Donnerstag, 16. August 2012

Die Höhle der vergessenenTräume

Wie kamen wir bloß wieder da drauf? Im Nachhinein weiß man das gar nicht mehr. Wie, bitteschön, auf den letztendlich doch erschossenen Rudi Dutschke, auf die BILD-Zeitung, auf die Rudi-Dutschke-Straße nah beim Springer-Verlag, auf das Wort "Charisma" und somit auch auf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, auf ermordete Führungspersonen, auf die Studentenrevolte, den Kommunismus...Mein Gott, sie sollen doch etwas WISSEN, zum Beispiel, dass man sich hier in Berlin auf geschichtlichem stark getränktem Boden bewegt, der erzählt, wo auch immer man sich aufhält und natürlich Straßennamen auch!

Ah ja, die Kinder hatten sich gewundert über eine etwas hektische Situation gestern vor der Schule mit BZ-Reportern und ich hatte ein wenig wenig Wertschätzung gegenüber diesem speziellen Pressemedium gezeigt, weshalb sie fragten, warum.
So kamen wir auf Rudi Dutschke und die BILD-Zeitung.

Hintergrundwissen, heute vielleicht nicht mehr selbstverständlich voraussetzbar: Z.B.:

http://www.detlev-mahnert.de/dutschke-bsz.html 

Drei Kugeln auf Rudi Dutschke, ein blutiges Attentat, wir haben genau gesehen, WER da geschossen hat..(Wolf Biermann)

 (Hallo, ich hab nicht indoktriniert, ja?)

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Dann begannen wir mit der Mathematik, machten uns mit ein paar Tafelübungen für die Bruchrechnung flüssig und vertieften uns in dieses wunderbare Rechenmaterial:
                                  
Als ich merkte, dass viele versuchten, die Aufgabenlösungen eher zu erraten als die wunderbare Möglichkeit zu nutzen, durch Legen mit den ausgeschnittenen Teilen die Bruchgrößen und -verhältnisse stärker zu verinnerlichen, hielt ich ihnen einen kleinen Vortrag über den doppelten Sinn von "begreifen". Das half etwas, mehr mit den Händen zu tun gemäß diesem genialen Tweet, dessen Bedeutung für Lernen überhaupt man nicht groß genug einschätzen kann:

Dieses Lernmaterial bietet so viele unterschiedliche Situationen und Anleitung zum "Handeln" beim Lösen der Aufgaben, dass es die reine Freude ist.
Man bemerkt, wie gern die Kinder damit arbeiten. Genial ist auch die durchgehende Selbstkontrolle beim Arbeiten, also sehr empfehlenswert als Eigenarbeit und Selbsttätigkeit auf vielen Ebenen fördernd.
Nach der Pause, die eine Pause war, d.h. es war keine Aufsicht zu führen, hatte ich eine Förderstunde, und --F***---, ausgerechnet in der Kunststunde soll ich Kinder zum Schreiben oder Rechnen entführen???
So blieb ich noch zu Beginn der Stunde und konnte der Einführung des Kollegen Lars folgen, der mit sehr anschaulichem und gut vorbereitetem Material Tiere, in Höhlenmalereien und die Höhlenmalereien selbst präsentierte, was dann auch ein sehr informatives und lernintensives Gespräch über steinzeitliche Tiere ergab.

Danach begann die praktische Arbeit des plastischen Herstellens eines Tieres so wie es auf einer Felswand auch auf unebenem Grund abgebildet wäre.
Lars hatte eine tolle Idee gehabt: Anfang November, zu unserem Lesefest, werden wir eine Höhle mit urzeitlichen Malereien herstellen, unten in unserem langen Kellergang,  die Kinder werden Führungen anbieten, unsere Gäste durch die steinzeitliche Höhle führen (mit der Taschenlampe) und Erläuterungen geben.
Die Idee war so mitreißend, dass ich mich gleich bereit erklärte, mitzuarbeiten. Lars entwickelt mit den Kindern die Höhle, ich sollte dann mal Ideen für die "Führungen" entwickeln....
Er erzählte mir von einem Film des Werner Herzog über die Höhle von Chavaux in Südfrankreich.

Als die Kinder zu arbeiten begannen, ging ich mit Fereba in den Nebenraum rechnen. Fereba ist eine ganz ruhige Schülerin, sehr fleißig, aber mit großen Schwächen in Mathe. Da ich die Klasse in Mathematik ja jetzt erst kennenlerne, muss ich mich da auch langsam herantasten. Wir rechnen also ein paar Aufgaben - wieder die Scheu vor der grafischen Lösung, auch, glaube ich zu bemerken, die negative Rückkopplung, die aus erlittenen Misserfolgen resultiert und die einem ein Brett vor den Kopf stellt oder alles in eine Nebelwand hüllt. Ich kenne das von mir selbst, allerdings noch nicht bei einfachen Bruchrechenübungen. ; )
Als ich es bemerke, spreche ich es an: Ja, da ist schon ein negatives Verwirrsystem in Gang gekommen, so dass Fereba nicht über die Fähigkeiten aktuell verfügt, die sie unter günstigen lernbiographischen Voraussetzungen aber doch mobilisieren könnte.
Das ist ein sehr typisches Mädchenproblem. Unsere Rechnungen bekommen einen schönen Fluss, eine Art "Drive", sie traut sich mehr zu und hat schöne Resultate.
Damit wird sie in den Kunstunterricht entlassen und ich schlüpfe schnell in den Computerraum hinein, um nach dem Herzog-Film zu forschen.
Hier ist er, sogar mit Trailer. Konnte nicht widerstehen, habe ihn sofort bestellt.
Ich hatte heute nämlich keine Vetretungsstunde.
Nochmal in die Klasse zurück, wo sich Schönes tut:



