinsam, was wir übers Nomen wissen und hielten es schriftlich im Grammatikheft fest. Es soll spiegeln, was wir gelernt haben, wenn die Kinder die Grundschule verlassen.

Es ging um das Deklinieren, um die vier Fälle und insbesondere auch um den Genitiv bei Eigennamen, die Vermeidung des so genannten Deppenapostrophs:



So soll es dann nicht aussehen, sondern eher so:


Einer muss mal gucken gehen, wie Mustafa es bei seinem berühmten Gemüsekebap am Mehringdamm geschrieben hat. Würde mich jetzt wirklich interessieren. Es sind nur ein paar Schritte bis dahin.

Es ist auch nur ein paar Klicks bis zu Mustafas interessantester Webseite:

www.mustafas.de

Und dann ist es klar....Auch, dass Mustafa das nicht wissen muss. Er kann andere Sachen überragend gut, sonst würden die Leute nicht ewig lange Schlangen vor seinem Stand bilden. Er muss das nicht wissen. Aber wir. ; )

Ali hat mit Matti zusammen schon vorher dekliniert, Zufall, wir nehmen seine Sätze. Er hat einen Zettel dabei, da stehen die Fälle mit Beispiel drauf. Ich sage: "Du kannst den Zettel ins Heft kleben, musst nicht schreiben." Er: "Nee, ich schreibe." Wahnsinn. 

So sieht das nachher aus: (Wer mal gesehen hat, wie Ali früher schrieb - das konnte damals keiner lesen...)

  
Ist doch doof. Jetzt kann man gerade so richtig supertoll arbeiten, und dann gehen alle weg!
Aber die Kinder müssen vielleicht nach vier Jahren auch mal neue Lehrer haben. Vielleicht ist das ja ganz richtig so. Man darf nicht zu egoistisch sein....


Montag, 8. April 2013

Dann nehmen wir eben ein Flugzeug.

Es kam mir vor, als hätten die Ferien sechs Wochen lang gedauert, so intensiv waren die von der Schule und dem Beruf unabhängigen Aktivitäten und Passivitäten gewesen. 

Wir begannen mit einem Kreis: "Keine Sorge, Ihr müsst nicht schreiben." Und erzählten ein wenig. 

Cherry las ihren Text vom Schafebesuch in Garz vor. Sie hatte ihn in eine wunderschöne Form gebracht und Bilder dazugefügt. 

Ich erzählte mein Schockerlebnis bei der Bahn. Es gibt keine Abteile mehr. Wir werden nach Berchtesgaden zehn Stunden unterwegs sein. Ich war völlig außer mir an dem Tag im Reisebüro. Zehn Stunden in der Bahn im Großraum. Grausam. Für alle. Einfach nur grausam. Wir werden uns mental darauf vorbereiten müssen...Bin hilflos. Die Bahn ist richtig bekloppt. Schaffen alle Abteile ab und machen nur noch Großraum im IC!!

Ob der Mann vom Reisebüro sich richtig Mühe mit der Reservierung gegeben hat? Ihm kann es doch egal sein, was wir und die anderen Reisenden dabei durchzustehen haben. Ali meint: "Dann eben Flugzeug..."

Den Erste-Hilfe-Kurs muss ich neu machen. Zweimal acht Stunden pro Tag. Am Wochenende. Dankeschön. Aber wichtig ist es schon.

Die Schüler bleiben gelassen. Sie können sich das erst vorstellen, wenn sie mit drinhängen.

Hatte Geburtstag gehabt und spendiere den Schülern ein Gestell, um Bücher aufrecht hinzustellen. So kann man besser Haltung bewahren bei der Arbeit.

Ja, was machen wir denn in der Projektwoche Ende April? Ich schlage vor, wieder zu handwerkern, Hüllen filzen für das Buchständerdings und Körbe flechten. Sonst kommen wir dazu gar nicht mehr und ich finde es wichtig, dass man das einmal ernsthaft versucht hat.

Wir müssen jetzt so langsam die Ägypter abschließen. Die Griechen warten noch. Es geht um Alltag in Ägypten, das Wohnen und Arbeiten und dass man von den kleinen Leuten (die den ganzen Betrieb immer am Laufen gehalten haben) nie etwas weiß. Sie kämpften ums reine Überleben und hatten keine Künstler, die ihr Leben darstellten.

Die Häuser, die Handwerke, die Geschlechterrollen. Was ist das, eine Rolle? Es stellt sich heraus, dass die ägyptischen Frauen erben durften und Vermögen haben, also das war wohl schon ganz gut im Vergleich....

