Donnerstag, 23. August 2012

Grüße aus dem Maschinenraum

Ich frage mich, ob "Grüße aus dem Maschinenraum" nicht besser ist als "Schulgarten"... Die Schulgarten-Metaphorik passt nicht gerade so gut zu der etwas angestrengten Art, mit der ich hier schreibe. Sie spiegelt die Anstrengung ab, das kleine Klassenschiff auf Kurs zu halten.
Manchmal frage ich mich, wenn ich andere Lehrerblogs so lese, sie sind viel amüsanter, nicht so schwerlastig, aber vielleicht hat jedes Blog auch seine eigene spezifische Funktion. 
Meines ist eher, dass ich mich mit mir selbst unterhalte, also spiegele, was gut lief und wo mich etwas stört und dann versuche, dahinterzukommen, was alles so passiert ist und ob diese Eindrücke berechtigt sind oder nicht.
Ich unterhalte mich aus selbstreflexiven Gründen also mit mir selbst. Sicher wäre es schöner, auch "andere" Gesprächspartner zu haben, aber dies ist schon mal besser als gar nichts. Wenn ich abends meinen Schulgarten-Artikel beendet habe, habe ich das Gefühl, JETZT habe ich die Schule wirklich hinter mir gelassen und kann zu privaten Ufern aufbrechen.
Das Blog ist mir mittlerweile sehr wichtig geworden. Aber die Grabe- und Pflegemetaphorik scheint mir doch die Anstrengung und die vielen Aktionen eines Tages, die mich eher an das Nachziehen und Justieren von Stellschrauben erinnert, nicht gut nachzuvollziehen.
Die Stellschraubenmetaphorik ist mir andererseits zu technisch. Vieles ist auch nicht beherrschbar, denn der Umgang mit Menschen ist technisch auch nicht fassbar. Zum Glück.
(Geschrieben in der 2. Pause in der Schule)

Mittwoch, 22. August 2012

Das Nein des Vaters und das BrreBrre

Ein Vier-Schulstunden-Tag war es heute. Wie ich mir das gewünscht habe. Die ersten beiden Stunden waren frei. Ich war um kurz nach 7 Uhr da, weil ich heute Nacht nicht schlafen konnte, wohl ein innerer Nach-Tumult der gestrigen Dienstbesprechung. 
Ich sprach nur mit einer Kollegin heute, wir trafen uns kurz vor dem Waschbecken der Lehrerinnentoilette, ihr ging's genauso.
Keine gute Startbedingung. Ruhig bleiben, Minna, MantraMantraMantra.
Vor 8 Uhr lüftete ich den Klassenraum, fütterte die Fische, prüfte die Temperatur im Aquarium und wollte die jetzt trockenen Drucke von gestern abhängen, aber sie hängen immer noch. Schrieb den Tagesplan an, dann kamen die Kinder. 
Zu Beginn der Englischstunde ging ich hinunter in mein Wollkabuff, das nun auch mein Arbeitszimmer geworden ist.


 Ich muss noch die Briefkopien von gestern unter die Leute bringen. Das dauert seine Zeit. Erzieherin, Schulleitungskollegin, Jugendamtsbetreuerin, mit der ich guten Kontakt in den letzten Monaten hatte, als wir Alis Integrative Lese-und Rechtschreibtherapie in die Wege leiteten. Sie soll das auch wissen. Und, verdammt, ich hänge es in den Schülerbogen rein. Niemand hindert mich, es, wenn alles besser wird, herauszunehmen, aber wenn es nicht besser wird, erspare ich der neuen Schule Monate des Herumstocherns in unbekanntem Gelände. Verhalten muss auch Folgen haben. Weil dies zu wenig so ist, nehmen uns die Schüler so gerne mal hoch.
Ich würde das gern anders machen. Doch finde ich, das Sprichwort "Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil" hat auch seine Wahrheit. Wenn die Schüler also als grober Klotz in meinen Wald hineinrufen, dann schallt es als grober Keil zu ihnen heraus. Eine schmerzvoll verdrehte Metaphorik, ich weiß, aber es ist DIE schmerzvolle Erkenntnis der letzten 15 Jahre. Ich kann das aber. 



Ich weiß, dass Kollegen verzweifeln, weil sie sich von den mittelschichtorientierten Verhaltensstereotypen nicht gern lösen möchten, aber wenn es denn sein muss, dann gebe ich auch gern mal das harte "Non du Père" gegen das butterweiche Jein der alleinerziehenden Mütter.
Unsere Sekretärin forschte bei der Schule von Alis Bruder nach, ob der Bruder am Montag zur Schule gekommen war. So viel zum Thema Glaubwürdigkeit und Bauchweh. Ein Ergebnis haben wir noch nicht.
In den ersten beiden Stunden schaffte ich die Korrektur der Matheblätter und vermerkte bei meinen Fortschrittslisten positiv, wer selbst kontrolliert hatte. Das Material lässt das ja zu, das ist sehr gut.

Beim Korrigieren kommen mir meist die besten Unterrichts- und Förderideen für die unterschiedlichen Lernstände und je mehr das Bild vollständig wird, desto sicherer fühle ich mich, nicht im Dunklen zu stochern. So ist der Rückkopplungsprozess mit den Schülern auch fundierter. Man will die Kinder  ja aktivieren, zum Selbergehen bringen, was geistige Tätigkeiten angeht. Da müssen sie schon das Gefühl haben, dass etwas von ihnen erkannt wird. Sonst können sie es nicht mit ihren Eindrücken von sich selbst verknüpfen und halten es für pädagogisches Gelaber.
Es ist im Grunde alles dialogisch. Also mache ich mir die Arbeit. Es lohnt sich.
Mario hat als einziger ALLES selbst kontrolliert, und zwar richtig. Als ich das der Klasse vortrage, applaudieren sie aus eigenem Antrieb.
Andere erhalten auch eine Antwort auf ihre Arbeiten und sie sehen, dass ich das akribisch notiere. Es ergibt sich auch, wo verbessert, nachgefasst, gefördert werden muss. Ein gutes Gefühl.