Danach Pause, mal was essen und trinken und in der 5. Stunde ist Teamgespräch.
Am Morgen hatte mich eine Mutter angesprochen, Mutter eines Schülers, den ich von der Wollwerkstatt her kenne. Sie macht sich Sorgen, ihr Sohn wollte heute nicht zur Schule gehen, er hatte etwas mitbekommen, das ihn geängstigt hatte. Der Mutter hatte ich versprochen, herauszufinden, was es gewesen sein könnte und mit ihrem Sohn zu sprechen. Das musste jetzt noch geleistet werden. Das Gespräch mit Mesut war sehr aufschlussreich.
Erwachsene hatten sich vor der Schule stehend laut aufgeregt. Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind auch die Dinge 1:1 genommen habe. Wenn sich jemand erregt, dann dachte ich, muss es doch so sein, denn sonst würde er sich doch nicht so aufregen.. Die Stimmung war Mesut unter die Haut gegangen, wie man so sagt, ohne, dass er verstanden hatte, worum es ging. Es musste aber etwas sehr Schlimmes sein, er meinte, eine Vergewaltigung oder so, und bekam Angst.
So sprachen wir eine Weile zusammen und trennten uns dann. Die Kollegin erlaubte auch gleich, dass er mit hinausdurfte. Er fühlt sich wohl in seiner Klasse und in der Schule, aber der Vorfall gestern hatte ihn sehr erschreckt.

Danach machte ich mich nach Hause, denn die Schilderung des Vorfalls durch die Erwachsenen an der Schule hatte mich auch erschreckt und auch, wie wenig Mancher angemessene Formen zu finden weiß, mit unterschiedlichen Standpunkten umzugehen. Das ist sehr belastend.
Eigentlich bin ich ja jetzt privat - aber war das eben hier privat? Doch eher nicht. ABER JETZT!
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Mittwoch, 15. August 2012

Manchmal läuft es anders.


Der Tag lief heute teilweise anders als vorgesehen. Ich hatte heute die beiden ersten Stunden frei. Die Kinder hatten Englisch. Während der freien Zeit organisierte ich mir zuerst einen DVD-Player und schaute mir einen Film über die Frühgeschichte der Menschheit an, den ich mir am  Montag aus der Amerika-Gedenkbibliothek ausgeliehen hatte. Er hatte keine Altersbeschränkung, das hatte mir Mut gemacht. Sachfilme haben oft eine unerträgliche Erwachsenensprache, gänzlich ungeeignet für Kinder - schade!


Dieser Film war am oberen Level dessen angesiedelt, was für unsere Kinder verstehbar ist - immerhin. Ich sah mir die ersten vierzig Minuten an, ob sie für den Unterricht geeignet waren. Sie waren es.

Der Film will zeigen, dass die so genannten primitiven neolithischen Urmenschen sehr wohl eine beachtliche Archtiketur und eine beeindruckende Medizin, also grundlegende zivilisatorische Errungenschaften, vorweisen können und dass alle anderen, mehr gefeierten Zivilisationen und auch wir auf deren Kenntnissen aufbauen. Zum Beispiel soll Gletschermumie Ötzis Kultur vor 5000 Jahren Akupunkturkenntnisse gehabt haben....Manches aber ging auch verloren...

Es war sehr interessant. Im Gespräch im Nachhinein sprachen wir über Muttergöttinnen und Vatergötter und blieben bei Haggar, einer wichtigen Person im Islam "hängen" , Ismaels Mutter, die in der Bibel eine Randfigur ist und im Koran recht bedeutsam. Meine Bildungslücken füllte ich in der Pause mit Hilfe meiner islamischen Religionskollegin auf.

Der Hagar war ich in der Gemäldegalerie im Sommer begegnet, hatte sie zum ersten Mal kennen gelernt und mich über sie informiert.
Es ist interessant, wie viele Geschichten in den drei monotheistischen Religionen
Übereinstimmungen aufweisen, aber aus je einer anderen Perspektive erzählt werden.


Hier sehen wir Abraham, alt und ohne Nachkommen, dem von seiner unfruchtbar gebliebenen Frau Sarah Hagar, "die Fremde", eine Magd aus Ägypten zugeführt wird, um einen Sohn zu zeugen.
Interessant in dem Bild ist das Gesicht der Hagar, sie hat einen gemischten Ausdruck aus Ungläubigkeit und vielleicht Abscheu im Gesicht vor diesem alten Mann, mit dem sie nun das Bett teilen soll..



Sie wird sehr schlecht behandelt, besonders von Sarah, Abrahams Ehefrau und will fliehen, doch sie bleibt, bis die alte Sarah den Isaak gebiert, vierzehn Jahre später, da ist sie 113!! Da schickt Abraham Hagar und Ismael in die Wüste.