In der nächsten Stunde habe ich frei, kann dies und das organisieren. In der vierten Stunde vertrete ich meine Kollegin und Englischlehrerin. Im Grunde ist es egal, ob ich im Wollraum sitze und korrigiere oder oben in der Klasse, und dann braucht die zur Vertretung eingesetzte Kollegin nicht ihren Unterricht verlassen. 

Wer mit dem Englisch fertig ist, kann mit dem Erdkundeheft weitermachen. Es ist eine Such-Fundgrube. Die Kinder müssen ganz viel im Atlas nachschlagen. Da stellt sich heraus: Manche sind fertig, haben 30 Seiten Suchaufgaben über Europa bewältigt, andere sind noch auf Seite 5! Dabei hatte jede und jeder sein Heft samt Atlas in den Ferien mit zu Hause gehabt, da hatte ich darauf bestanden.

Die Korrekturen hatten ergaben, dass Mesut und Luigi überhaupt keine Ahnung vom Hauptnennersuchen bei der Addition ungleichnamiger Brüche hatten. Eigentlich habe ich nach der 6. Stunde keinen Unterricht mehr. Aber ich habe mir schon länger überlegt, dass ich lieber meine Förderstunde ohne Parallelunterricht zu liegen hätte, und heute fange ich damit an.

Mesut und Luigi haben also, wenn die anderen Freizeit haben, eine Stunde Mathefördern. Rimas möchte auch dazukommen und Erdkunde machen. Die drei Kinder, die mit Erdkunde so weit zurück sind, müssen auch erscheinen. Tobi ist ganz traurig. Ali wettert herum, aber kommt letztendlich doch. 

Schön ist: Fereba gesellt sich zum Fördern dazu, obwohl sie nicht muss!
Wir arbeiten an dem Gleichnamigmachen der Brüche, und zum Schluss der Stunde klappt es ganz gut. Tobi und Emmely haben sich zusammengetan. Ali hat am Ende vier Seiten mehr im Erdkundeheft.


Eigentlich müsste so etwas öfter sein. Wozu ist man eine Ganztagsschule? 

Ronaldo druckt seine Linolschnitte fertig, auch er kam freiwillig nach oben und macht es sehr souverän.



 

Dann ist es 15 Uhr. Ganz zufrieden verlasse ich die Schule.  Ohne Schulsachen. Ganz privat jetzt bis morgen früh. Das ist ein schönes Gefühl.

Donnerstag, 4. April 2013

Duft der Zeit

Während ich das schreibe, höre ich:

Dillon: Tip Tapping:



und finde es sehr intensiv, empfindsam, minimalistisch und schön, nicht mit so viel BrummBrumm und Täterä und Außenwirkung.

Gewöhne mich neu ein wenig an nichtklassische Musik. Auch nach "uns" wurde gute Pop-Musik gemacht. 

Heute wieder zu Fuß unterwegs gewesen, in Kreuzberg. Zum besten Aquarienhandel Berlins:


Dort darf ich immer unsere unfreiwillige Fischnachzucht hinbringen. Das habe ich vor kurzem gemacht, ein gutes Dutzend Black Mollies waren es. Nun möchte ich Neons dazukaufen, denn wir haben nur noch drei. Vor Jahren waren es zehn gewesen. Drei fühlen sich nicht so wohl, es sind Schwarmfische. Doch es waren nur noch fünf Neons da, ich nahm sie alle.

Auf dem Weg traf ich auf dieses wunderschöne Haus, auf das viel Wahrheit über unser Leben heute kunstvoll gemalt ist:


In der Mitte eine Frau an einem Tisch, vielleicht am Computer, und ringsherum fliegt alles auseinander. Von unten tastet sich schon widerliche Schmiererei hoch, die das Werk in seinen luftigen Höhen aber nicht wirklich erreicht und verschandeln kann. "Kunst kommt von Können und nicht von Wollen, sonst hieße es Wunst", sagten sie früher zu uns. 

Ein paar Schritte weiter ist es noch wunstiger oder schon der schiere Vandalismus:


Und dieses, man will es nicht glauben, ist eine öffentliche Bildungsanstalt, Grundschule genannt . Ich frage mich, wie man an einer solchen Schule lernen kann und soll. 