Ich stehe vor der Tafel und blicke zufällig in die Mülleimer und was tut sich da? Im gelben Eimer liegen zwei Papiertüten und eine angebissene Stulle!
Die Klasse bekommt meine Unausgeschlafenheit ab. Zwei Stufen geduldiger und sanfter käme ich zum gleichen Ergebnis und die Stimmung wäre nicht so angekratzt. Mein Fehler. Die Übeltäter sind Mesut und Tobi und sie kriegen ziemlich was zu hören. Als Mesut dann noch sagt, er möchte vor Schulschluss gehen, weil er zum Arzt müsse, reißt der nicht gut gedrehte Geduldsfaden. Ich herrsche ihn an, warum er nicht Termine macht, die außerhalb der Unterrichtszeit liegen....Es stellt sich dann heraus, dass er sich vertan hat, auf dem Zettel steht ganz brav der Wunsch nach Beurlaubung nach der Unterrichtszeit. Wir sind eine Ganztagsschule, es ist Anwesenheitspflicht bis 16 Uhr. Ich will das nicht verteidigen, aber es ist so beschlossen. Ich hatte im übrigen dagegen gestimmt.
Wir bemerken den Fehler und entschuldigen uns wortreich und wechselseitig beieinander, er bei mir, ich bei ihm und sind uns kein bisschen böse, zum Glück. Nun suche ich eine Strafe für die beiden und sage, sie sollten vielleicht mit den Eimern und den Greifern den Hof säubern, damit sie die Wirkungen falsch platzierten Mülls als Wiedergutmachung beseitigen helfen.
Da interveniert lautstark Messi, er WILL das UNBEDINGT machen, das ist soo schön, er macht eine Show, er macht mir meine Strafe kaputt, er macht sich lustig. Da schneide ich ihm das Wort ab und sage, er soll still sein, wenn ich mit den beiden etwas regele. Höre, wie er halblaut zischt:"Deutsche!"
Er steht nicht dazu. Ich habe es aber gehört. Vor seinen Augen reagiert niemand, alle sind gespannt. 

Selena würde niemals etwas gegen Messie sagen, selbst, als er draußen ist, hat sie nichts gehört, obwohl sie ganz nah dabei sitzt. Ich bin mir so sicher. Etwas unsicher bestätigen links und rechts zwei Kinder, dass sie dieses auch gehört haben.
Der Unterricht geht weiter. Messi ist draußen. "Messi, wir müssen reden." "Ich hab das nicht gesagt, ich hab gesagt Ahh!" ----- "Na guuut, dann haaaab ich's gesaaagt." Das klingt jetzt so: Du hast mich gezwungen zu sagen, was Du willst, das ich gesagt haben soll. Noch zehn Minuten, dann gibt er es richtig zu. Angst hat er, riesengroße Angst.
Ich weiß nicht, was ich machen soll. Sage ihm, dass ich verletzt bin, was er denken würde, falls ich sagte: Türke!! Dann würde er sich rassistisch beleidigt fühlen, nicht wahr? Mit Recht. Er hatte vor drei Jahren am ersten Tag ein Kind als "Kartoffel" beschimpft. Ich lass es mal so stehen. Wir gehen beide wieder hinein.
Das war die kleine Pause gewesen. Danach basteln alle ein Bundesländer-Hauptstädte-Memory zum Üben und spielen später damit und miteinander.


Cherii hatte schon ein Memory selbst zu Hause angefertigt, mit bunten Wappen, sie spielt mit Selena damit, beide arbeiten dann an ihrem Seehundereferat weiter.
Wir schauen einen Film über Marathon, die Griechen und die Perser und den armen Läufer, man bekommt eine Menge über das antike Griechenland mit. Wer mit Memory-Basteln noch nicht fertig ist, geht zu Gabriele in den Freizeitraum und beendet die Arbeit, wir anderen schauen uns den Film an. Nach und nach kommen die anderen Kinder dazu, bis alle fertig sind.  Ali hat ganz hingebungsvoll sein Memory gebastelt, sein Verhalten ist aktiv, umsichtig, unterrichtsbezogen und vollkommen störungsfrei und das über vier Stunden und während der 40 Minuten des Films!!! Um ihm zu zeigen, dass es bemerkt worden ist, gebe ich allen Kindern am Ende des Schultages eine kleine Meinung, wie ihre Beteiligung, ihr Arbeiten auf mich gewirkt hat.
Wir spielen noch mit dem Memory, die Kinder schauen dabei oft in den Atlas, wollen sehen, wo die Bundesländer und Hauptstädte auf der Karte liegen. Ich spiele mit Pablo. Es macht Freude. Er gewinnt. Er schenkt mir ein Bonbon und ich nehme es sehr gern an.
Zum Ende des Schultages sprechen wir noch über den Inhalt des Films, die Welt der antiken Griechen, auch über Zeitrechnungen. 500 vor Christus - welches Jahr ist das im islamischen Kalender? Müsste es nicht vor 1900 Jahren sein? Oder bin ich schon zu müde, um richtig rechnen zu können? Wie auch immer, die geisteswissenschaftlich wichtige Erkenntnis ist, dass Zeitrechnungen "gemacht" sind, indem sie sich an einen kulturell/religiös bedeutsamen Ankerpunkt anketten. Der ist in jeder Kultur natürlich anders. Was an diesen Erwägungen wichtig ist? Gesellschaftliche Verhältnisse sind nicht vom Himmel gefallen, sie sind historisch bedeutsam von Menschen "gemacht", (und deshalb können Menschen sie auch ändern.)

Im übrigen spielten sich griechische Eroberungen und Kolonisierung weitgehend im Raum der heutigen Türkei ab. (Milet, Bergama, Troja) Dazu werden wir noch viel sehen, zum Beispiel beim Besuch des Pergamon-Altars. 