Ismael weint, Hagar will es nicht glauben, hat sich in die unmögliche Situation eingelebt und wird nun verstoßen, weil das gewünschte Kind nun doch gekommen ist. Jetzt ist kein Platz mehr für sie und Ismael. Im Koran soll Ibrahim Ismael schlachten, in der Bibel ist es Isaak, der das Opfer sein soll. Hadschar/Haggar ist dem Koran nach an einer Wand der Kaaba in Mekka beigesetzt und wird im Islam sehr verehrt.

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Ich musste auch noch erklären, warum ich im Moment so "notengeil" bin und andauernd Noten gebe. Ich will, dass die Kinder später die richtige Oberschulempfehlung bekommen und dass diese auf ganz vielen Informationen fußt. Ich will, dass wir zu einer übereinstimmenden Oberschulwahlentscheidung mit den Eltern gelangen. Hier müssen viele grundlegende Informationen die überschießenden Projektionen und Wünsche begrenzen und ein realistisches Bild ergeben, damit die richtige Entscheidung getroffen wird. Richtig ist die Entscheidung, die auf den Fähigkeiten des Kindes aufbaut und ihm ermöglicht, die Schullaufbahn mit möglichst hohem Abschluss ohne Abbrüche und ohne Versagenssituationen zu absolvieren.

Die Schüler möchten nach Film und langem Gespräch über Gott und die Welt an ihren Referaten über Themen unserer Klassenfahrt weiter arbeiten und es war sinnvoll, es zu tun. Ein Schüler möchte über "Jugendherbergen" schreiben, kein ganz leichtes Thema.


Danach lasen wir noch im 2. Kapitel des Buches "Die Sonne bleibt nicht stehen" von Gabriele Beyerlein. Über ein paar Tausend Jahre gab es die altsteinzeitliche und die jungsteinzeitliche Lebensweise nebeneinander. Das Buch handelt davon, wie ein Junge mit altsteinzeitlicher Lebensweise  und ein Mädchen aus der Jungsteinzeit sich treffen und Freunde werden, dies aber vor ihren Familien mit ihren Vorbehalten gegen die jeweils andere Gruppe verheimlichen müssen. Sie selbst haben auch Verständnisschwierigkeiten miteinander. Das Verhältnis zur Natur unterscheidet sich grundlegend wie auch ganz viele scheinbare Kleinigkeiten.
Das Buch gibt nach meiner Ansicht ein wundervolles Bild der paradoxen Momente von Fortschritt: Man gewinnt durch das Voranschreiten und man verliert auch etwas. Es ist gut, das zu wissen.

Dann waren vier Stunden Unterricht zu Ende, ich fühlte mich sehr ausgehöhlt. Die Gespräche waren sehr intensiv und spannend und die einzige lange Pause war eine Aufsicht gewesen. 

Nach solchen packenden Gesprächen, in die ich mein ganzes kulturhistorisches Wissen packe, z.B. so spannende Fragen, wie es dann kam, dass die Männer in grauer Vorzeit zur Zeit der Verehrung der Fruchtbarkeit bringenden Muttergottheiten irgendwann merkten, dass sie ja irgendwie an dem ganzen Fortpflanzungsgeschehen ja auch beteiligt waren - das heißt, sie wussten es vorher NICHT! - und dann den Spieß umdrehten, auch, weil, wie ein jüdisches Sprichwort sagt: "Du weißt immer, wer die Mutter ist, aber Du weißt nicht, wer der Vater ist..." und es schon Eigentum zu vererben gab - Stichwort Kuckuckskinder (dazu muss man wissen, wie die Kuckucke das machen) - und es dann zum Patriarchat kam.

Das ist sehr gut bei Erich Neumann dargestellt. Wirklich spannend. Ein menschheitsgeschichtlicher Krimi über die Identitätsfindung des Mannes.


Wir sprachen dann noch darüber, wie jung eigentlich die Emanzipationsgeschichte der Frau in der westlichen Welt ist und dass bis vor 200 Jahren auch in Europa noch zwei Äcker heirateten und keineswegs  romantische Liebe die Ursache des Heiratens war. Selbst bei "uns" ist das noch sehr, sehr jung, geschichtlich betrachtet. Dies steht zum Beispiel bei Niklas Luhmann: "Liebe als Passion" sehr spannend beschrieben.



Solche rasanten Gespräche lassen mich erschöpft zurück. Ich bin dann eine Stunde früher gegangen, habe doch in den Ferien soo viele Stunden gearbeitet....Wird aber alles ordentlich verrechnet. : )
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Dienstag, 14. August 2012

Nun hängen wir da wieder voll drin.


 Wir befinden uns schon wieder in der zweiten Schulwoche, siebter Arbeitstag. Noch nichts im Blog geschrieben. Aber viel nachgedacht. Ich lege es ein wenig impressionistisch und wenig systematisch an, denn eigentlich befinde ich mich schon im Freizeitmodus. Es ist 16 Uhr.