Etwas Liebloseres habe ich noch nicht gesehen. Wie fühlt man sich als Schüler hier? Und wie als Lehrer? Ich sage es mal ganz ehrlich: Ich könnte hier nicht arbeiten. 

Es lädt zur Gewalt ein. Ich kenne diese andere Schule, eine Sekundarschule, die wir besucht haben, sie entfernen SOFORT jegliche Schmiererei. Wie sie es machen, weiß ich nicht. Wie sie es finanzieren, auch nicht. Sie schweigen sich aus. Zweimal habe ich die Schulleitung schon direkt angesprochen und war voller Lob, aber meine Frage, wie sie das hinkriegen, blieb unbeantwortet. Wie auch immer: Sie schaffen das. Es ist ein kräftezehrender Kampf, ein Geldmittel verschlingender Kampf, aber sie kämpfen.

Hier finde ich, teilt sich für mich mit, man habe schon aufgegeben. In ein solches Schultor hineinzugehen, wäre für mich persönlich unwürdig. 

Ich will nicht über Kollegen urteilen, habe aber einen Schüler, der sehr furchtbar dort geärgert und niederträchtig behandelt wurde und der deshalb zu uns wechselte, weil er es nicht mehr aushielt.

Das wirkt so, als habe man resigniert. In diesem Ambiente kann ich mir nicht vorstellen, würdig und effektiv mit Schülern und Eltern zu sprechen. Würden sie mich überhaupt anerkennen? Welche Autorität hat staatliche Erziehung in einem solchen Gebäude? Der Anblick ließ mich leicht erschüttert zurück.

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Zu Fuß hingelaufen, aber dann schnell mit dem Fahrrad zurück.


So waren es dann insgesamt im Aquarium acht kleine Fische, drei weibliche Black Mollies und noch ein paar sehr kleine, auch Guppies. So ist alles wieder ein wenig unter Kontrolle, jedenfalls einstweilen. Dass die Aquarien nicht überbesetzt oder eher unterbesetzt sind, ist gut. Übers Wochenende oder über die Ferien sind immer einmal ein paar Tage ohne Betreuung zu überstehen. Auch muss ich dann nicht so oft den Filter putzen. Das sind doch alles Extras, die in keinem Lehrplan stehen, so, als sei das mein Hobby.

Aber ich finde es wichtig, so einen lebendigen Punkt im Klassenzimmer zu haben, wo man sich in den Korbstuhl davor setzen und sich in den Anblick der Unterwasserlandschaft versenken kann, und sei es nachmittags, wenn unser Klassenraum für die ruhigeren Beschäftigungen reserviert ist. Sonst ist überall Halligalli.

Als ich die Tür zuschloss, war ich sehr zufrieden. Eine Winzigkeit im Klassenraum besser gemacht. Nur eine Winzigkeit. Aber ich finde das wichtig, sehr, und freue mich daran.

Komme nach Hause und finde mich beschenkt vor.. :)))



In einem Umschlag, von der Post (snailmail!) gebracht, mit wunderschönen Briefmarken vom Gendarmenmarkt, finden sich: 

Ein Buch von Byung-Chul Han: Transparenzgesellschaft.- Ein Artikel von ihm mit dem poetischen Namen: "Duft der Zeit", noch ein Artikel von G. Mattenklott: Literatur als Bildung der Gefühle, eine Handcreme für meine "werkelnden" Hände und eine Karte mit einem herzerwärmenden Text und der "Romanleserin" von Vincent van Gogh.

Byung-Chul Han war mir schon aufgefallen. Ich freue mich auf die Lektüre und auch auf die der beiden Aufsätze! Die Handcreme kann ich gut gebrauchen für meine ewig trockenen Hände und überhaupt....

DANKESCHÖN!!! 

Auch das ist Schule. Meine Kollegin spricht die kommende Schulinspektion an und wie wir uns dazu verhalten wollen. Ja, da sollten wir einmal gemeinsam darüber nachdenken.

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Ich bitte meine Kolleginnen und Kollegen von der XXX-Schule um Entschuldigung, ich will mich nicht über Euch erheben oder Euch schlecht machen. Vielleicht ist alles bei Euch so schlimm, dass für solche Überlegungen keine Kraft ist, vielleicht seid Ihr ganz allein gelassen. Es tut mir Leid.... 
 

Mittwoch, 3. April 2013

Happiness for me is...Pleasure, Flow and Meaning.

Sah eben bei "CreativeMornings New York" einen Vortrag von Ping Fu von Geomagic. Er ist sehr interessant. Hier ist der Link:

"Love what to do so much that you forget time."