Die Bewohner Kleinasiens, deren Sprachen die Griechen abwertend mit Brr-Brr bezeichneten, wurden hierdurch zu "den BrreBrre, den Barbaren". Was heißt also "barbarisch"? Unzivilisiert, mit minderem Kulturstatus. Gewalttätig. Das ist immer eine Sichtweise, wo sich der Sprecher weiter oben ansiedelt. Dieses Herrenmenschendenken nach außen - nach innen war es die Sklavenhalter-Gesellschaft und die Abwertung des Weiblichen - muss doch auf die türkischen und arabischen Schüler Wirkungen haben. 

So wie ich als weibliches Wesen Abwertungen und Nichtanerkennung in unserer Männergesellschaft sofort erspüre, wird es ihnen auch so gehen, dass für sie die hoch geschätzten Errungenschaften, die ihnen so nolensvolens dargestellt werden, etwas Vergiftetes haben, weil es ihre Perspektive nicht widerspiegelt. 

So spiegelt sich eines am anderen und das ist unser Bildungskaleidoskop.-- Oder: Was heißt "spartanisch"? (Athen, Sparta, Mykene). 

Solche Puzzlestückchen setzen sich dann eins zum anderen immer differenzierter zusammen, so dass bei jedem der Kinder ein eigener Bildungsteppich mit besonderem Muster und besonderer Färbung entsteht. Wie spannend dieser Prozess des Sich-Bildens doch ist...!!!!

Ich hab auch noch einen Film über Nofretete. 

Dank der Amerika-Gedenkbibliothek, zu der wir am Freitag alle hingehen. Alle, außer Ali. Der muss in eine andere Klasse. Einige Anmeldezettel für Bibliotheksausweise bekam ich heute unterschrieben zurück, morgen bringe ich sie hin, am Freitag sind dann die Bibliotheksausweise fertiggestellt zum ersten Ausleihen.

Ali weiß das nicht zu schätzen. Daher geht er in dieser Zeit in die Parallelklasse. Le Non (Nom) du Père (Lacan). Vaternein ist anders als Mutternein.



Dienstag, 21. August 2012

Yesterday...all mytroubles seemed so far away..

Was war denn heut mit der Klasse? Es war sehr lebendig und wir hatten wieder Besuch! Zuerst kam Matti. Er ging mit einigen Mädchen in die Bücherei lesen, später mit einer Jungengruppe. 

Ich hatte aber nicht im Kopf gehabt, dass zwei der Mädchen mit Kerstin drucken wollten, Selena und Cherrii, sie waren jetzt mit Matti unten, aber Lucy sprang mit Marie dann ein. Sie druckten Selenas Text und Bild zu Ende.

Amors Pfeil
Lucy und Marie drucken mit Kerstin.
 
Später kommen noch Cherrii und Selena dazu...


Marie stellt die Linoldrucke her. Es gibt von jedem Kind ein kleines Gedicht oder Akrostichon und wenigstens einen Linoldruck. Wie sagte Kerstin heute: Es ist ein Laaaaaaaaaangzeitprojekt.

Selena hat zu "Amors Pfeil" ein Akrostichon geschrieben, das man, so glaube ich, in einem Blogeintrag der letzten Woche (Dienstag) lesen kann.



Internetrechercheergebnis zum Bernstein (Referat), von mir schnell eben notiert.

Das war gestern gewesen, alle hatten an ihren Referaten gearbeitet, die wir als Nachbereitung der Klassenfahrt ansehen. Es gibt noch diese Themen: Robben, der Einsiedlerkrebs, die Strandkrabbe, die Jugendherberge (nicht leicht!) und andere.

Gestern, am Montag,  sahen wir den Vorzeitfilm zu Ende. Ganz ruhig und aufmerksam waren alle beim Angucken gewesen. Ich weiß ja, dass man zum gelungenen und effektiven Museumsbesuch auch ein wenig Training haben muss und dass das beim fünften Mal schon viel mehr Konzentration und Lerneffekt hat als beim ersten Mal, aber dass das auch fürs Filmegucken gilt..., war mir noch nicht so klar gewesen. Es ist ja immerhin ein Lehrfilm. Er stellt andereAnforderungen, als wenn wir es uns zu "Ice Age 4" auf der Couch gemütlich machen.

Über weite Strecken ging es um Ausgrabungen vor 7000 und 9000 Jahren aus der Mitteltürkei. Richtig interessant war das. Ich musste keinmal ermahnen.

Oder war das so extrem harmonisch den ganzen Tag lang, weil drei Krawallmacher fehlten, die gegebenfalls noch einen zeitlichen Nachschlag zum Zuckerfest (Ende des Ramadan) "genommen" hatten? Ich konnte mir die Entschuldigungen schon vorstellen, die heute kommen würden....Bauchweh? Zahnweh? Natürlich kamen keine Arztatteste. Es war zweimal Bauchweh. Einer fehlte noch heute.
Klar, Bauchweh. Es war ja auch Zuckerfest gewesen.

Heute war der erste Termin des neuen Kurses in der Wollwerkstatt. Vier Damen und vier Herren. Wir mussten uns erst ein wenig aneinander gewöhnen und stellten Jonglierbällchen her.

In den Mathestunden wurde sehr intensiv gearbeitet. Einige waren mit Matti weg, einige druckten später mit Kerstin - was bin ich dankbar für die Menschen, die Interesse an uns zeigen.....! Es macht diese Tage so lebendig. Einige, die Geburtstagskinder, waren mit Gabriele im Buchladen, um sich ein Geburtstagsbuch auszusuchen.

Die Verbliebenen arbeiteten an ihren anschaulichen Bruchrechnungsaufgaben, sie gaben sich gegenseitig Ratschläge, da alle unterschiedlich weit sind, ich wurde nur selten gebraucht und korrigierte Schülerarbeiten. Eine selige Arbeitsruhe über weite Zeitstrecken, paradiesisch! Es war schön!