Der Schultag war so in Ordnung. Es waren viele Leute noch in der Klasse und heute morgen fragte ich mich, ob ich das alles unter einen Hut bekomme, ohne mich zu blamieren und ohne, dass die Betreffenden etwa enttäuscht wären, weil sie nicht sachgerecht oder hilfreich sich betätigen konnten....Wenn man Lesepaten und Helfer hat, muss man diesen Aspekt auch beachten. Wer kommt schon freiwillig in ein Schulhaus, wenn es ihm dann nicht gefällt?


Thekla sagte einmal: "Ich möchte jemandem dienlich sein..." Ja, mit diesem Gefühl möchten die betreffenden Menschen das Haus verlassen.
Da kommt für die Lehrerin noch eine Ebene dazu, die sie beachten muss. Aber das macht sie doch gern. : ) Dafür trifft man in der Schule auch auf nette Menschen - außer den Kollegen natürlich! 



Ich habe mir eine neue Struktur gegeben. Das heißt, ich habe mir überhaupt eine Struktur gegeben. Das heißt nicht, dass vorher alles chaotisch gewesen wäre. Das heißt es überhaupt nicht. Aber.



Der Grund für meine neue Arbeitszeitstruktur ist, dass ich einen Rahmen suchte, der mir dienlich ist. Einen Rahmen, der mich den Überblick behalten lässt, der mich nicht ins Hintertreffen kommen lässt, der mir spiegelt, was ich schon geleistet habe und der einen Riegel vorschiebt, wenn sich im Hinterstübchen diese Gedanken melden:"...Du kannst jetzt nicht lesen, spazierengehen, Musik hören....... Du müsstest noch dasunddastun!" Es gibt immer ein Dasunddas, das man noch tun sollte. Schule ist nie vorbei und die schriftlichen Nachbereitungen, die Planungsarbeiten und die konflikthaften Dinge verfolgen einen regelrecht.


Dagegen habe ich einen Deich gebaut. Ich mag schon gerne meinen Teil des Vertrags erfüllen. Aber ich möchte auch feststellen, dass ich es getan habe, wenn ich es getan habe und dann möchte ich mich anderen Dingen zuwenden dürfen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Deiche bauen gegen die Flut der Ansprüche, der eigenen und der fremden. Und das ging so:



Zu Beginn meiner Lehrertätigkeit, Ende der Siebziger Jahre,  hatten wir an der damaligen Schule eine recht aktive gewerkschaftliche Gruppe. Wir hatten immer das Gefühl, viel zu arbeiten, aber niemals, genug getan zu haben. Wir konnten das auch nicht nach außen vermitteln.


Wenn ich mich recht erinnere, habe ich mit einer Wochenstundenzahl von 23 angefangen und nun sind wir bei 28 Wochenstunden. Einfach peu à peu vom Senat heraufgesetzt. Obwohl die Anforderungen sich min-de-stens verdreifacht haben... (Ich trenne privat übrigens nie st, denn es tut ihm wirklich weh und mir auch...)

Jedenfalls damals hatten wir noch mehr Power. Wir machten vier Wochen "Gläserne Schule" und dokumentierten das.
Wir rechneten unsere Arbeitnehmerochenstunden von damals 40 Stunden/Woche mal 46, das ist die normale Arbeitswochenzahl im Jahr, wenn man sechs Wochen  Urlaub hat. Es ergibt sich eine Jahresarbeitsstundenzahl, die, durch 40 geteilt, weil Lehrer zwölf Wochen im Jahr Ferien haben, den Zeitwert ergibt, der in einer Woche mit Ferienausgleich zu arbeiten ist.

Wir blieben diese Zeit in der Schule, hatten Zeit für Eltern- und Schülergespräche, für Planungsgespräche, für Materialvorbereitung, und --es blieben unglaublich viele bürokratische Arbeiten und Korrekturen liegen.

Dieses dokumentierten wir.

Wir hatten uns niemals vorher so zufrieden gefühlt. Wir schafften es, die Dinge, die liegen blieben, liegen zu lassen. Später zu bearbeiten.
Daran erinnerte ich mich. Schon lange schreibe ich meine Arbeitsstunden auf. 

Aber jetzt wollte ich Nägel mit Köpfen machen:
Ich arbeite auf Teilzeit, in diesem Schuljahr sind es 21 Unterrichtsstunden von 28, das ist eine 3/4-Lehrerstelle. Das reicht mir völlig aus. Mehr brauche ich nicht. Ich könnte einen freien Tag haben. Dann aber sammeln sich die Unterrichsstunden an den anderen vier Wochentagen.
Ich mag es so lieber: Vier Unterrichtsstunden am Tag kann ich körperlich und seelisch gut "wuppen", danach bin ich erschöpft und verausgabt. Diese vier Stunden kann ich auch vor- und nachbereiten in einer Weise, die für mich in Ordnung ist.

Ich rechne so: Ein Beamter arbeitet in Berlin in der Woche 42,5 Stunden (oder nur 40??) Ich ging jetzt mal von 42,5 Stunden aus.

Meine Jahresarbeitsstunden:  42,5 x 46 = 1.955

Ferienausgleich: Teilen durch die tatsächlichen Arbeitswochen:

1.955: 40 = 48,9  Jetzt die Dreiviertelstelle:

48,9 x 3 = 146,7       146,7 : 4 = 36,7    Das ist die Wochenarbeitsszeit.