Er ist sehr beeindruckend und ich möchte empfehlen, ihn sich anzusehen. Drei Dinge sind ihr wichtig in ihrem ungeheuer schweren und erfahrungsreichen Leben: pleasure, flow und meaning. Wenn sie unzufrieden ist, fragt sie sich, welches davon fehlt oder zu wenig vertreten ist und versucht, etwas zu verändern.

Es ist für mich erstaunlich, dass die interessantesten Gedanken derzeit nicht aus der Hochschule kommen, sondern aus anderen gesellschaftlichen Bereichen. Auch, dass ich für meinen Beruf vieles davon fruchtbar machen kann. Deshalb suche ich in allen Sparten, ob Philosophie, ob Design, wo für mich etwas zu "holen" ist, und "pleasure, flow und meaning" sind Aspekte, denen man durchaus Beachtung schenken kann.

Meine Ferien habe ich gut verbracht. Ich vermeide das Wort "genutzt" als "seine Zeit nutzen". Für wen? Nur nach "Nützlichkeit" gehen, heißt, an dem, was wichtig ist, vorbeigehen. Das springt zu kurz. 

Dann und wann muss man trotzdem mal nach den Resultaten sehen, versprochen!

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Mich drücken natürlich immer noch meine Textzeugnisse und diverse andere Sachen. Aber ich versuche, ihnen ihren Omnipotenz- oder besser vielleicht: Prävalenzanspruch, den sie mir gegenüber vertreten, abzusprechen und sie dahin zu stellen, wo Diktatoren hingehören, in die Rumpelkammer und Tür zuschließen.
So kann es nicht richtig sein. So, nein! Das müssen sie schon anders machen, sonst bekommen sie die Tür gewiesen. So diktatorisch dürfen sie in meinem inneren Gemeinwesen nicht auftreten.

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Ich habe einige Stadtspaziergänge gemacht. Ganz entspannt und nach nichts Bestimmtem Ausschau haltend, mich an der eigenen Bewegung erfreuend, den Blick hierhin und dorthin, ohne eine große Willenskomponente, und wenn man in diese Stimmung kommt, dann fängt es an, dass ganz viel Gutes und Interessantes vorbeigelaufen kommt. Man hält an Stellen an, verweilt, nimmt auf, geht weiter und kommt gestärkt an Körper und Seele und, wenn man damit noch nachdenklich genug umgehen kann, auch an Geist gestärkt, zurück.

Alles das ohne jede Anstrengung. Die Anstrengung wäre eher schädlich, sie würde mich verengen, verspannen, verkrampfen lassen.

In diesen Situationen bemerke ich, dass ich, ganz verborgen, wer hätte das gedacht, ein ganz gutes Talent für "Flow" habe. Das hat man mir irgendwann mal madig gemacht, draufgehauen, verunglimpft und unter Strafe gestellt. 

Und nun....hole ich es aus seinem Versteck wieder hervor. Nehme es in die Hände, betrachte es, erkenne es als einen alten Bekannten wieder und begrüße es mit Neugierde und Freude. Und hoffe, es wird mir weiter wohlgesonnen sein und bei mir bleiben. 

Es gehört mit zu dem Besten, was sich dann und wann zu mir gesellt und mir Perspektiven eröffnet, Räume weitet und - man glaubt es nicht - in einem sehr entspannten Zustand sehr wirksam sein lässt.

Hatte das jetzt eben etwas mit Schule zu tun? Mit Schule vielleicht nicht, unglücklicherweise, wohl aber mit Lernen und mit Lehren. Davon bin ich überzeugt.

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Mit Schule hat es auch etwas zu tun. Skolé war ursprünglich das Wort für Schule und für Muße. Warum wohl? Weil Lernen aktives Sich-Aneignen ist, und das geht am besten so.

Montag, 1. April 2013

Ich hab doch noch Ferien...

Habe lange nichts geschrieben, etwa drei Wochen lang. Das hat mit den Motivationen zu diesem Blog zu tun und damit, dass täglich bloggen/schreiben heißt, gleichzeitig nichts Zusammenhängendes lesen zu können. Ich meine jetzt nicht Zeitung lesen, sondern sich durch eine Sache lesend durcharbeiten.

Happy hours in theory eben.