Doch das sogenannte Leben schlug wieder hart zu in Form von Ali und Pablo, die den Buchladen zu einer Nullbockkulisse gemacht hatten. Gabriele war mit den Nerven völlig fertig und fühlte sich voll blamiert.
Die Buchhändlerin hatte gesagt, so schwierig sei es noch nie gewesen. 
Ali hatte sich in den dort vorhandenen Sessel geschmissen und laut krakeelt, wie uncool diese Bücher wären und der ganze Laden und dass er Bücher hassen würde und Pablo war ihm akustisch beigesprungen. So wurde die Angelegenheit zur Tortur für die Erzieherin und die Buchhändlerin und weniger schön als erwartet für die anderen drei Geburtstagskinder.
Auf dem Rückweg quengelte Ali die ganze Zeit, dass er noch Chinanudeln kaufen wolle.
Ich fass es nicht. Er kriegt etwas geschenkt und macht alles schlecht. Dass sie ihm überhaupt ein Buch gekauft haben!

Zweite Pause: Zwei Erwachsene, zwei Kinder am Tisch und kauen den Buchladenbesuch nach.
Aber es ging noch weiter.Yesterday...is far away.
Wir übten heute Satzreihen mit Bindewort "und" und "aber". Dann lasen wir die Ergebnisse vor. Ali liest: "Wir waren heute im Buchladen, aber es hat mir, MIR, keinen Spaß gemacht." Crasht der die ganze Veranstaltung und hat nicht einen Anflug von Scham. Traut sich auch noch, uns zu verhöhnen, wo er allen den Spaß verdorben hatte. Ich zeigte ihm die Tür.

Vorher ging es noch darum, ob in der 6. Stunde Sport sei oder nicht.  Wieso nicht? Im Vertretungsplan war kein Hinweis hierauf gewesen.

Hans sagt, Frau Schulz, die neue Sportlehrerin, habe ihm gestern gesagt, dass nicht. Ali sagt, ja, Gabriele habe ihm vorhin gesagt, es gäbe keinen Sportunterricht. Na gut, sag ich, dann geht rüber in den Freizeitraum.
Ich will schnell weg, weil, es ist jetzt 1/4 vor 1 und um 2 beginnt die Lehrerversammlung zu dem Schulkonflikt, der in allen Zeitungen steht. Ich räum zusammen. Komisch, wo ist denn Gabriele? Wenn sie gesagt hat, es sei kein Sport, dann müsste sie doch da sein, um die Kinder zu betreuen...Das ist komisch.

Ich wollte eigentlich in der Zwischenzeit essen gehen. Aber das kann ich knicken. Zuviel Zeit ist vergangen. Ich schicke die Kinder dann doch zur Turnhalle, gehe mit runter und treffe die Sportlehrerin. Gestern, ja vielleicht kein Sport, sie habe gedacht, die Sitzung sei um 13 Uhr. Mmh. Das hat mich jetzt 15 Minuten gekostet. Ich kann doch nicht einfach weglaufen und die Kinder sind ohne Betreuung. Sie nimmt die Kinder, die jetzt nur noch eine halbe Stunde Sport haben. Ich hoch.
Gabriele. Steht da. Hat nie was von Sport-Ausfallen gesagt. Ist der Kerl jeck? Warum lügt er mir das voll ins Gesicht?

Ich hab's satt. Den Rest der Zeit bis zur Dienstbesprechung verbringe ich mit einem Brief an die Mutter, in dem ich die ganzen Übeltaten aufliste und sie für übermorgen zum Gespräch bitte.

Und da ich die Faxen richtig dicke habe, gehe ich nach der Dienstbesprechung damit zur Post und gebe es als Einschreiben mit Rückantwort auf. Schluss mit dem Leute verarschen und Sich-Herausreden, die Post habe den Brief nicht gebracht etc. etc. Man habe es deshalb nicht gewusst etc. etc. Nicht mit mir!
In der Post stehe ich auch wieder eine halbe Stunde an.
Aber bitte - mein neues Arbeitszeitsystem ist ja flexibel. Ich DARF in der Woche nur 35 Stunden arbeiten. Wenn ich mich mit so einem Schrott herumschlagen muss, kann ich leider andere Sachen nicht machen.
Nicht wahr, liebe Dienstbehörde? Weggucken ist keine Lösung. Kann ich nicht mit meiner Arbeitseinstellung vereinbaren. Privat die ganze Welt retten will ich auch nicht. Das könnte Euch so passen. Ihr schafft miserable Rahmenbedingungen. Inklusion mit fast null Förderstunden, sehr schick. 

Ich will meine Rente noch erleben. Bis 65 arbeiten bis zum Umfallen und es dann tatsächlich tun. Das könnte Euch so passen. Das läuft nicht. Nein, das mach ich in der Dienstzeit. Fallen halt andere Sachen flach. Schade drum.

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Lang geschwiegen

Der letzte Eintrag war am Donnerstag voriger Woche. Da hatte ich noch mit einem kleinen Jungen gesprochen, dessen Mutter mir erzählt hatte, er habe an diesem Tag nicht zur Schule kommen wollen, weil sich am Vortag große, heftig streitende Elterngruppen mit der Schulleitung vor dem Haus befunden hätten - Fotografen seien auch da gewesen und er dachte, da sei eine Vergewaltigung geschehen.
Mit ihm hatte ich gesprochen und erfuhr auch so langsam, worum es da ging.
Es gibt dazu ein paar Zeitungsartikel und einen RBB-Bericht, das kann man hier abrufen.




Ja, damit ist wohl so eine Art Überblick gegeben. Es ist klar, dass es da einen Konflikt gibt. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass es hinter diesem Konflikt den eigentlichen Konflikt gibt.
Man muss das mal in Ruhe analysieren. Was mich irritiert: Die Dame, die in dem RBB-Bericht spricht und klare Vorstellungen artikuliert, dass die deutschen Eltern nach Marzahn gehen sollten, die ist gar nicht Mutter unserer Schule, sie erhebt ihr Wort ohne Berechtigung, sprach wohl auch gestern in der Elternversammlung der betroffenen Eltern, hat dort aber eigentlich kein Rederecht.
Eine Versammlung von Eltern ist keine öffentliche Veranstaltung. Sie ist eine Veranstaltung der Sorgeberechtigten. Man kann nun jemand zu seiner Unterstützung mitnehmen, dann muss eigentlich die Versammlung gefragt werden und ich kenne keine Situation, wo nicht alle Ja gesagt hätten. Aber man darf da nicht reden, das sollen die Beteiligten selbst tun.
Diese Frau geriert sich als Wortführerin und spitzt die ganze Situation zu, und niemand tritt ihr in den Weg? Können die Betroffenen nicht ihre Werte selbst vertreten?
Das finde ich schon seltsam.
Jedenfalls hat uns das in den letzten Tagen sehr beschäftigt.  Es scheint mir bei den migrantischen Eltern um ein Problem der Anerkennung zu gehen. Man will nicht als eine Art genereller "Bildungsschädling" für andere gesehen oder so behandelt werden. 