Pro Tag ergeben sich:   36,7  : 5 = 7,3

Ich muss also pro Tag 7 Stunden und 20 Minuten arbeiten.

DANACH HABE ICH FREI!!!!

AM WOCHENENDE HABE ICH FREI!!!

Das habe ich jetzt eine Woche lang ausprobiert und es ist mir wunderbar bekommen. Ich war schon lange nicht mehr so privat und ausgeruht. Immer wieder kamen die Gedanken, ich sagte mir: Hallo, Du HAST Deinen Teil des Vertrages erfüllt.
DU GEHÖRST DIR JETZT SELBST! Also, was willst Du jetzt tun oder nicht tun?
Mit Schule darf es nichts zu tun haben - VERBOTEN! ........WAR DAS SCHÖN!!!

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Mittwoch, 27. Juni 2012

Alles zur Klassenfahrt nach Wyk auf Föhr

Hallo,
alles zur Klassenfahrt nach Wyk auf Föhr vom 11. bis 15. Juni 2012 steht auf diesem Blog:

www.lenauerwir.blogspot.de

Grüße
Minna

Was machst Du in den Ferien in der Schule?

Ja, das erscheint vielen Menschen etwas abartig, dass man in den Ferien in der Schule herumhockt und nicht ganz gezielt nur Privates macht.

Ich komme mir dann einen Moment lang etwas "minderbemittelt" vor, so, als hätte ich in den Augen der Anderen etwas nicht ganz verstanden und würde "es" nicht so wirklich bringen, nicht so effektiv sein und die Dinge so im Griff haben, dass man mit der Zeugnisausgabe fertig ist in mehrerer Hinsicht, auch fertig mit der Schule. Jetzt ist Freizeit angesagt, jetzt ist die Zeit, auf die man immer gewartet hat.

Ich räume da auf. Bemerke erst den Dreck, den Staub, die Flecken und wie hässlich und unaufgeräumt das alles ist. ICH bekomme das in der Hektik niemals ganz richtig hin, alles wieder richtig hinzuräumen oder eine Ecke zu säubern.

Dann komme ich in den Ferien. Hefte noch Dinge ab, gehe durch jedes Regal mit dem Lappen und wische feucht alles aus. Dann schaue ich nach, was weggeworfen werden kann oder was einen besseren Platz gebrauchen kann und das gelingt mir immer nur, wenn ich es in die Hand nehme.

Dabei kommen mir dann gute Ideen. Wenn jemand sagt: "Ich helfe Dir dabei.", dann will ich das lieber nicht, denn dann stelle ich mich ja wieder auf einen Menschen ein und vergesse die Sachen.

Jetzt will ich die Sachen wichtig nehmen. Was bedeuten sie mir? Sie bekommen einen vorläufigen, dann einen immer weniger vorläufigen Platz.

Meine Klasse, der Raum,  ist voller Sachen.  Voller Dinge und Materialien. Heute fand ich ein Brett, auf dem mit Knetgummi Deutschland mit seinen Flüssen und Mittelgebirgen geknetet war. Ich wusste nicht, dass ich das noch hatte. Ein paar Stellen ausgebessert (Knete besorgen), dann ist es wieder eine gute Aufgabe für den Unterricht, man kann es im Atlas nachsehen lassen, für einen Wochenplan zum Beispiel. Hierbei wird alles schön sauber. Man kann die Dinge dann später einmal anfassen und hat nicht schmutzige Hände danach.

Eine schöne Pflanze, eine Zitronenpelargonie, habe ich heute wieder hergerichtet. Ich musste viele Triebe hochbinden, Vertrocknetes abnehmen und nun sieht sie wieder schön aus. Das hat bestimmt eine Stunde gedauert...
Wenn man ihre Blätter bewegt, dann gibt sie einen wunderbar aromatischen zitronigen Duft ab. Der ganze Raum duftete nach ihr.



Bücher finde ich verstreut überall, die zu einem Thema gehören, z.B. zur Steinzeit oder zur Zeit der "Alten Griechen". Ebenso eine Kiste mit Quizkarten. Viele Fächer auswischen, ordnen, Regale verschieben und dahinter wischen.

Ja, es gibt in der Schule eine Grundreinigung. Sie wird mit einer Bodenversiegelung abgeschlossen. Die Versiegelung hatte in den letzten Jahren ein paar Stoffe drin, die mir Kopfweh machen und die ich für ungesund halte.
Nur die Reinigung allein, das geht nicht, hieß es, das Reinigungsmittel öffnet die Poren und die müssen mit der Versiegelung wieder geschlossen werden.

Deshalb putze ich auch selbst. Im Raum ist ein schöner alter Boden aus Naturlinoleum, selten ist das heute! Heute wird nur noch PVC verlegt. Und der wird jetzt aufgerastert und dann mit Plastik verschlossen? Nee, nicht mit mir.

Die Farbe des Klassenraums ist eine Silikatfarbe, eine Naturfarbe, sie "atmet", und das bemerkt man, wenn man den Raum betritt. Das  gibt ein ganz anderes Raumklima als die alle Poren verschließende Latexfarbe. Es ist eine Farbe der Firma Keim, hab sie auch selbst angebracht. Das ist mein Arbeitsraum. Hier verbringe ich mehr als die Hälfte des Tages, zweihundert Tage im Jahr...