Durch Twitter kam ich auf ein Buch, das mich sehr tiefgreifend (ja, ich schreib das privat so, das andere sieht einfach bescheuert aus) anfing zu beeinflussen und das mich in sich hineingezogen hat, so dass ich ihm täglich zwei Stunden widmen musste/wollte, also meine ganze freie Zeit.

Da ich privat keine Kinder mehr zu versorgen habe, geht das schon und muss auch möglich sein, denn unsere Zeit verrinnt und je älter man ist umso schneller, und wenn man gehen muss, will man doch wissen, wer man geworden ist und wie es dazu kommen konnte...

Also dieses ist das Buch:


Den Autor kannte ich vorher gar nicht. Aber sein Denken ist sehr klar, redlich und gerade, sanft und konsequent zugleich. "Er war sanft wie alle Radikalen", sagte Wolf Biermann einmal von Rudi Dutschke, und das trifft es an der radikalen Wurzel.

Sein Denken hat Folgen. Dieses hat eigentlich alles Denken, das den Namen verdient. Drum sind viele ja auch so faul in dieser Disziplin.

Es geht da um unsere Zivilisation, die sehr gewaltförmig ist, nach innen wie nach außen, traditionell und aktuell, zu Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt und dass wir so nicht weitermachen können. Könnten wir es, brauchten wir mehrere Erden, wir haben aber nur diese eine und sind dabei, sie zugrunde (ja, ich schreibe das privat so, weil...) zugrunde zu richten.

Also, wie gesagt, das Lesen dieses Buches lohnt sich!
Man kann Derrick Jensen auch bei youtube sich ansehen und einen Eindruck gewinnen.

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Gut, das war das eine. Es gab etwas Wichtigeres als bloggen. Das zweite ist, dass man irgendwann, wenn man immer über Sachen berichtet, das ein wenig auserzählt hat und dann kann man auch einmal eine Pause machen.

Der dritte Grund war: Erschöpfung.

Es gibt sicher noch einen vierten und fünften, aber sie fallen mir gerade nicht ein. Heute früh beim Abwaschen wusste ich sie noch.

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Die Ferien sind jetzt schon über eine Woche alt und erst jetzt bin ich so richtig "drin". Manchmal überfiel es mich, dann rollten die Lawinengedanken der noch zu lösenden Aufgaben über mich rüber.....

Oh, die Textzeugnisse, die müssen bis Anfang Juni fertig sein. Davor ist die Klassenfahrt. Davor müssen sie also fertig sein. Zwanzig Textzeugnisse. Von den Notenzeugnissen rede ich gar nicht, das sind zweidrei Nachmittage oder Abende, das geht schon. 

Die muss ich auch noch machen, aber das kratzt nicht so.

Die Texte sind wichtig. Ich habe selbst dafür gekämpft, dass wir sie weiter schreiben. Ankreuzlisten halte ich für unwürdig. Ein studierter Mensch sollte in der Lage sein, einen Text zu verfassen. Besonders, wenn es um andere Menschen geht. Ein Kreuz ist schnell gesetzt. Bei den Kreuzen hast Du auch nur noch die vorgestanzten Kategorien. Ich sag das jetzt mal etwas ungeschützt: Beim Kreuzesetzen ist mir der Nazifaktor zu hoch. Da hast Du viel zu schnell jemanden in eine Schublade getan.

Das hab ich dem Kollegium bei der Diskussion natürlich nicht erzählt. Da meinte ich bloß, dass wir als Lehrer in Europa im Vergleich das meiste Geld beziehen, und da könnte man ja auch einen Anspruch an sich haben. Das kam schon nicht so gut an.
 

Wer selbst schreibt, ist frei zu formulieren. In jedem Text ist der Schreiber auch zu erkennen. Ich will das so. Es ist Teil der Verantwortung, die man als Schreiber beurteilender Texte über andere Menschen hat. Wenn ich Blödsinn schreibe, dann kann der kundige Leser erkennen, dass da ein blöder Mensch was Doofes über einen anderen Menschen hingerotzt hat. Das ist dann nicht so scheinobjektiv, weil der subjektive Faktor nicht ganz ausgemerzt ist.
Darauf lege ich Wert, wissend, dass ich damit quer zu den derzeit herrschenden Tendenzen im Schulwesen stehe. Scheinobjektivität. Quantifizierung des Qualitativen. 

RankingsVergleichsSchulinspektionsGrauen. STOP!

Für meinen Einsatz für die Textzeugnisse wurde ich später im Kollegium von einzelnen stark angefeindet. 