Und bitte, wo verlaufen denn die Grenzen? In meiner Klasse haben von 19 Kindern 16 den deutschen Pass. Sie sind Deutsche. Sehr viele haben einen Elternteil deutscher Abkunft. Was sind sie? Keine Deutschen?
Und die Bildungsscheide? Bildungsfern, bildungsnah?
Sind diese Wörter diskriminierend? Zitat einer Mutter: "Ich habe auch einige Bücher zu Hause stehen." Das deutete für mich auf einen Anerkennungskonflikt hin.
Vielleicht ist ein nicht so vordergründig aufscheinender Subtext die berühmte Gentrifizierung Kreuzbergs. In meiner Klasse sind schon Eltern, die nach Neukölln umziehen mussten, weil sie die Wohnungspreise in Kreuzberg nicht mehr bezahlen konnten.
Die Rede dieser NichtLenaumutter drückte aus: WIR gehören hier hin. Wenn IHR uns nicht wollt, dann geht nach Lichtenberg oder Marzahn, da habt Ihr gar keine Ausländer. Es ist vielleicht unausgesprochen eine Angst vor dem Vertriebenwerden dahinter.
Über das alles muss noch viel nachgedacht werden.

Arme Kinder! Eine Woche nach ihrer Einschulung müssen sie die Klasse wechseln? Nicht schön. Wer denkt an sie? Der Senat? Die Bildungsverwaltung?

Die haben sich noch nicht einmal mit der Schulleitung in Gespräch gesetzt. Der Tagesspiegel wusste eher, dass die Kinder neu aufgeteilt werden würden als die Schulleitung! Na toll! Und dafür bekommt Ihr A16 und mehr??? 
Jedenfalls muss unsere Schule seit jahren diese Münchhausennummer machen, weil die Politik komplett versagt. Ich fahre täglich an der Nachbarschule vorbei. Dort gibt es keine rein deutschen Klassen? Weit gefehlt! Nur - dort stört es keinen.
Ich staune immer, wo all die blonden Kinder herkommen, die in diese Schule hineingehen. Und dann fahr ich zu meinen Kindern und freu mich, dass ich sie sehe.

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Donnerstag, 16. August 2012

Die Höhle der vergessenenTräume

Wie kamen wir bloß wieder da drauf? Im Nachhinein weiß man das gar nicht mehr. Wie, bitteschön, auf den letztendlich doch erschossenen Rudi Dutschke, auf die BILD-Zeitung, auf die Rudi-Dutschke-Straße nah beim Springer-Verlag, auf das Wort "Charisma" und somit auch auf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, auf ermordete Führungspersonen, auf die Studentenrevolte, den Kommunismus...Mein Gott, sie sollen doch etwas WISSEN, zum Beispiel, dass man sich hier in Berlin auf geschichtlichem stark getränktem Boden bewegt, der erzählt, wo auch immer man sich aufhält und natürlich Straßennamen auch!

Ah ja, die Kinder hatten sich gewundert über eine etwas hektische Situation gestern vor der Schule mit BZ-Reportern und ich hatte ein wenig wenig Wertschätzung gegenüber diesem speziellen Pressemedium gezeigt, weshalb sie fragten, warum.
So kamen wir auf Rudi Dutschke und die BILD-Zeitung.

Hintergrundwissen, heute vielleicht nicht mehr selbstverständlich voraussetzbar: Z.B.:

http://www.detlev-mahnert.de/dutschke-bsz.html 

Drei Kugeln auf Rudi Dutschke, ein blutiges Attentat, wir haben genau gesehen, WER da geschossen hat..(Wolf Biermann)

 (Hallo, ich hab nicht indoktriniert, ja?)

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Dann begannen wir mit der Mathematik, machten uns mit ein paar Tafelübungen für die Bruchrechnung flüssig und vertieften uns in dieses wunderbare Rechenmaterial:
                                  
Als ich merkte, dass viele versuchten, die Aufgabenlösungen eher zu erraten als die wunderbare Möglichkeit zu nutzen, durch Legen mit den ausgeschnittenen Teilen die Bruchgrößen und -verhältnisse stärker zu verinnerlichen, hielt ich ihnen einen kleinen Vortrag über den doppelten Sinn von "begreifen". Das half etwas, mehr mit den Händen zu tun gemäß diesem genialen Tweet, dessen Bedeutung für Lernen überhaupt man nicht groß genug einschätzen kann:

Dieses Lernmaterial bietet so viele unterschiedliche Situationen und Anleitung zum "Handeln" beim Lösen der Aufgaben, dass es die reine Freude ist.
Man bemerkt, wie gern die Kinder damit arbeiten. Genial ist auch die durchgehende Selbstkontrolle beim Arbeiten, also sehr empfehlenswert als Eigenarbeit und Selbsttätigkeit auf vielen Ebenen fördernd.
Nach der Pause, die eine Pause war, d.h. es war keine Aufsicht zu führen, hatte ich eine Förderstunde, und --F***---, ausgerechnet in der Kunststunde soll ich Kinder zum Schreiben oder Rechnen entführen???
So blieb ich noch zu Beginn der Stunde und konnte der Einführung des Kollegen Lars folgen, der mit sehr anschaulichem und gut vorbereitetem Material Tiere, in Höhlenmalereien und die Höhlenmalereien selbst präsentierte, was dann auch ein sehr informatives und lernintensives Gespräch über steinzeitliche Tiere ergab.