Die Farbe fiel einer Dozentin der HU sofort auf, als sie den Raum betrat. Sie war sehr angetan davon. Bin ich auch. Es ist ein mineralisches Graugrün, das eine sehr schöne Ausstrahlung hat und beruhigend wirkt.

Und so was will alles gepflegt werden....



Lieblingsstelle am Aquarium. Das Aquarium ist ein schöner Aufmerksamkeitspunkt im Raum. Das Wasser blubbert auch angenehm. Der blaue Fadenfisch hat sich leider wieder versteckt, diesmal in dem Tontunnel, den sein ehemaliger Bedroher, der Streifendornwels, immer innehatte. Er kam einmal heraus heute, aber ohne ihn sieht das Aquarium etwas leer aus. Die Guppies und Black Mollies sieht man nicht so von ferne.

Oben hängt das Picassobild, das Hans so überzeugend interpretiert hat. Hans' Bild hängt rechts daneben. Mit dem Bild hatten wir uns einmal im Kunstunterricht beschäftigt.

Vorhin habe ich Wolle aus dem Auto geholt, es waren neun Säcke voll und im Wollraum verstaut. Das wird noch viel Arbeit, sie zu sortieren und für den Gebrauch vorzubereiten.

Wenn der Klassenraum fertig ist, so in ein paar Tagen, ist die Wollwerkstatt "dran".

Das soll für heute reichen....  Grüße   Minna

Donnerstag, 24. Mai 2012

Der zweitbeste Beruf der Welt

Das ist aber heute wirklich nur noch der zweitbeste Beruf der Welt, komme nach Hause und fühle mich sehr aufgewühlt und schlecht behandelt. Es ist nicht richtig zu sagen, schlecht behandelt, vielleicht nicht professionell, wie man heute so sagt, aber ich fühle mich so.
Ich muss es rausreden aus mir, muss es loswerden, sonst setzt es sich in mir fest.
Habe heute eigentlich einen sehr schönen Tag gehabt. Heute  früh ein sehr wunderbares entspanntes Gespräch über Gott und die Welt, würde ich sagen.
Eine Deutsch-Klassenarbeit stand an und die Kinder fragten so dermaßen interessiert wie wir damals immer unseren Lateinlehrer, fragten, wie das mit seinen Motorradfahrten durch Kreta gewesen sei und dann fing er an, so begeistert zu erzählen, dass die Hälfte der langweiligen Lateinstunde wie im Flug um war und er dann sagte: "Aber nun müssen wir doch mal..."
So kam ich mir vor, doch streiften wir wirklich gute Themen. Zuerst ging es um Schulabschlüsse und für welche Berufe man welchen benötigt, an interessierten Fragen hangelten sich meine Antworten entlang.
Wie wir aufs Gefängnis, die Justiz, auf Justitia mit der Waage und der Augenbinde kamen, ich weiß es nicht mehr. Es ging auch um Föderalismus (BRD) und Zentralismus (Frankreich) und warum es möglich ist, dass die Grundschule in Berlin sechs Jahre dauert und sonst nur vier - ich glaube, es war ein Vermerk auf dem Wörterbuch: 5-bis 10. Klasse, Sekundarstufe.
Grundgesetz, Bürgerliches Gesetzbuch, Gericht, Schöffen, Ehrenämter, Sozialstunden, Bewährung, Jugendstrafrecht, Erwachsenenstrafrecht...., na, dann waren 45 Minuten schon um.
Kleine Pause, dann begann die Klassenarbeit.
Alle legten sich sehr ins Zeug, ausnahmslos jeder wollte so viel wie möglich aufs Papier bringen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Dann ging ich nach Hause, für zwei Stunden Zeugnisse schreiben. Das, was man schon schreiben kann und kam zur Mathestunde wieder.

Die Gruppe der Mädchen hatte über die Zimmerverteilung bei der Klassenfahrt gestritten, sie baten um ein Gespräch. Ich hatte ihnen gesagt: "Wir treffen uns um 14 Uhr 15 draußen, Ihr seid dann draußen nach dem Essen, und dann werden wir sehen, was die Klasse macht und noch arbeiten kann bei der Hitze und ob ein Gespräch möglich ist. Das klären wir dort."

Unsere Erzieherin hatte schon frei, sie hatte seit 6 Uhr morgens gearbeitet, eine Vertreterin war da, als ich kam. Sie sagte mir, alle Mädchen hätten ihr gesagt, dass sie nach dem Essen oben auf mich warten sollten, ich hätte das so gesagt.

Ich war empört. Sofort ging im Kopf meine Klassenfahrt-Angstklingel los:

WAS machen sie? Ich hatte doch etwas ganz Anderes gesagt!

Schon in den Hofpausen versuchen viele Mädchen oft, auf irgendeine Weise sich vor dem Hinausgehen zu "drücken". Hier aber standen sieben Mädchen vor der Erzieherin und logen, nur, um oben zu bleiben?
Es war ihnen ganz egal, wie ich das aufnehmen würde? Was glaubten sie? Es war ihnen egal, die Erzieherin so frontal alle zusammen anzulügen?