Früher haben wir die Texte als Briefe an die Kinder geschrieben! Als Briefe! He! Auf dem Zeugnisformular! Mit Du! Das war schön! Das half beim Formulieren. Das ist lange her! Das war nicht an jeder Schule so, aber an unserer. 

Nun geht das nicht mehr. Alles ist geregelt. Nur das Schreiben der Textzeugnisse hat noch ein paar kleine Freiheiten zu "bieten". Die möchte ich nutzen.

Es ist wichtig zu schreiben, wo die Stärken des Kindes liegen. Wo es mit ihm hingehen kann. In welche Richtung. Wo es auf die Tube drücken sollte. Wenn Lehrer an mir als Schülerin etwas bemerkten, war das für mich immer sehr prägend und entscheidend. 

Nur hat meist nie einer etwas an mir bemerkt. Nur einmal,  Dr. Heislbetz, unser Lateinlehrer, er stellte eine Frage, die ich nicht mehr weiß, ich antwortete etwas, worauf er sagte: 

"Minna, Sie haben ja eine philosophische Ader!" 

Das war das Beste, was mir in der Schule je passierte. Er war Doktor der Philosophie, Herr Dr. Heislbetz.

Um also etwas über einen Schüler zu schreiben, muss man vordem etwas an ihm bemerkt haben.

Bei mir ist es oft so wie eben mit den Gründen. Ich bin bei irgendeiner Arbeit, spülen, kochen, spinnen, stricken, Aquarium reinigen, irgendsowas, und habe die allerallerbesten Gedanken und zwar schon spruch- oder schreibreif, im Zusammenhang.

Dann setze ich mich später vor ein leeres Blatt Papier und...Nix. Alles weg.

Das Schlimmste für die Textzeugnisse ist - natürlich würde ich lieber noch ganz andere Texte schreiben - das Schlimmste ist, wenn einem die Zeit wegrennt und man soll über einen anderen Menschen etwas formulieren. Das ist so mega-unproduktiv als Situation, das mag ich mir gar nicht vorstellen. Da bekomme ich gleich Magen-, Kopf- und alle anderen Schmerzen dazu.

Also hatte ich mir gedacht: In den Osterferien. Du machst das in den Osterferien! Du bist diszipliniert. Jeden Tag zwei, und an den Wochenenden hast Du frei.

Eine leise Stimme meldete sich: Hey, aber...das sind doch meine Ferien, wie will ich denn entspannen, die Schule mal loswerden, wenn ich jeden Tag.. 

Ja, GEHT es denn anders?!! sagt die andere Stimme.

Also fünf Arbeitstage in den Ferien, die sind schon mal weg jetzt. Da ist nichts passiert.

Die Disziplinstimme ist ausgetrickst worden, ich habs einfach vergessen, weil ich die freie Zeit so genossen habe, und wie sehr....................minimalistische Tage...................Nichtstun...........aufmerksam sein  wenig tun.......................sehen......gehen.......leben und leben lassen..............................................  :)))

Vier habe ich noch. Morgen aber fahre ich mit zwei Schülerinnen zu den Schulschafen nach Brandenburg. Das ist auch nicht ganz privat...Die wollten das, sie haben mich gefragt, und...nun machen wir das eben. Ich freu mich drauf. Da können sie nach Lust und Laune die Schafe knuddeln. Und Alma wird sich freuen!!! Freuen wird sie sich! Sie langweilt sich auf der Wiese zu Tode, mit Fressen und Kauen ist sie intellektuell total unterfordert, bore-out sozusagen.


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Vor zwei Tagen hatte ich einen guten Moment.  Ich kramte mein altes Kassettengerät raus. Kannst Du doch auch mit dem iPhone machen, dachte ich, Sprachmemo. Aber irgendwie misstraue ich diesem ganzen Datenkram. Meine Worte auf dem Kassettengerät, die sind wirklich noch ganz bei mir.

Für sechs Schüler habe ich einfach so das Arbeits- und Sozialverhalten mündlich skizziert. Morgens. Ungeplant. Es ging ganz leicht und schnell. Ich wette, das hilft, den ersten Schritt so zu machen. Aber dann ging es komischerweise nicht weiter.

Eine Mathearbeit liegt da noch, zwei Lernkontrollen warten aufs Konzipiertwerden, Unterricht vorbereiten, ja klar, müsste auch sein, und FUCK! - die Projektwoche im April! 

Ich hör jetzt mal auf.  Das zieht jetzt zu sehr runter. Ich hab doch noch Ferien...