Danach begann die praktische Arbeit des plastischen Herstellens eines Tieres so wie es auf einer Felswand auch auf unebenem Grund abgebildet wäre.
Lars hatte eine tolle Idee gehabt: Anfang November, zu unserem Lesefest, werden wir eine Höhle mit urzeitlichen Malereien herstellen, unten in unserem langen Kellergang,  die Kinder werden Führungen anbieten, unsere Gäste durch die steinzeitliche Höhle führen (mit der Taschenlampe) und Erläuterungen geben.
Die Idee war so mitreißend, dass ich mich gleich bereit erklärte, mitzuarbeiten. Lars entwickelt mit den Kindern die Höhle, ich sollte dann mal Ideen für die "Führungen" entwickeln....
Er erzählte mir von einem Film des Werner Herzog über die Höhle von Chavaux in Südfrankreich.

Als die Kinder zu arbeiten begannen, ging ich mit Fereba in den Nebenraum rechnen. Fereba ist eine ganz ruhige Schülerin, sehr fleißig, aber mit großen Schwächen in Mathe. Da ich die Klasse in Mathematik ja jetzt erst kennenlerne, muss ich mich da auch langsam herantasten. Wir rechnen also ein paar Aufgaben - wieder die Scheu vor der grafischen Lösung, auch, glaube ich zu bemerken, die negative Rückkopplung, die aus erlittenen Misserfolgen resultiert und die einem ein Brett vor den Kopf stellt oder alles in eine Nebelwand hüllt. Ich kenne das von mir selbst, allerdings noch nicht bei einfachen Bruchrechenübungen. ; )
Als ich es bemerke, spreche ich es an: Ja, da ist schon ein negatives Verwirrsystem in Gang gekommen, so dass Fereba nicht über die Fähigkeiten aktuell verfügt, die sie unter günstigen lernbiographischen Voraussetzungen aber doch mobilisieren könnte.
Das ist ein sehr typisches Mädchenproblem. Unsere Rechnungen bekommen einen schönen Fluss, eine Art "Drive", sie traut sich mehr zu und hat schöne Resultate.
Damit wird sie in den Kunstunterricht entlassen und ich schlüpfe schnell in den Computerraum hinein, um nach dem Herzog-Film zu forschen.
Hier ist er, sogar mit Trailer. Konnte nicht widerstehen, habe ihn sofort bestellt.
Ich hatte heute nämlich keine Vetretungsstunde.
Nochmal in die Klasse zurück, wo sich Schönes tut:



Danach Pause, mal was essen und trinken und in der 5. Stunde ist Teamgespräch.
Am Morgen hatte mich eine Mutter angesprochen, Mutter eines Schülers, den ich von der Wollwerkstatt her kenne. Sie macht sich Sorgen, ihr Sohn wollte heute nicht zur Schule gehen, er hatte etwas mitbekommen, das ihn geängstigt hatte. Der Mutter hatte ich versprochen, herauszufinden, was es gewesen sein könnte und mit ihrem Sohn zu sprechen. Das musste jetzt noch geleistet werden. Das Gespräch mit Mesut war sehr aufschlussreich.
Erwachsene hatten sich vor der Schule stehend laut aufgeregt. Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind auch die Dinge 1:1 genommen habe. Wenn sich jemand erregt, dann dachte ich, muss es doch so sein, denn sonst würde er sich doch nicht so aufregen.. Die Stimmung war Mesut unter die Haut gegangen, wie man so sagt, ohne, dass er verstanden hatte, worum es ging. Es musste aber etwas sehr Schlimmes sein, er meinte, eine Vergewaltigung oder so, und bekam Angst.
So sprachen wir eine Weile zusammen und trennten uns dann. Die Kollegin erlaubte auch gleich, dass er mit hinausdurfte. Er fühlt sich wohl in seiner Klasse und in der Schule, aber der Vorfall gestern hatte ihn sehr erschreckt.

Danach machte ich mich nach Hause, denn die Schilderung des Vorfalls durch die Erwachsenen an der Schule hatte mich auch erschreckt und auch, wie wenig Mancher angemessene Formen zu finden weiß, mit unterschiedlichen Standpunkten umzugehen. Das ist sehr belastend.
Eigentlich bin ich ja jetzt privat - aber war das eben hier privat? Doch eher nicht. ABER JETZT!
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Mittwoch, 15. August 2012

Manchmal läuft es anders.


Der Tag lief heute teilweise anders als vorgesehen. Ich hatte heute die beiden ersten Stunden frei. Die Kinder hatten Englisch. Während der freien Zeit organisierte ich mir zuerst einen DVD-Player und schaute mir einen Film über die Frühgeschichte der Menschheit an, den ich mir am  Montag aus der Amerika-Gedenkbibliothek ausgeliehen hatte. Er hatte keine Altersbeschränkung, das hatte mir Mut gemacht. Sachfilme haben oft eine unerträgliche Erwachsenensprache, gänzlich ungeeignet für Kinder - schade!


Dieser Film war am oberen Level dessen angesiedelt, was für unsere Kinder verstehbar ist - immerhin. Ich sah mir die ersten vierzig Minuten an, ob sie für den Unterricht geeignet waren. Sie waren es.

Der Film will zeigen, dass die so genannten primitiven neolithischen Urmenschen sehr wohl eine beachtliche Archtiketur und eine beeindruckende Medizin, also grundlegende zivilisatorische Errungenschaften, vorweisen können und dass alle anderen, mehr gefeierten Zivilisationen und auch wir auf deren Kenntnissen aufbauen. Zum Beispiel soll Gletschermumie Ötzis Kultur vor 5000 Jahren Akupunkturkenntnisse gehabt haben....Manches aber ging auch verloren...

Es war sehr interessant. Im Gespräch im Nachhinein sprachen wir über Muttergöttinnen und Vatergötter und blieben bei Haggar, einer wichtigen Person im Islam "hängen" , Ismaels Mutter, die in der Bibel eine Randfigur ist und im Koran recht bedeutsam. Meine Bildungslücken füllte ich in der Pause mit Hilfe meiner islamischen Religionskollegin auf.