Mir wurde unheimlich, wirklich unheimlich.
Sofort hatte ich ein Vertrauensproblem.
Dann ging ich nach oben und wurde sehr herzlich begrüßt, so, als ob alles super in Ordnung wäre...

Ich wies sie an, sich jede allein an einen Tisch zu setzen, ein Blatt Papier zu nehmen und aufzuschreiben, was ich um halb 12 zu ihnen gesagt hatte.

Es war siebenmal das, was ich tatsächlich gesagt hatte. Stuhlkreis. Warum???
Ach, irgendjemandwirwissennichtmehrwerhatgesagtwirkönntenobenbleiben
unddannhabenwirsallesogemacht......

Na, ich war bedient. Diesen Damen soll ich eine Woche lang Tag und Nacht vertrauen? Wie soll ich schlafen können, wenn sie so unheimliche Impulse haben und auch dazu noch dreist lügen, der Erzieherin ins Gesicht, alle zusammen, so überzeugend, wie sie es schilderte. Gibt es Unwahrheitsroutinen? Machen sie das oft? Wen belügen sie sonst? Haben sie einfach nur ein instrumentelles Verhältnis zur Wahrheit und zu den Menschen, mit denen sie zusammen sind, also auch zu mir?? Fehlt ihnen, was man Gewissen nennt?

Grund genug zum Nachdenken war das schon.

Doch dann kam noch etwas nach. Wir sind am Ende der Mathestunde. Es sind noch etwa fünf Minuten. Die Tür geht auf, eine Mutter steht da und weicht auch bei dem Hinweis, die Stunde dauere noch fünf Minuten, nicht zurück. Drei starke Hinweise müssen ausgesendet werden, ehe sie wieder hinausgeht und wartet.

Als die Tür sich hinter ihr schließt, springt die Tochter auf, öffnet die Tür und will zu ihrer Mutter, ohne zu fragen oder Aufschluss über ihre Wünsche zu geben.

Ich hole sie zurück und weise sie scharf zurecht. Komme mir wiederum nicht ernst genommen vor. Hier ist kein Respekt vor dem, was wir tun, von der Mutter nicht, von der Tochter nicht.

Muss mir Gehör verschaffen, denn die Tochter lässt mich kalt lächelnd abtropfen, würdigt mich keines Blickes.

Die Mutter möchte ihre Tochter heute eine halbe Stunde früher abholen. Klar, warum nicht. Nun aber will sie es jeden Tag so tun. Ich sage ihr, das muss sie mit der Erzieherin besprechen, sie legt los und überschüttet mich mit einem Schwall Worten. Ich sage, ich bin die Lehrerin, sie muss das mit der Erzieherin besprechen oder mit der Schulleitung. Wir sind eine Ganztagsschule, in der Regel sind die Kinder von 8 bis 16 Uhr hier. Weiter werde ich überschüttet.

Ich sage, die Tochter kommt schon morgens oft zu spät und erhalte nun noch mehr Wortschwall, ich hätte jetzt mit morgens angefangen, ob ich wüsste die S-Bahn etc. 
Müde bin ich, einfach nur müde. Was spricht sie mit mir? ich habe die Ganztagsschule nicht erfunden, ich kann sie insgeheim noch nicht einmal verteidigen, habe damals dagegen gestimmt, aus verschiedenen Gründen, auch, weil ich der Meinung bin, dass Eltern und Kinder ein Recht haben, Zeit miteinander zu verbringen, wenn sie dies am Nachmittag wollen.

Was passiert hier gerade?
Ich kann weder etwas für die Ganztagsschule noch kann ich es gut finden, dass  die Tochter ständig zu spät kommt. Die Kinder stehen dabei. Ich kann der Mutter nicht sagen, alles paletti, Sie haben es schwer und dann der lange Weg, also das geht schon klar mit dem Zuspätkommen.

Pünktlichkeit ist eine gesellschaftliche Schlüsseleigenschaft, ohne die jemand keine Stelle bekommt oder sie nicht lange hat.
Pünktlichkeit muss trainiert werden. Wenn die S-Bahn unpünktlich ist oder da ein Stau ist, muss man umdisponieren. Meine Kolleginnen kommen täglich aus Hohenschönhausen oder Weissensee, die schaffen das auch, pünktlich da zu sein.

Zu alledem habe ich keine Lust. ICH WILL JETZT NICHT DISKUTIEREN. Ich habe einen langen Schultag mit Konflikten hinter mir, ich will das jetzt nicht. Doch ich werde nicht gehört.
Wenn ich der Mutter sage, ja ja, ist schon gut, dann habe ich gleich fünfe, die andauernd zu spät kommen, dann sinkt die Moral, sofort. In unserer Klasse zahlen zwei Kinder die Lehrbücher, das heißt, von zwanzig Familien stehen zwei ökonomisch auf eigenen Füßen.
In vielen Familien ist das Kind die einzige Person der Familie, die morgens früh aufstehen muss. Der Wert der Pünktlichkeit wird generell nicht gesehen, wir müssen sehr massiv werden, um klarzustellen, dass dies aus verschiedenen Gründen etwas zählt.