Der Hagar war ich in der Gemäldegalerie im Sommer begegnet, hatte sie zum ersten Mal kennen gelernt und mich über sie informiert.
Es ist interessant, wie viele Geschichten in den drei monotheistischen Religionen
Übereinstimmungen aufweisen, aber aus je einer anderen Perspektive erzählt werden.


Hier sehen wir Abraham, alt und ohne Nachkommen, dem von seiner unfruchtbar gebliebenen Frau Sarah Hagar, "die Fremde", eine Magd aus Ägypten zugeführt wird, um einen Sohn zu zeugen.
Interessant in dem Bild ist das Gesicht der Hagar, sie hat einen gemischten Ausdruck aus Ungläubigkeit und vielleicht Abscheu im Gesicht vor diesem alten Mann, mit dem sie nun das Bett teilen soll..



Sie wird sehr schlecht behandelt, besonders von Sarah, Abrahams Ehefrau und will fliehen, doch sie bleibt, bis die alte Sarah den Isaak gebiert, vierzehn Jahre später, da ist sie 113!! Da schickt Abraham Hagar und Ismael in die Wüste.




Ismael weint, Hagar will es nicht glauben, hat sich in die unmögliche Situation eingelebt und wird nun verstoßen, weil das gewünschte Kind nun doch gekommen ist. Jetzt ist kein Platz mehr für sie und Ismael. Im Koran soll Ibrahim Ismael schlachten, in der Bibel ist es Isaak, der das Opfer sein soll. Hadschar/Haggar ist dem Koran nach an einer Wand der Kaaba in Mekka beigesetzt und wird im Islam sehr verehrt.

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Ich musste auch noch erklären, warum ich im Moment so "notengeil" bin und andauernd Noten gebe. Ich will, dass die Kinder später die richtige Oberschulempfehlung bekommen und dass diese auf ganz vielen Informationen fußt. Ich will, dass wir zu einer übereinstimmenden Oberschulwahlentscheidung mit den Eltern gelangen. Hier müssen viele grundlegende Informationen die überschießenden Projektionen und Wünsche begrenzen und ein realistisches Bild ergeben, damit die richtige Entscheidung getroffen wird. Richtig ist die Entscheidung, die auf den Fähigkeiten des Kindes aufbaut und ihm ermöglicht, die Schullaufbahn mit möglichst hohem Abschluss ohne Abbrüche und ohne Versagenssituationen zu absolvieren.

Die Schüler möchten nach Film und langem Gespräch über Gott und die Welt an ihren Referaten über Themen unserer Klassenfahrt weiter arbeiten und es war sinnvoll, es zu tun. Ein Schüler möchte über "Jugendherbergen" schreiben, kein ganz leichtes Thema.


Danach lasen wir noch im 2. Kapitel des Buches "Die Sonne bleibt nicht stehen" von Gabriele Beyerlein. Über ein paar Tausend Jahre gab es die altsteinzeitliche und die jungsteinzeitliche Lebensweise nebeneinander. Das Buch handelt davon, wie ein Junge mit altsteinzeitlicher Lebensweise  und ein Mädchen aus der Jungsteinzeit sich treffen und Freunde werden, dies aber vor ihren Familien mit ihren Vorbehalten gegen die jeweils andere Gruppe verheimlichen müssen. Sie selbst haben auch Verständnisschwierigkeiten miteinander. Das Verhältnis zur Natur unterscheidet sich grundlegend wie auch ganz viele scheinbare Kleinigkeiten.
Das Buch gibt nach meiner Ansicht ein wundervolles Bild der paradoxen Momente von Fortschritt: Man gewinnt durch das Voranschreiten und man verliert auch etwas. Es ist gut, das zu wissen.

Dann waren vier Stunden Unterricht zu Ende, ich fühlte mich sehr ausgehöhlt. Die Gespräche waren sehr intensiv und spannend und die einzige lange Pause war eine Aufsicht gewesen. 

Nach solchen packenden Gesprächen, in die ich mein ganzes kulturhistorisches Wissen packe, z.B. so spannende Fragen, wie es dann kam, dass die Männer in grauer Vorzeit zur Zeit der Verehrung der Fruchtbarkeit bringenden Muttergottheiten irgendwann merkten, dass sie ja irgendwie an dem ganzen Fortpflanzungsgeschehen ja auch beteiligt waren - das heißt, sie wussten es vorher NICHT! - und dann den Spieß umdrehten, auch, weil, wie ein jüdisches Sprichwort sagt: "Du weißt immer, wer die Mutter ist, aber Du weißt nicht, wer der Vater ist..." und es schon Eigentum zu vererben gab - Stichwort Kuckuckskinder (dazu muss man wissen, wie die Kuckucke das machen) - und es dann zum Patriarchat kam.

Das ist sehr gut bei Erich Neumann dargestellt. Wirklich spannend. Ein menschheitsgeschichtlicher Krimi über die Identitätsfindung des Mannes.


Wir sprachen dann noch darüber, wie jung eigentlich die Emanzipationsgeschichte der Frau in der westlichen Welt ist und dass bis vor 200 Jahren auch in Europa noch zwei Äcker heirateten und keineswegs  romantische Liebe die Ursache des Heiratens war. Selbst bei "uns" ist das noch sehr, sehr jung, geschichtlich betrachtet. Dies steht zum Beispiel bei Niklas Luhmann: "Liebe als Passion" sehr spannend beschrieben.



Solche rasanten Gespräche lassen mich erschöpft zurück. Ich bin dann eine Stunde früher gegangen, habe doch in den Ferien soo viele Stunden gearbeitet....Wird aber alles ordentlich verrechnet. : )
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Dienstag, 14. August 2012

Nun hängen wir da wieder voll drin.


 Wir befinden uns schon wieder in der zweiten Schulwoche, siebter Arbeitstag. Noch nichts im Blog geschrieben. Aber viel nachgedacht. Ich lege es ein wenig impressionistisch und wenig systematisch an, denn eigentlich befinde ich mich schon im Freizeitmodus. Es ist 16 Uhr.