Klammer auf: Man lese nur das Blog  

www.frlkrise.wordpress.com  

, dann weiß man, was in der zehnten Klasse in vergleichbaren Verhältnissen so abgeht.

Wenn wir Lehrer da in der Grundschule auch noch anfangen, lässig zu werden....nicht auszudenken.

Aber ich bin jetzt da. Sie hat mich jetzt am Wickel. Ich hab ja damit angefangen, nun muss ich mir das auch anhören.
Ich versuche den Rückzug, sanfter, dann nicht mehr so sanft, zum Schluss recht brüsk.
Puuh, und jetzt klebt diese Auseinandersetzung, die ich nicht wollte, an mir.  Ich werde sie nicht los.  Na, vielen Dank!

Wie gesagt, heute war das Lehrersein nur der zweitbeste Beruf der Welt.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Marie und Teddy

Heut, vier Unterrichtsstunden, : ) , danach mit Marie im Wollraum, sie hat den Eimer mit den Wasserpflanzen, ich den mit den Fischen. Sie wartet auf mich. Ich rede noch mit Otti, weil Otti noch mit mir reden wollte. Otti ist in der Klasse mittlerweile Kult. Die Klasse ist sein Fanclub. Er war heute mit drei Mädchen lesen, aber dann auch mit Ali. Otti wundert sich über Ali. "Was ist mit ihm los, bekommt er Medikamente?", fragt er ernsthaft. (Darüber ein andermal mehr.)
Wir unterhalten uns, unten steht Marie.

Marie ist gerade ins Büro gegangen, um ihre Telefonnummer zu holen, da kommt meine Nachbarkollegin und sagt, sie habe sich gerade mit Marie unterhalten. Marie stand vor den Schafebildern, wartend, da habe sie sie über die Schafe etwas gefragt und wie sie geantwortet habe, das sei sehr berührend gewesen, was sie alles über die einzelnen Tiere wusste und welches ihr Lieblingsschaf sei. Vorher sei es ein anderes gewesen, aber das sei gestorben. 
Dass Marie mit den Schafen so eine innige Verbindung hat, wusste ich nicht, das war mir nicht bewusst. Schön, dass die Kollegin sich dafür interessierte und dass es auf diese Weise zutage kam.
Marie ist wieder da. Wir rufen ihre Mutter an, dass wir gleich kommen mit den Planten und den Fischen. Und machen uns auf den Weg mit zwei Eimern halbvoll mit Wasser. Wir gehen zusammen. Sie hat einen Eimer, ich hänge den anderen über den Fahrradlenker. Unterhalten uns, ich bringe das Gespräch auf die Schafe. Marie beginnt, von Teddy zu erzählen. Mein Gott, Teddy! 




Ich hatte Teddy fast vergessen. Teddies Tod ist wirklich eine ganz traurige Geschichte. Dass Marie Teddy so gemocht hatte, war mir nicht klar gewesen!
Man müsste öfter zu den Schafen hinkommen. Besonders mit den Kindern, die tatsächlich eine Bindung aufgebaut haben.
Habe ganz vergessen, Marie zu fragen, welches Schaf denn derzeit ihr Lieblingsschaf ist.
Hier kann man etwas über die Schafe und auch über Teddy lesen.


Es ist etwa ein Jahr her, dass Marie und noch zwei weitere Mädchen einen Projektwochen-Präsentationstag  darauf verwendet hatten, in einer Spardose Geld zu sammeln, wir hatten beschlossen, Teddy zu retten.
Als sie gerettet war und jeder dachte, nun werden wir aber viel schöne Zeit zusammen haben und Teddy viel Zeit, um ihre extreme Scheu und Angst loszuwerden - da lag sie im September plötzlich tot auf der Wiese. Das war so traurig gewesen, denn jetzt hatte sie nicht mehr genug Zeit gehabt zu merken, dass diese Welt nicht nur schlecht und angsterregend war...



Teddy war Enrico, unserem Schafscherer, von einem Bauern in Ziethen geschenkt worden, zu Tode (!) verschreckt war sie, Enrico hatte sie zwei Jahre gehabt, dann gab er sie in die Alte Schäferei weg. Dort konnte keiner etwas mit ihr anfangen, denn sie bekam keine Jungen. Sollte, na ja. 


Einmal, einen Tag nach dem Besuch unserer Klasse, stand Teddy plötzlich mit den Lenauern zusammen auf der Weide. Die Schäfer dachten, wir hätten sie herübergelotst, ich dachte, sie hätten sie dazugestellt. Nein, als wir nach ein paar Wochen einmal darüber sprachen, stellte sich heraus: Sie hatte von selbst über den Zaun zu den Lenauern übergesetzt und sich von der Mutterherde mit den Lämmern, wo sie sichtbar unglücklich gewesen war, getrennt!
Wir nahmen es als ein Zeichen: Sie war über den Zaun gesprungen und  hatte sich für Lenau entschieden! So setzten wir alles daran, dass sie dort bleiben konnte. 


Ein langes Leben lang hätte sie es schön gehabt, doch dann ging sie ein halbes Jahr später, kaum drei Jahre alt.

Alles das weiß Marie noch. Ich hatte es schon fast vergessen. 

 Warum, frage ich mich jetzt, hat Teddy mit ihrer Geschichte  Marie so stark bewegt?