Der Schultag war so in Ordnung. Es waren viele Leute noch in der Klasse und heute morgen fragte ich mich, ob ich das alles unter einen Hut bekomme, ohne mich zu blamieren und ohne, dass die Betreffenden etwa enttäuscht wären, weil sie nicht sachgerecht oder hilfreich sich betätigen konnten....Wenn man Lesepaten und Helfer hat, muss man diesen Aspekt auch beachten. Wer kommt schon freiwillig in ein Schulhaus, wenn es ihm dann nicht gefällt?


Thekla sagte einmal: "Ich möchte jemandem dienlich sein..." Ja, mit diesem Gefühl möchten die betreffenden Menschen das Haus verlassen.
Da kommt für die Lehrerin noch eine Ebene dazu, die sie beachten muss. Aber das macht sie doch gern. : ) Dafür trifft man in der Schule auch auf nette Menschen - außer den Kollegen natürlich! 



Ich habe mir eine neue Struktur gegeben. Das heißt, ich habe mir überhaupt eine Struktur gegeben. Das heißt nicht, dass vorher alles chaotisch gewesen wäre. Das heißt es überhaupt nicht. Aber.



Der Grund für meine neue Arbeitszeitstruktur ist, dass ich einen Rahmen suchte, der mir dienlich ist. Einen Rahmen, der mich den Überblick behalten lässt, der mich nicht ins Hintertreffen kommen lässt, der mir spiegelt, was ich schon geleistet habe und der einen Riegel vorschiebt, wenn sich im Hinterstübchen diese Gedanken melden:"...Du kannst jetzt nicht lesen, spazierengehen, Musik hören....... Du müsstest noch dasunddastun!" Es gibt immer ein Dasunddas, das man noch tun sollte. Schule ist nie vorbei und die schriftlichen Nachbereitungen, die Planungsarbeiten und die konflikthaften Dinge verfolgen einen regelrecht.


Dagegen habe ich einen Deich gebaut. Ich mag schon gerne meinen Teil des Vertrags erfüllen. Aber ich möchte auch feststellen, dass ich es getan habe, wenn ich es getan habe und dann möchte ich mich anderen Dingen zuwenden dürfen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Deiche bauen gegen die Flut der Ansprüche, der eigenen und der fremden. Und das ging so:



Zu Beginn meiner Lehrertätigkeit, Ende der Siebziger Jahre,  hatten wir an der damaligen Schule eine recht aktive gewerkschaftliche Gruppe. Wir hatten immer das Gefühl, viel zu arbeiten, aber niemals, genug getan zu haben. Wir konnten das auch nicht nach außen vermitteln.


Wenn ich mich recht erinnere, habe ich mit einer Wochenstundenzahl von 23 angefangen und nun sind wir bei 28 Wochenstunden. Einfach peu à peu vom Senat heraufgesetzt. Obwohl die Anforderungen sich min-de-stens verdreifacht haben... (Ich trenne privat übrigens nie st, denn es tut ihm wirklich weh und mir auch...)

Jedenfalls damals hatten wir noch mehr Power. Wir machten vier Wochen "Gläserne Schule" und dokumentierten das.
Wir rechneten unsere Arbeitnehmerochenstunden von damals 40 Stunden/Woche mal 46, das ist die normale Arbeitswochenzahl im Jahr, wenn man sechs Wochen  Urlaub hat. Es ergibt sich eine Jahresarbeitsstundenzahl, die, durch 40 geteilt, weil Lehrer zwölf Wochen im Jahr Ferien haben, den Zeitwert ergibt, der in einer Woche mit Ferienausgleich zu arbeiten ist.

Wir blieben diese Zeit in der Schule, hatten Zeit für Eltern- und Schülergespräche, für Planungsgespräche, für Materialvorbereitung, und --es blieben unglaublich viele bürokratische Arbeiten und Korrekturen liegen.

Dieses dokumentierten wir.

Wir hatten uns niemals vorher so zufrieden gefühlt. Wir schafften es, die Dinge, die liegen blieben, liegen zu lassen. Später zu bearbeiten.
Daran erinnerte ich mich. Schon lange schreibe ich meine Arbeitsstunden auf. 

Aber jetzt wollte ich Nägel mit Köpfen machen:
Ich arbeite auf Teilzeit, in diesem Schuljahr sind es 21 Unterrichtsstunden von 28, das ist eine 3/4-Lehrerstelle. Das reicht mir völlig aus. Mehr brauche ich nicht. Ich könnte einen freien Tag haben. Dann aber sammeln sich die Unterrichsstunden an den anderen vier Wochentagen.
Ich mag es so lieber: Vier Unterrichtsstunden am Tag kann ich körperlich und seelisch gut "wuppen", danach bin ich erschöpft und verausgabt. Diese vier Stunden kann ich auch vor- und nachbereiten in einer Weise, die für mich in Ordnung ist.

Ich rechne so: Ein Beamter arbeitet in Berlin in der Woche 42,5 Stunden (oder nur 40??) Ich ging jetzt mal von 42,5 Stunden aus.

Meine Jahresarbeitsstunden:  42,5 x 46 = 1.955

Ferienausgleich: Teilen durch die tatsächlichen Arbeitswochen:

1.955: 40 = 48,9  Jetzt die Dreiviertelstelle:

48,9 x 3 = 146,7       146,7 : 4 = 36,7    Das ist die Wochenarbeitsszeit.

Pro Tag ergeben sich:   36,7  : 5 = 7,3

Ich muss also pro Tag 7 Stunden und 20 Minuten arbeiten.

DANACH HABE ICH FREI!!!!

AM WOCHENENDE HABE ICH FREI!!!

Das habe ich jetzt eine Woche lang ausprobiert und es ist mir wunderbar bekommen. Ich war schon lange nicht mehr so privat und ausgeruht. Immer wieder kamen die Gedanken, ich sagte mir: Hallo, Du HAST Deinen Teil des Vertrages erfüllt.
DU GEHÖRST DIR JETZT SELBST! Also, was willst Du jetzt tun oder nicht tun?
Mit Schule darf es nichts zu tun haben - VERBOTEN! ........WAR DAS SCHÖN!!!

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